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„Mandat für Mai“: Schwacher Start und Schimpfe aus dem Vogtland für ZDF-Serie

22.03.2024 um 19:00 Uhr
    Anwältin Mai Gardner (Julia Hartmann) im Gespräch mit der Bürgermeisterin (Birge Schade). | ©

    Die Fußstapfen des "Bergdoktors" sind groß auf dem Sendeplatz am Donnerstagabend. Das gilt auch für die neue ZDF-Serie „Mandat für Mai“ mit Julia Hartmann in der Hauptrolle, die im Vogtland spielt und am 22. März TV-Premiere feierte.

    „Der Bergdoktor“ mit Hans Sigl in der Hauptrolle gilt immer noch als eine der erfolgreichsten Serien im ZDF (seit 2008) - auch wenn er zuletzt an Reichweite verlor. Im Durchschnitt sind mehr als fünf Millionen Zuschauer dabei, wenn Dr. Martin Gruber seine Patient*innen besucht und sich mal wieder unglücklich verliebt.

    Entsprechend hoch lag die Messlatte für die neue ZDF-Anwaltsserie "Mandat für Mai". Statt fünf Millionen gab es aber nicht mal vier Millionen Zuschauer zur Primetime. Bei der Premiere sahen nur 3,54 Millionen zu, was einen Marktanteil von eher beschaulichen 13,5 Prozent beim Gesamtpublikum bedeutete. „Der Bozen-Krimi: Geheime Bruderschaft“ triumphierte im direkten Prime-Quotenduell der öffentlich-rechtlichen Sender. Die ARD-Krimireihe holt sich mit 6,55 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 25,3 Prozent im Gesamtpublikum auch den Tagessieg am Donnerstagabend. Fairerweise muss man sagen, dass auch der „Bergdoktor“ hin und wieder keine Chance im Quotenrennen hat, wenn im Ersten eine populäre Krimireihe zu sehen ist, wie beispielsweise „Nord bei Nordwest“ mit Hinnerk Schönemann.

    Schwerer Stand für "Mandat für Mai" nach erster Folge

    Zu bedenken ist aber: Schon die direkt im Anschluss gesendete zweite Folge von „Mandat für Mai“ erreichte nur noch 3,23 Millionen Menschen und das dürfte kein gutes Omen für den langfristigen Erfolg der Serie sein, bei der Julia Hermann nichts dagegen hätte, langfristig die Hauptrolle zu spielen

    Begleitet wurde der Serienstart zudem von vielen kritischen Stimmen aus dem Vogtland, wo die Anwältin Mai Gardner sesshaft wird und sich mit den Einheimischen anfreundet. Viele Zuschauer*innen aus dem Vogtland waren nicht damit einverstanden, wie ihre Heimat in der ZDF-Serie mit hinterwäldlerischen Klischees dargestellt wird. Auf dem ZDF-Facebook-Kanal hagelte es in den Kommentaren zur Serie viel Kritik, hier ein paar Beispiele (nicht korrigiert):

    "Das Thema Vogtland wurde hier völlig verfehlt. In der Schule hätte mein Kind für die Darstellung ne 4 oder 5 bekommen. Bin sehr enttäuscht, wie das Thema umgesetzt wurde."

    "Ich kann die positiven Kommentare nicht nachvollziehen. Als ob wir hier im Vogtland die letzten Hinterweltler sind. Klar wir haben kein fließendes Wasser, der Tankwart liegt im abgeranzten Liegestuhl und freut sich wenn mal ein Auto zum tanken kommt."

    "Diese Serie ist eine Zumutung. Wir waschen uns nicht in einer Schüssel, tragen nicht alle Kittelschürze, ich kenne kein Dorf, wo es noch so eine Tankstelle gibt. Das Vogtland besteht auch nicht nur aus einer Brücke."

    "Mehr Klischees in einer Serie gehen wirklich nicht. Das Vogtland dargestellt, dass man glaubt, die Wende hätte erst gestern stattgefunden."

    "Hier wird das Leben im Vogtland ins föllig falsche Licht gesetzt."

    "Wie so oft im Fernsehen sieht es im Osten aus wie kurz nach dem Krieg, die ganze Gegend besteht nur aus Brücke, Kneipe und baufälliger Ruine. Hätte nur noch gefehlt, dass die Darsteller versuchen, den Dialekt nachzuahmen."

    "Wohne seid 72 Jahren im Vogtland und kann mich an solche Verhältnisse nicht mal in den 50 igern erinnern. Der Film ist fern der Realität."

    "Also,ich bin im Vogtland geboren,hab einige Jahre meiner Kindheit dort verbracht und komme auch heute noch regelmäßig dorthin. Die 1. Folge war nicht schlecht, aber ich find irgendwie, daß Vogtland wird hier bisschen hinterwäldlerisch dargestellt. Also, da wohnen ganz normale Menschen, die genau in das moderne Leben passen."

    "Besteht das Vogtland nur aus der Göltzschtalbrücke und ein paar Häusern? Gibt es kein fliesend Wasser ? Was für ein Bezug zur Realität ist es, wenn jemand sofort ein Auto bekommt und einfach so ein Gewehr samt Munition ? Die Orte haben nichts aber auch gar nichts mit dem Vogtland zu tun. So ländlich und einsam ist es nicht mal in der tiefsten Provinz in Brandenburg."

    Natürlich gab es auch viele positiven Stimmen zu Serie. Aber schon jetzt steht fest: „Mandat für Mai“ dürfte einen schweren Stand beim ZDF-Publikum haben. Dass man auf dem Sendeplatz auch ohne Alpenpanorama erfolgreich sein kann, bewies zuletzt „Doktor Ballouz“ (Merab Ninidze), der Chefarzt der besonderen Art in der Uckermark. Regelmäßig schalteten mehr als 4 Millionen Fans ein - allerdings nur bei der ersten Staffel 2021, danach ging es kontinuierlich bergab, trotzdem gibt’s bald eine vierte Staffel.

    Eine 2. Staffel für „Mandat für Mai“ ist also keinesfalls ausgeschlossen… Am nächsten Donnerstag (28. März) folgen ab 20.15 Uhr mit absoluter Sicherheit aber erstmal die Folgen 3 und 4.