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Die Krone des Erzgebirges: Jagdschloss Augustusburg

05.12.2022 um 12:18 Uhr
    Schloss Augustusburg im verschneiten Erzgebirge in Sachsen. | © Imago Schloss Augustusburg im verschneiten Erzgebirge in Sachsen. | ©Imago

    Mächtige Fürsten – und schnelle Motorräder: Das Jagdschloss Augustusburg in Sachsen zählt zu den faszinierendsten Bauten der Renaissance.

    Hoch über den sagenumwobenen Wäldern des Erzgebirges erhebt sich eines der schönsten Schlösser der Renaissance: Jagdschloss Augustusburg. Der prunkvolle Bau mit seinen vier pompösen Ecktürmen thront östlich von Chemnitz in 516 Metern Höhe auf dem Schellenberg. Eine eindrucksvolle Landmarke, die alle Blicke auf sich zieht. Im Volksmund „Krone des Erzgebirges“ genannt. 

    Genau dieser Effekt war auch die Absicht des Kurfürsten August von Sachsen, der Augustusburg zwischen 1568 und 1572 erbauen ließ. „Das Schloss war für August nicht nur ein repräsentatives Anwesen für seine Jagdgesellschaften, sondern vor allem ein wichtiges Macht- und Siegessymbol“, erklärt Patrizia Meyn, Geschäftsführerin von Schloss Augustusburg. „Der Kurfürst ließ es errichten, nachdem er Auseinandersetzungen mit dem Adelsgeschlecht der Ernestiner für sich entscheiden konnte und damit seine Machtposition in der Region sicherte.“ Es war das einzige Schloss, das der Herrscher Zeit seines Lebens erbauen ließ. Am Di, 6. Dezember zeigt der MDR (20.15 Uhr) die Doku „Augustusburg: Das legendäre Schloss im Erzgebirge“.

    516 Meter hoch ist der Schellenberg, auf dem das Jagdschloss Augustusburg liegt.

    „Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Entwürfe für die Gesamtkonzeption des Schlosses von August selbst stammen“, sagt Patrizia Meyn. „Er interessierte sich für Architektur und Bauwesen, in seiner Bibliothek finden sich zahlreiche Publikationen zu diesen Themen. Der Stil von Augustusburg unterscheidet sich von dem der anderen Schlösser seines Kurfürstentums zu jener Zeit. Vermutlich hat August sich von französischen und italienischen Vorbildern inspirieren lassen.“ Auch die Bauarbeiten begleitete der Kurfürst eng. Ständig haderte er mit dem seiner Meinung nach zu langsamen Tempo – dabei schien die Bauzeit von vier Jahren für damalige Verhältnisse relativ kurz. „Etwa 1000 Menschen waren gleichzeitig auf der Baustelle tätig“, sagt Meyn. „Viele von ihnen waren Wilddiebe, die eine Strafe abarbeiten mussten. Aufgrund der harten und gefährlichen Arbeit kam es immer wieder zu Todesfällen.“

    Jährlich besuchen bis zu 200.000 Besucher die Augustusburg

    Eine der größten Herausforderungen bestand darin, das Schloss mit Wasser zu versorgen. Das harte Gestein des Schellenbergs machte den Brunnenbau zu einer Mammutaufgabe. Erst acht Jahre nach der Eröffnung des Schlosses konnte der Brunnen in Betrieb gehen, der aus mehr als 130 Metern Tiefe Wasser förderte. Genutzt wurde die Anlage unter Augusts Ägide zur Beherbergung seiner Jagdgesellschaften. Nach seinem Tod stand das Anwesen meist leer und verfiel. „Größere Umbaumaßnahmen ließ Friedrich August III. zwischen 1798 und 1802 vornehmen“, berichtet Meyn. „Er war der letzte sächsische Kurfürst, der das Schloss nutzte, und ließ die Kaminzüge, Dachausbauten und Balustraden entfernen. Damals erhielt das Schloss sein heutiges Aussehen.“

    Das Sakralbild in der Schlosskirche schuf Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586).

    Heute bietet sich allen Besuchern eine Fülle an Angeboten. So beherbergt das Schloss eine der größten Motorradausstellungen Europas. Zu sehen sind vor allem Modelle der legendären Firma MZ. Zudem gibt es ein bedeutendes Kutschenmuseum. Aufgrund von Modernisierungen ist es derzeit zwar geschlossen, öffnet aber Anfang 2024 wieder.

    Noch bis zum 8. Januar läuft die Ausstellung „Kurfürst mit Weitblick“ über das Leben des Schlossgründers August. Eine weitere Besonderheit der Anlage ist die Holländische Linde. Sie zählt zu den ältesten Bäumen, deren Pflanzung belegt ist – im Jahr 1421. Ein Ausflug zum Schloss lohnt sich also aus vielen Gründen. Kein Wunder, dass Augustusburg jährlich bis zu 200.000 Besucher anlockt.

    „Augustusburg: Das legendäre Schloss im Erzgebirge“: Di, 6. Dezember, 20.15 Uhr im MDR