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Die häufigsten Fragen an den Zahnarzt

22.11.2022 um 15:54 Uhr
    Fragen an den Zahnarzt | © Imago ©Imago

    Ein Leben lang schöne, gesunde Zähne? Dafür kann jeder viel tun. Expertin Dr. Annette Jasper verrät, worauf es dabei ankommt.

    Wie oft und wann sollte man die Zähne putzen?

    Die meisten putzen die Zähne zweimal täglich: morgens und abends. „Dies halte ich auch für eine sehr vernünftige Regelung“, sagt Dr. Annette Jasper. „Du solltest dabei mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden wirklich alle Zahnflächen gründlichst reinigen.“ Das heißt konkret: einmal pro Tag auch Zahnseide und Zwischenraumbürstchen verwenden.

    Welche Zahnseide eignet sich am besten?

    Es gibt gewachste und ungewachste, fluoridierte, mit Geschmacksverstärkern versehene, verdickte und verstärkte Zahnseide. Doch welche ist für mich die richtige? Annette Jaspers Tipp: „Wenn du keine Besonderheiten im Mund hast, verwende ungewachste Multifilament-Zahnseide oder die sich schwammartig verdickende.“ Multifilament bedeutet, dass mehrere Nylonstränge zu einem Faden zusammengewebt werden. Ist der Faden ungewachst, kann er auffächern und so eine größere Putzfläche bilden. Gewachste Zahnseide gleitet besser und eignet sich vor allem bei engen Zahnzwischenräumen. Schwammartig verdickte Zahnseide reinigt ebenfalls sehr gründlich: Da sie sehr weich ist, stellt sie die ideale Wahl bei empfindlichen Zahnzwischenräumen dar.

    Worauf ist beim Kauf der Zahnpasta zu achten?

    „Das Wichtigste bei einer Zahnpasta ist, dass sie Mineralien für die Zähne sowie Pflegestoffe für das Zahnfleisch enthält. Leider ist das nicht immer der Fall – genau betrachtet sogar meistens“, klagt Zahnärztin Jasper. Tatsächlich finden sich in herkömmlichen Produkten oft Inhaltsstoffe, die etwa das Zahnfleisch reizen oder allergieauslösend sind. „Ich empfehle dir daher, ein Bioprodukt zu verwenden, welches zusätzlich viele unterschiedliche Pflegestoffe für das Zahnfleisch enthält“, so die Expertin. „Probiere ein wenig aus, was deinem Zahnfleisch guttut, bei einem kann es Kamille, bei einer anderen Salbei oder Neem sein. Eine Mischung ist immer besser als eine einzelne Substanz.“

    Was ist besser? Manuell oder elektrisch putzen?

    Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die elektrische Zahnbürste bei richtiger Anwendung minimal bessere Reinigungsergebnisse erzielt als manuelles Putzes mit Handzahnbürsten. Aber muss ich deswegen auf elektrische Geräte wechseln? „Viele Menschen kommen mit der Handzahnbürste sehr gut klar und zeigen auch in der Prophylaxe, dass sie damit sehr viel Belag entfernen können. Für sie lohnt sich der Umstieg meist nicht“, sagt Annette Jasper. Die eine, beste Zahnbürste gibt es ohnehin nicht. Darum ist es sinnvoll, verschiedene Produkte auszuprobieren.

    Wie oft muss ich die Zahnbürste wechseln?

    Sind die Borsten verbogen oder ist die Zahnbürste drei Monate in Gebrauch, wird es Zeit, diese zu wechseln. Woran viele nicht denken: Auch wenn man einen Infekt hatte, sollte man sich eine neue Bürste zulegen. Die Keime stecken nämlich noch immer zwischen den Borsten.

    Wie oft sollte man zur Zahnreinigung?

