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Der schrille Entertainer Liberace (1919-1987) liebte den extravaganten Auftritt.
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Der schrille Entertainer Liberace (1919-1987) liebte den extravaganten Auftritt. / Foto: © Picture-Alliance / Photoshot

Die Hintergründe zum Kinofilm

Wer war der Enterainer Liberace wirklich?

  • Artikel vom 06. Oktober 2013

Las Vegas, 1977. Die Bühne des "Hilton" ist leer, der Saal voll besetzt. Ein Trommelwirbel fährt in die Stille, Trompeten antworten. Ein Sprecher verkündet: "Misteeer Showmanship: Liberace! Bekannt in aller Welt für seinen Kandelaber!" Applaus brandet auf. Ein weißer Rolls-Royce Phantom V, Baujahr 1962, gleitet herein und hält in der Mitte der Bühne. Der Chauffeur – ein blonder Adonis in weißer Uniform – schreitet zur Beifahrertür. Heraus steigt der extravaganteste Entertainer aller Zeiten: Liberace, König am Klavier, Kaiser des Kitschs.

Auf seinen Schultern liegt ein mächtiger weißer Fuchspelz mit fünf Meter langer Schleppe. 300.000 Dollar wert, 30 Kilo schwer. Liberace beugt sich lächelnd vor zur ersten Reihe: "Schaut mich ruhig an. Ich komme nicht in diesem Aufzug, damit er unbeachtet bleibt." Lacher. Ein zweiter, kleiner Rolls-Royce rollt herein, der Pelz wird abtransportiert: "Mein Pelz ist das einzige Kleidungsstück der Welt mit eigenem Wagen und Fahrer."

Lacher. Die magische Brücke zwischen Liberace und dem Publikum steht. Was viele Zuschauer nicht ahnen: Der Chauffeur ist der Geliebte des alternden Entertainers, der seine Halbglatze unter einem Toupet versteckt. Offiziell ist der 57-Jährige mit der norwegischen Eiskunstläuferin Sonja Henie verlobt. Doch Liberace liebt Männer. Wie auch Gregory Peck und Rock Hudson verschweigt er seine Homosexualität und verklagt jeden, der diesen Verdacht nährt. Die Wahrheit hätte seine Karriere zerstört.

Ein mit Strass besetzter Wagen

Den mit Strass besetzten Roadster nutzte Liberace für einige seiner Shows. / Foto: © dpa - Report

Geboren wird er 1919 in West Allis, einem Kaff in Wisconsin, als Wladziu Valentino Liberace. Nichts deutet darauf hin, dass er ein Vermögen von rund 110 Millionen Dollar anhäufen wird. Die Mutter Polin, der Vater Italiener, ein Hornbläser. Drei Dinge prägen die Kindheit: Armut, Katholizismus und Musik. Mit vier Jahren setzt sich der Drittgeborene ans Klavier, spielt nach Gehör. Die Mutter erkennt das Talent, bevorzugt ihn, aber zwingt ihn zu täglich sechs Stunden am Klavier.

Die Lüge als früher Begleiter

Mit sieben interpretiert "Lee", wie er sich später nennt, stundenlang klassische Stücke. Als Jugendlicher spielt er in einer Band, wird Solist beim Chicago Symphony Orchestra. Er gilt als Wunderkind. In jenen Jahren verlässt der Vater die Familie für eine andere Frau. Lees Mutter, tief katholisch, verschweigt die Schande, lässt auch ihre Kinder lügen. So wird die Lüge Teil von Liberaces Leben.


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Kinokritik zur Filmbiografie ''Liberace'' mit Michael Douglas


Als junger Mann geht er nach New York, spielt in Filmen und auf kleinen Bühnen. Der Durchbruch folgt im TV, wo er seine große Showpräsenz ausspielt. Die "Liberace Show" ist in den 50ern ein Straßenfeger mit 30 Millionen Zuschauern. Vor allem ältere Frauen schwärmen für den schnellsten Pianisten der Welt, der 6000 Noten in zwei Minuten schafft.

Liberace

Der extravagante amerikanische Pianist und Sänger Liberace posiert vor seinem Klavierflügel in einem Barockkostüm. / Foto: © dpa - Bildarchiv

Bald spielt Liberace in den großen Häusern von Las Vegas, Los Angeles und New York. Er vereint dabei Klassik von Liszt und Chopin mit Pop und Comedy. Sein schriller, vulgärer Stil wird Teil der Show.

Schließlich bleibt nicht verborgen, was allzu offensichtlich war: Ein Jahr nachdem Liberace 1987 an den Folgen der Immunschwäche Aids gestorben ist, erscheinen die Memoiren seines Geliebten Scott Thorson, des livrierten Chauffeurs aus der Show. Er beschreibt das geheime Doppelleben des Stars, aber auch seine Großzügigkeit und seine Liebe zum Publikum.

Angelehnt an Thorsons Erinnerungen läuft nun der Film ''Liberace'' mit einem brillanten Michael Douglas im Kino: ein wunderbarer Abgesang auf einen Mann, der die Show liebte – und lebte.

Autor: Dagmar Weychardt