"Ein Schritt zum Abgrund": Petra Schmidt-Schaller als betrogene Frau, die kein Opfer sein will

31.03.2023 um 22:52 Uhr
    Ein Schritt zum Abgrund Titelbild | © ARD Degeto/Boris Laewen Zweifel: Christian (Florian Stetter) leugnet alles. Jana (Petra Schmidt-Schaller) weiß nicht, ob sie ihm glauben kann | ©ARD Degeto/Boris Laewen

    Eine verhängnisvolle Affäre: Petra Schmidt-Schaller brilliert im Thriller „Ein Schritt zum Abgrund“ als Betrogene auf Rachefeldzug.

    Ein einzelnes blondes Haar, das sie auf dem Schal ihres Ehemanns Christian (Florian Stetter) findet, reicht aus, um die heile Welt der Ärztin Jana Hansen (großartig: Petra Schmidt-Schaller) zum Einsturz zu bringen und sie in den Wahnsinn zu treiben. Fortan beobachtet die Medizinerin misstrauisch sämtliche Blondinen in Christians Umfeld in Husum. Harmlose Vertraulichkeiten wie eine Umarmung unter Bekannten deutet die Mutter einer Tochter ebenso als Hinweis auf sein Fremdgehen wie kleine Plaudereien am Gartenzaun.

    Verdacht: Ist Janas Patientin Laura (Valerie Huber) Christians Geliebte?

    Jana spielt heimlich Detektivin, findet schließlich Beweise für eine Affäre – und startet eine dermaßen verstörende Racheaktion, dass so manchem Zuschauer des 180-minütigen Zweiteilers „Ein Schritt zum Abgrund“ der Atem stocken wird. „Für mich ist Jana eine moderne Medea“, sagt die Hauptdarstellerin Petra Schmidt-Schaller im Interview. Jene Frau aus der griechischen Mythologie also, die wider jede Vernunft und ausschließlich getrieben von ihren Gefühlen ihre eigenen Söhne ermordet, nachdem ihr Mann Iason sie für eine andere verlässt.

    Kann die 42-Jährige verstehen, was die Protagonistin zu ihrem extremen Verhalten veranlasst? „Ich kann nicht nachvollziehen, dass Jana Christian nicht mit seiner Untreue konfrontiert, sondern sich stattdessen für krasse Aktionen entscheidet“, sagt die Goldene Kamera-Preisträgerin. „Fakt ist aber, dass der Schmerz über Christians Betrug sie bis ins Mark trifft und dass sie sich deshalb festbeißt.“

    Psychologie der Wut

    Vorbild für den Thriller ist die hochgelobte BBC-Serie „Doctor Foster“, deren erste Staffel 2015 lief. Petra Schmidt-Schaller hat sich das britische Original vor Drehbeginn nicht angesehen. „Da ich es nicht kannte, hatte ich keine Ahnung, welche Reise mir in dieser Geschichte bevorsteht – und war tatsächlich sehr überrascht.“ Was macht für sie den Reiz des Stoffs aus? „Die Psychologie! Nicht umsonst wurde die englische Serie von vielen anderen Ländern, etwa Frankreich und Südkorea, adaptiert und dort aus der jeweiligen kulturellen Perspektive erzählt.

    Ein blondes Frauenhaar bringt Janas Welt ins Wanken

    „Die deutsche Version ist für mich die psychologischste.“ Sie habe, erzählt die Schauspielerin, sogar eine Therapeutin angerufen, um mit ihr darüber zu sprechen, warum ihre Figur so handle: „Ich finde das einfach spannend.“ Ob die ARD auch die zweite Staffel von „Doctor Foster“ verfilmen wird, ist noch offen. Zu wünschen wäre es. Die tiefgründige Thematik, die überraschenden Wendungen, Petra Schmidt-Schaller als Frau, die sich nicht in die Opferrolle der Betrogenen drängen lassen will – das alles entwickelt eine Sogkraft, der man sich kaum entziehen kann.

    „Ein Schritt zum Abgrund“ läuft am 1. April um 20.15 Uhr im Ersten.