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Brasilien-Doku: So lebt es sich mit Drogen-Gangs nebenan

    Favela Weltspiegel Doku Titelbild | © SWR Maria-Eduarda und Jose-Miguel leben gemeinsam mit ihrer Mutter in einem 1-Zimmer-Apartment | ©SWR

    Auslandskorrespondent Matthias Ebert zieht für einige Tage in die Rocinha, die größte Favela in Rio de Janeiro. Der Journalist hat vor allem Angst vor den mächtigen Drogen-Gangs, doch reale Gefahr lauert im Armenviertel ganz woanders…

    Favelas sind extrem arme Wohnviertel in Brasilien. Sie sind ein ganz eigener Kosmos, der durch Kriminalität und Drogen-Gangs geprägt ist – so jedenfalls das mediale Bild. Doch wie sieht der Alltag zwischen den gebastelten Häuschen und überfüllten Gassen wirklich aus? Dieser Frage ist Matthias Ebert nachgegangen und kurzerhand selbst in die Rocinha gezogen.

    „Hier fühle ich mich sicherer“

    Und schnell wird klar: Die Bewohner haben keine Angst vor den Kriminellen. Stattdessen ist die Sorge vor einem Polizeieinsatz viel größer. 2022 sind 1327 Menschen im Bundesstaat Rio de Janeiro durch Polizeigewalt gestorben. Einsätze zur Bekämpfung der Gang-Kriminalität enden oft in Schießereien und mit Toten. Solange diese Konfrontationen ausbleiben, treten die schwerbewaffneten Wachposten als Ordnungshüter auf.

    „Es gibt viel gefährlichere Orte im Stadtzentrum.“, erzählt die Brasilianerin Adriana Santos Moura. Ja, gerade als Frau würde sie sich hier sicherer fühlen, bestätigt sie die ungläubige Nachfrage des Korrespondenten. „Hier werde ich nicht ausgeraubt, vergewaltigt oder angergriffen.“ Ist das Leben in den Favelas etwa doch gar nicht so gefährlich und schlimm, wie immer angenommen?

    Die durchschnittliche Lebenserwartung im armen "Rocinha" unterschiedet sich stark von der des reichen Viertels "São Conrado"

    Von Leichtigkeit kann keine Rede sein. Bewaffnete Gangster sind hier nur einfach nicht das größte Problem vieler Einwohner. Denn gesundheitlich und finanziell geht es vielen schlecht. Die Lebenserwartung ist ganze 20 Jahre niedriger als bei Bewohnern des wohlhabenden Viertels „São Conrado“ gegenüber. Auch die staatlichen Schulen sind dramatisch unterfinanziert und können die Kinder der Armenviertel kaum ausreichende Bildung und damit Jobchancen ermöglichen.

    15 Quadratmeter für eine Familie

    So geht es auch der Familie von Bianca Ferreira. Die zweifache alleinerziehende Mutter lebt mit ihren Kindern auf gerade einmal 15 Quadratmetern in der Favela. Die Sozialhilfe reicht nur für die Hälfte des Monats. Ihren gesamten Tag verbringt sie damit, das Abendessen für die Kinder auf der Straße zu verdienen. Trotz vieler Hilfsarbeiten, erzählt sie dem Filmteam unter Tränen, wie ihre Lebensrealität aussieht: „Wie oft habe ich schon geweint, wenn meine Kinder aus der Schule kommen und nach einem Joghurt fragen.“ Sie selbst esse oft gar nichts und bete dann zu Gott, dass er sie nicht im Stich lasse.

    Noch mehr vom Alltag in der Favela zeigt die Dokumentation „Favela Inside – Tür an Tür mit dem Gangster“ am 24. Juli um 23.10 Uhr im Ersten.