    Wie oft eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Zahnstatus und von der Allgemeingesundheit ab. „Menschen mit einer reduzierten Abwehrlage oder einem hohen Karies- und Parodontitis-Risiko sollten sie öfter in Anspruch nehmen als vollkommen gesunde Personen ohne jegliche Zahnprobleme“, sagt die Zahnärztin. „Während ich der ersten Gruppe zu einem Besuch in der Prophylaxe-Abteilung alle vier bis sechs Monate rate, reichen bei der zweiten Gruppe zwölf bis in Einzelfällen sogar 24 Monate aus.“

    Warum haben manche Menschen Top-Zähne?

    Das ist nicht fair: Manche Menschen putzen dreimal täglich die Zähne, gehen häufig zum Zahnarzt und haben trotzdem ständig Zahnprobleme. Andere hingegen sehen eine Zahnarztpraxis nur alle paar Jahre von innen und achten auf Mundhygiene nur einmal am Tag. Dennoch: Von Löchern keine Spur! Wie kann das sein? „Es kommt eben nicht nur auf das Putzen an. Die Ernährung, die Speichelzusammensetzung und die Immunabwehr spielen ebenso eine große Rolle“, sagt Annette Jasper. Sogar der Zahnarzt aus der Kindheit kann für spätere Zahnprobleme verantwortlich sein. Hat der etwa Füllungen mit überstehenden Rändern gemacht, sammeln sich darunter immer wieder Bakterien, die Karies entstehen lassen können.

    Müssen Weisheitszähne gezogen werden?

    Nicht in jedem Fall. Bestimmte Umstände machen es jedoch oft notwendig: etwa wenn im Kiefer nicht genug Platz für diese Zähne ist oder wenn sie schräg im Kiefer liegen und in die falsche Richtung wachsen. Weitere Gründe für eine Entfernung sind zum Beispiel: wenn die Weisheitszähne sich nicht in die Zahnreihe eingefügt haben und dadurch die Kau- und Seitwärtsbewegung des Unterkiefers behindern. Wenn das umliegende Zahnfleisch ständig entzündet ist. Oder: wenn der Weisheitszahn eine große, tiefe Karies hat, aber eine Krone oder Wurzelbehandlung zu aufwendig wäre.

     

    Muss bei Karies immer gebohrt werden?

    Nein. Das ist meist vermeidbar, wenn der Mineralienverlust nur die oberste Zahnschicht, den Schmelz, betrifft. Er wird mittels Lack oder Gel repariert. Viele Zahnärzte sprechen allerdings erst von einer Karies, wenn der Defekt bereits das Zahnbein erreicht hat. „Eine Alternative zum Bohrer gibt es dann leider nicht. Zwar heißt es immer wieder, neue Materialien könnten die erkrankte Zahnsubstanz durch Wegätzen entfernen, aber in der Praxis funktioniert dies noch nicht hinreichend“, erklärt Jasper.

    Wie schädlich sind Amalgamfüllungen?

    Bei der Amalgamfüllung handelt es sich um eine Metalllegierung aus Quecksilber, Zinn und Silber, die sehr hart wird und lange hält. Das Problem dabei: Quecksilber ist ein Nervengift, das in jeder Sekunde aus so einer Füllung entweicht. Beim Kauen und Zähneputzen wird dieser Prozess noch verstärkt. Die Folgen einer möglichen Quecksilberbelastung können sich in unterschiedlichen Symptomen zeigen: Kopfschmerzen etwa, Appetitlosigkeit, Schwindelgefühle, häufige Müdigkeit, körperliche Unruhe, Zittern sowie häufige Infektionskrankheiten und Erkältungen.

    Muss jeder Zahn, der fehlt, ersetzt werden?

    In der Regel schon, zumindest jeder Zahn, der eine Lücke hinterlässt. Bei einem endständigen Zahn ist Ersatz oft nicht nötig, wenn sich der Gegenzahn durch die verloren gegangene Abstützung nicht verändert. Gründe für die Behandlung einer Zahnlücke: Sie ist sichtbar und hemmt den Betroffenen zu lachen. Oder sie verursacht Sprachstörungen wie Lispeln. Ersatz ist auch ratsam, wenn die Zahnlücke zu einer Kieferfehlstellung führt oder zum Knochenabbau an der Stelle wegen fehlender Beanspruchung.

