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Roboterdame AILA
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Stilisierte Roboterdame: AILA (Artificial Intelligence Lightweight Android). - Foto: © picture-alliance / Eibner-Pressefoto

Künstliche Intelligenz

Roboter der Zukunft

  • Artikel vom 28. Mai 2013

Die Fabrikhallen hat er längst erobert, nun soll der Rest der Welt folgen. Forscher wollen dem Roboter der Zukunft künstliche Intelligenz und ein lebensechtes Aussehen geben. Wird er der bessere Mensch sein?

Es ist eines der beliebtesten Science-Fiction-Themen und zudem ein großer Menschheitstraum: Maschinen, die uns täuschend ähnlich sind, übernehmen ohne Murren unliebsame oder auch gefährliche Pflichten. In einigen düsteren Scifi-Szenarien entwickeln diese Roboter allerdings ein eigenes Bewusstsein und identifizieren ihre fehleranfälligen Erschaffer schnell als größte Bedrohung für die Erde.

Um die Unterwerfung der Menschheit geht es allerdings nicht, wenn heutzutage in Nachrichten von Robotern die Rede ist. Eher um Rekorde. Der Branchenverband International Federation of Robotics geht davon aus, dass der Absatz 2012 wieder so hoch war wie im absoluten Rekordjahr 2011, trotz der global angespannten Wirtschaftslage. Vor allem aus der industriellen Fertigung sind die fleißigen Maschinen längst nicht mehr wegzudenken.

Künstliche Intelligenz

Doch noch sind viele Fragen offen: Wann endlich kommt der brauchbare Roboter für zu Hause? Und wie weit sind die Wissenschaftler bei der Erschaffung künstlicher Intelligenz? "Die haben wir heute längst erreicht", sagt Dr. Marc Ronthaler. "Leider aber nur in der Form, wie sie früher definiert wurde."

Ronthaler weiß, wovon er spricht. Der Computerlinguist ist beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI stellvertretender Leiter des Robotics Innovation Centers in Bremen. "In den 1940ern dachte man, wir wären am Ziel, wenn wir Programme schreiben könnten, die so gut Schach spielen wie der Mensch", sagt der Experte im Gespräch mit HÖRZU. Längst sind die besten Schachprogramme in der Lage, Großmeister zu schlagen.

Künstliche Intelligenz ist das nach heutiger Auffassung jedoch nicht, auch wenn es bis heute keine einheitliche Definition gibt. "Wie Menschen beispielsweise Schach spielen, verstehen wir immer noch nicht", sagt Ronthaler. "Vielleicht kann es tatsächlich einmal Maschinen mit einer eigenen Persönlichkeit und mit Kreativität geben, aber das liegt in ferner Zukunft."

Was es aktuell bereits gibt, sind Roboter, die schnell, präzise und kraftvoll arbeiten. Manchmal gar zu kraftvoll. "Die bisherigen Systeme sind oft so gefährlich, dass sie in den Fabriken praktisch hinter Gitter müssen, damit niemand verletzt wird", sagt Experte Ronthaler.

AILA (Artificial Intelligence Lightweight Android)

Roboter AILA
Foto: © picture alliance / dpa

Ein ungefährlicher Roboter wurde jetzt am DFKI entwickelt. Die Roboterdame AILA (Artificial Intelligence Lightweight Android, s. Bild oben) nimmt mittels Sensoren Gegenstände und auch Menschen in ihrer Umgebung wahr.

AILA kann ferngesteuert werden, aber auch autonom agieren. So ist sie in der Lage, bestimmte vorher gelernte Objekte zu erkennen, sich ihnen zu nähern, sie zu bewegen und zu sortieren.

Während AILA lediglich menschenähnliche Formen besitzt, sollen uns andere Roboter möglichst perfekt kopieren. In Japan ist die Faszination für solche Androiden besonders groß. Eines der jüngsten Modelle ist das Geminoid-F, für das seine Konstrukteure das Äußere einer jungen Japanerin nachbildeten.

Eigenständig agieren kann Geminoid-F nicht, die durch Minimotoren bewegte Gestik und Mimik muss ein Mensch steuern. "Da diese Roboter menschlich aussehen, haben sie eine starke Präsenz", glaubt Yoshio Matsumoto, Gruppenleiter des Bereichs Service Robotics Research am Intelligent Systems Research Institute AIST. "Ich denke, ihre psychologische Wirkung ist größer als bei Robotern, die einfach lediglich die Form eines Menschen haben."

Phänomen des Uncanny Valley

Roboter Geminoid-F
Foto: © picture alliance / dpa

Auf den ersten Blick erscheint Geminoid-F (s. Bild oben), der Roboter von Matsumoto & Co., durchaus lebensecht. Beginnt er aber, sich zu bewegen, stechen in erster Linie die Details hervor, die eben nicht zu 100 Prozent menschlich wirken: der etwas zu starre Blick etwa oder die asynchronen Lippenbewegungen. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang vom Phänomen des Uncanny Valley.

Je lebensechter ein Roboter wirkt, desto mehr wird er akzeptiert. Aber: Bevor er vollständig einer Frau oder einem Mann ähnelt, bricht die Akzeptanz ein. Dieses Phänomen heißt Uncanny Valley (engl. Für unheimliches Tal). Die optischen Mängel im Vergleich zum Menschen stechen hervor, die Akzeptanz fällt hinter die eines stilisierten Roboters zurück.

Für stilisierte Roboter wie AILA besteht diese Gefahr nicht. Mit ihrer Roboterdame wollen die deutschen Forscher dennoch ganz hoch hinaus – ins Weltall. Aktuell haben die DFKI-Wissenschaftler für AILA einen Teil der Internationalen Raumstation ISS in Originalabmessung nachgebaut, inklusive aller Schalter, Knöpfe und Hebel. Ronthaler: "Bei den Routineaufgaben im All könnte AILA irgendwann durchaus einzelne Astronauten ersetzen und mit den übrigen zusammenarbeiten."

Roboter AILA
AILA kann verschiedenen Gegenstände greifen und sie transportieren. Foto: © picture alliance / dpa

Roboter für zu Hause

Dabei gäbe es auf der Erde eigentlich noch ausreichend zu tun. Nachdem die Fabrikhallen erobert sind, wären unsere Wohnungen und Häuser der nächste logische Einsatzbereich. Doch wo bleibt unser persönlicher Robo-Butler fürs Kochen und Aufräumen, den uns die Science-Fiction seit Jahrzehnten verspricht?

Das Problem: Alltägliche Tätigkeiten wie das Ausräumen einer Geschirrspülmaschine sehen leicht aus, tatsächlich würde es Jahre dauern, einen Roboter wie AILA entsprechend zu programmieren. Gleiches gelte für die Reinigung von Böden, so Ronthaler: "Solange es einen Niedriglohnsektor für solche Arbeiten gibt, ist der Einsatz von teuren Robotern nicht konkurrenzfähig."

Die größte Herausforderung im Haushalt liegt ohnehin woanders: "Man stelle sich ein Zimmer vor, in dem Schulhefte, Zeitschriften, Buntstifte sowie ein angeknabberter Apfel auf dem Boden liegen und irgendwo ein Hamster herumkrabbelt. Es klingt banal: Aber all das richtig zu sortieren ist eine unglaublich komplexe Aufgabe in einer schwierigen Umgebung."

Ihre Weltherrschaftspläne müssen die Roboter wohl noch aufschieben. Für uns irgendwie tröstlich. Versklavung der Menschheit – schön und gut. Aber erst einmal wird das Kinderzimmer aufgeräumt.

Autor: Michael Tokarski