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ESC politisch wie nie: Non-binärer Nemo gewinnt – Deutschland überrascht

12.05.2024 um 08:30 Uhr
    Drehteller und schrilles Kostüm: Der Auftritt des non-binären Acts Nemo im Finale des ESC. | © ESC Drehteller und schrilles Kostüm: Der Auftritt des non-binären Acts Nemo im Finale des ESC. | ©ESC

    Ausgerechnet die Schweiz hat den wohl politischsten Eurovision Song Contest aller Zeiten gewonnen: Nemo holte sich mit "The Code" den Sieg. Isaak erreichte mit "Always On The Run" die beste Leistung seit sechs Jahren für Deutschland.

    Von zahlreichen Protesten auf den Straßen im schwedischen Malmö begleitet, ging der 68. Eurovision Song Contest am Samstagabend (11. Mai) mehr oder weniger reibungslos über die Bühne. Auch Deutschland darf sich freuen: Sänger Isaak (28) belegte mit seinem Song "Always On The Run" immerhin den zwölften Platz.

    Kronprinzessin Victoria eröffnet ESC

    Eröffnet wurde das Finale von der schwedischen Kronprinzessin Victoria (46). In einer kurzen Videobotschaft hieß die Tochter von König Carl XVI. Gustaf (78) die Zuschauerinnen und Zuschauer willkommen und wünschte den Teilnehmenden viel Glück. Anschließend folgte ein Auftritt des schwedischen Sängers Björn Skifs (77) und die 25 teilnehmenden Acts liefen in Startreihenfolge zu Hits von ABBA, Icona Pop und Roxette in die Arena ein.

    Mit ihrem Song "Unforgettable" eröffneten die norwegischen Zwillingsbrüder Marcus & Martinus (22) für Gastgeberland Schweden den Contest. Es folgt die Ukraine mit Alyona Alyona und Jerry Heil und ihrem Song "Teresa & Maria" - eine kraftvolle Mitklatschhymne mit Sprechgesang auf Ukrainisch.

    Viel Applaus für deutschen Isaak

    Dann ein schneller Bühnenumbau für die feurige Performance des deutschen Beitrags: Isaak begeisterte mit seinem Song "Always On The Run", das Publikum belohnte mit überraschend viel Jubel und Applaus. "Nein, Isaak hatte keinen Texthänger. Das Wort 'shit' ist tabu beim ESC, daher wurde es ausgespart", stellte Kommentator Thorsten Schorn (48), der in diesem Jahr erstmals für das Erste durch den Songcontest führt, klar.

    Nach Luxemburg mit Tali und ihrem Song "Fighter" wäre an fünfter Stelle eigentlich die Niederlande an den Start gegangen, Sänger Joost Klein (26) wurde jedoch wenige Stunden vor dem Finale disqualifiziert. Stattdessen ging es mit dem Auftritt weiter, der im Vorfeld für die größte Diskussion gesorgt hatte: Sängerin Eden Golan (20) zog ihre Performance von "Hurricane" trotz Buhrufen und Pfiffen souverän durch.

    Es folgte Litauen mit dem sehr tanzbaren Song "Luktelk" von Silvester Belt, der seine Performance mit dem Appell "Spread Love To The World" abschloss. Anschließend begeisterten Nebulossa aus Spanien mit ihrem Party-Hit "Zorra" und einigen Burlesque-Einlagen und halbnackten Purzelbäumen. Darauf folgt Estlands 5Miinust & Puuluup mit dem komplizierten Titel "(Nendest) narkootikumidest ei tea mi (küll) midagi". "Ein bisschen Exorzismus am Samstagabend", beschreibt Thorsten Schorn die anschließende Performance des irischen Acts Bambie Thug mit "Doomsday Blue" sehr treffend.

    Nach Lettland, Griechenland, Großbritannien, Norwegen, Italien und Serbien folgte Finnland mit einer der skurrilsten Performances des Abends von Windows95man mit "No Rules". Im Anschluss Portugal, Armenien und Zypern und schließlich mit dem Schweizer Act Nemo und "The Code" der Auftritt einer der Favoriten des Abends. Nach dem Auftritt Sloweniens folgte Favorit Baby Lasagna aus Kroatien mit "Rim Tim Dagi Dim". Georgien, Frankreich und Österreich beschlossen die Live-Auftritte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

    Gefeiert wird auch, dass ABBAs Grand-Prix-Sieg mit "Waterloo" sich passenderweise genau zum 50. Mal jährt. Und der wird an diesem Abend von ehemaligen ESC-Gewinnerinnen der vergangenen Jahre performt: Conchita Wurst (35) aus Österreich sowie die Schwedinnen Charlotte Perrelli (49) und Carola (57).

    Früher Vorsprung für die Schweiz

    Bei der Punktevergabe der internationalen Jurys aus den 37 teilnehmenden Ländern kristallisierte sich schnell ein deutlicher Favorit heraus: Nemo aus der Schweiz erhält ein "deux points" nach dem anderen und darf sich am Ende über unglaubliche 365 Punkte freuen. Ebenfalls beliebt bei den Jurys: Kroatien, Frankreich und Italien.

    Nachdem Deutschland seit 2019 beim ESC jeweils mit dem letzten oder vorletzten Platz abgeschlossen hatte, ist es eine kleine Sensation: Isaak erhält für seine Performance von "Always On The Run" 99 Jurypunkte - und damit mehr Punkte als in den vergangenen vier Jahren zusammen. Estland muss sich mit vier Punkten und dem letzten Platz zufriedengeben.

    Beim Publikums-Voting steht schnell fest: Den letzten Platz hat sich mit 16 Punkten dieses Jahr Norwegen geschnappt, Österreich landet auf dem vorletzten Platz. Für Israel bringt das Voting eine große Wendung: Nach nur 52 Punkten aus dem Juryvoting erhält Eden Golan vom Publikum 325 Punkte und schiebt sich kurzzeitig auf Platz eins. Am Ende müssen Kroatien und die Schweiz um Platz eins zittern. Mit insgesamt 591 Punkten geht der Sieg schließlich an Nemo mit "The Code" - der erste ESC-Sieg für die Schweiz seit Céline Dion (56) im Jahr 1988. Deutschlands Isaak zählt nach dem Voting insgesamt 117 Punkte und landet damit auf dem zwölften Platz.