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„Aktenzeichen XY Spezial“: Diese Cold Cases will Rudi Cerne nicht aufgeben

23.02.2023 um 18:20 Uhr
    Aktenzeichen XY Cold Cases | © ZDF/Nadine Rupp Rudi Cerne präsentiert eine Sondersendung zu ungeklärten Fällen | ©ZDF/Nadine Rupp

    Rudi Cerne verrät exklusiv, zu welchen Verbrechen er sich im Spezial Hinweise erhofft und welche ihn tief bewegten.

    Wer kann Angaben zum Aufenthaltsort der schwangeren Lolita Brieger machen, die am 4. November 1982 spurlos verschwand? Letztmalig gesehen wurde die 18-jährige Näherin gegen 13 Uhr in der Nähe des Orts Scheid im Landkreis Vulkaneifel.“ Mit diesem Aufruf wandte sich die Fahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im Jahr 2011 an die Öffentlichkeit – 29 Jahre nach Briegers Verschwinden.

    Obwohl der Fall so lange im Archiv gelagert hatte, gab es einen überraschenden Erfolg: Den Ermittlern gelang es tatsächlich, das bereits zu den Akten gelegte Verbrechen noch aufzuklären – auch wenn sämtliche Spuren bereits überprüft und abgearbeitet schienen. Der Grund: Eine Zuschauerin, die einen Mitwisser des Mörders kannte, erfuhr durch die Sendung, dass dessen Beteiligung inzwischen verjährt war. Der Mann hatte seinerzeit bei der Entsorgung von Briegers Leiche auf einer Mülldeponie geholfen. Dem Täter wurde Totschlag nachgewiesen, doch dieser war inzwischen verjährt.

    Rudi Cerne präsentiert  zum zweiten Mal einen Cold-Case-Special

    „Ein Erfolg, der die lange Reihe der Altfälle bei ,XY‘ einleitete“, erinnert sich Ina-Maria Reize Wildemann, Redaktionsleiterin der Fahndungssendung, im Gespräch. Anfangs wurden Cold Cases noch in das klassische „XY“-Format eingebettet, 2020 gab es dann erstmals ein „Spezial“, das 5,72  Millionen Zuschauer einschalteten. Nun präsentiert Moderator Rudi Cerne zum zweiten Mal einen Cold-Case-Ableger, in dem gleich fünf lange zurückliegende Mordfälle beleuchtet werden.

    Chance für Cold Cases: Mitwisser wollen sich der Polizei manchmal nach vielen Jahren endlich anvertrauen.

    Mitwisser im Visier

    Was macht Kriminalisten und den Angehörigen von Opfern überhaupt Hoffnung, dass ausgerechnet ihr Fall nach mehreren Jahrzehnten noch gelöst werden kann? „Ganz einfach“, verrät Reize-Wildemann. „Einerseits entwickelt sich die Kriminaltechnik immer weiter – man denke nur an die verfeinerte Erbgutanalyse. Andererseits spielen auch veränderte soziale Beziehungen von Mitwissern eine bedeutende Rolle bei der Aufklärung von Altfällen. Denn natürlich haben sich viele emotionale Bindungen nach Jahrzehnten durch lebensverändernde Ereignisse wie Trennungen, Entfremdungen, Scheidungen und natürlich auch Todesfälle dermaßen verändert, dass sich Mitwisser der Polizei manchmal anvertrauen möchten. Nach meiner Erfahrung ist das Wissen um ein schweres Verbrechen nicht nur für die Täter sehr belastend, sondern auch für Helfer und Mitwisser eines Mörders.“

    Eine Taxifahrerin wird ermordet, der Täter nie gefunden. Bei Cold-Case-Ermittlungen entdeckt die Polizei Parallelen zu einem anderen Mord. War zweimal derselbe Täter am Werk?

    In der Spezial-Sendung wird es diesmal beispielsweise um die brutale Ermordung des Taxifahrers Horst Krug gehen, der im Oktober 1988 in Bad Nauheim mit mehreren Messerstichen getötet wurde, und um den Fall der Taxifahrerin Christel Rink, die im Mai des folgenden Jahres in Florstadt bei Friedberg durch mehrere Schüsse starb. Zudem rollen die „XY“-Macher noch einmal den Mord an der Türkin Selma Ötztürk in einem Waldstück bei Aschaffenburg auf. All jene Fälle, die im Spezial präsentiert werden sollen, sucht Ina-Maria Reize-Wildemann gemeinsam mit der Produktionsfirma Securitel aus.

    Gibt es dabei bestimmte Kriterien? „Die Auswahl der Verbrechen erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Kripo“, erklärt die Redaktionsleiterin: „Wenn die Polizei an einem alten Fall arbeitet und neue Fragen an die Öffentlichkeit hat, bereiten wir diesen Cold Case auf.“

    Cernes emotionalster Fall

    Von einem der Altfälle war Moderator Rudi Cerne besonders berührt. Im Gespräch verrät der 64-Jährige: „Es war der Mordfall Sigrid Paulus: Die zweifache Mutter verschwand im Februar 2008. Im Oktober 2012 haben wir den damals viereinhalb Jahre alten Cold Case in unserer Sendung aufgegriffen – und tatsächlich erhielten die zuständigen Ermittler neue Hinweise aus dem familiären Umfeld.“

    Daraufhin, so Cerne weiter, ergab sich 2013 ein „Anfangsverdacht“ gegen den Gatten der Vermissten: „Als die Ermittler Gerd Paulus mit den neuen Hinweisen konfrontierten, gestand er, seine Frau zuerst erwürgt und die Leiche anschließend im Keller einbetoniert zu haben. Paulus führte die Kriminalisten zu einem Betonsockel, unter dem sich die Frauenleiche befand.“ Dank der Hartnäckigkeit der Ermittler konnten die Angehörigen die Tote endlich würdig begraben. Gerd Paulus wanderte für acht Jahre hinter Gitter.

    Am 1. März wird Rudi Cerne in „Aktenzeichen XY Spezial“ um 20.15 Uhr im ZDF ungelöste Mordfälle neu aufrollen.