    Welcher Zahnersatz ist für mich der richtige?

    Die Zahnkrone kommt zum Einsatz, wenn die natürliche Krone des Zahnes durch Karies oder einen Unfall so weit zerstört ist, dass sie nicht mehr durch eine einfache Zahnfüllung oder ein Inlay versorgt werden kann. „Für kleine Lücken, bei denen die angrenzenden Nachbarzähne stabil sind, stellt ein Implantat oder eine feste Brücke immer eine Lösung dar“, erklärt Annette Jasper. Fehlen mehr als vier Zähne, sind die Zahnpfeiler zu schwach für eine feste Brücke. Dann muss ein herausnehmbarer Zahnersatz eingesetzt werden. Fehlen die hintersten Zähne, kann ebenfalls keine fest eingeklebte Brücke verwendet werden. „Es sollte immer gründlich zwischen einem Implantat und einer Brücke abgewogen werden“, rät die Expertin. Dies kann nur aufgrund einer ausreichenden Diagnostik nach klinischem und röntgenologischem Befund sowie im persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch erfolgen. „Grundsätzlich ist es immer besser, jeden Zahn einzeln zu versorgen und keine Zähne miteinander zu verbinden, wie dies bei einer Brücke der Fall wäre.“

    Wie gut sind Behandlungen im Ausland?

    „Es ist sehr schwierig, eine pauschale Antwort auf diese Frage zu geben“, sagt Annette Jasper. „Meine Erfahrungen mit ausländischem Zahnersatz sind negativ. Die Materialien entsprachen nicht dem Qualitätsstandard, den ich meinen Patientinnen und Patienten zukommen lassen möchte. Die Passung ließ ebenso zu wünschen übrig.“ Natürlich gibt es auch im Ausland sehr gute Zahnärzte. Auch kommt es immer darauf an, was wo von wem und in welcher Zeitspanne durchgeführt wird. Fest steht aber auch: In Deutschland unterliegen die Praxen und Zahnärzte einem sehr hohen Qualitätsstandard, der streng geprüft wird. Wenn der Zahnarzt im Ausland sitzt – und nicht nur wenige Kilometer entfernt –, sind Vor- und Nachbehandlungen beim Zahnersatz oft auch deutlich aufwendiger.

    Warum sind Implantate so teuer?

    Zahnersatz herzustellen, wie etwa eine Krone, Brücke, Prothese oder ein Zahnimplantat, ist immer Präzisionsarbeit. Jedes Stück ist ein Unikat und muss genau passen – sowohl in der Form als auch in der Farbe. Zur Fertigung von Zahnersatz sind immer mehrere Arbeitsschritte notwendig, zudem kommt beim Implantat noch die chirurgische Leistung hinzu.

    Warum unterscheiden sich die Kosten so stark?

    In jeder Praxis wird etwas anders gearbeitet. Die angebotenen Leistungen sind im Umfang verschieden. Zudem werden jeweils andere Materialien, Polierpasten und Spülungen verwendet. Es gibt beispielsweise über 20 verschiedene Anbieter für Kunststoffe und über 100 unterschiedliche Kunststoffe, aus denen Füllungen gemacht werden können. Die Preisunterschiede sind enorm, ebenso die Verarbeitung.

    Kann ich die Angst vorm Zahnarzt überwinden?

    Viele Praxen haben sich auf Angstpatienten spezialisiert. Sie bieten neben der örtlichen Betäubung im Rachenraum auch spezielle Formen der ganzheitlichen Beruhigung (Sedierung) über Medikamente an, um dem Patienten die Behandlung so angenehm wie möglich zu machen: von der Lachgasanalgesie bis zur Vollnarkose. Wichtig ist, mit dem Arzt über die Angst zu sprechen. In leichteren Fällen hilft es schon, homöopathisch mit Rescue-Tropfen, Chamomilla oder Baldrian zu behandeln. In der Ayurveda-Medizin wird oft Ashwagandha eingesetzt. Akupunktur und Hypnose können ebenfalls Ängste nehmen.  Autor: Alexender Weis