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Margaret Thatcher und Denis waren 52 Jahre verheiratet.
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Margaret Thatcher und ihr geliebter Ehemann Denis waren 52 Jahre verheiratet. - Foto © picture-alliance / dpa

Hintergründe zum Kinofilm

Margaret Thatcher - verehrt und verhasst

  • Artikel vom 29. Februar 2012

Margaret Thatcher: Sie ist lange nicht mehr öffentlich aufgetreten und schon etwas dement. Ihr geliebter Mann Denis ist vor einigen Jahren gestorben, doch in ihren Gedanken ist er immer noch bei ihr. Während sie seinen Nachlass ordnet, wird die Erinnerung an ihr bewegtes Leben und ihre große Liebe lebendig. Das ist der Ausgangspunkt für die Kinobiografie "Die Eiserne Lady“, die Englands langjähriger Premierministerin Margaret Thatcher jetzt ein Denkmal setzt.

Sie war die mächtigste Politikerin des 20. Jahrhunderts – und die umstrittenste. "Ich glaube nicht, dass zu meinen Lebzeiten eine Frau Premier wird", verkündet sie 1974. Im Jahr darauf wird sie zur Parteivorsitzenden der Konservativen gewählt, 1979 steht sie als erste Frau an der Spitze eines europäischen Landes. Margaret Hilda Roberts kommt 1925 als Tochter eines Gemischtwarenhändlers zur Welt und wächst mit dem Zweiten Weltkrieg auf. Ihr Vater Alfred, ein glühender Konservativer, weckt Maggies Interesse an Politik. Ein kleinbürgerliches Hausfrauendasein ist für sie undenkbar. Zunächst studiert sie in Oxford Chemie, schult später auf Steuerrecht um.


Die eiserne Lady Margaret Thatcher

Bis heute spaltet die Polit-Legende Margaret Thatcher die Nation.

Ihr Stehvermögen: Margaret Thatcher war von 1979 bis 1990 Premierministerin und kann die längste Amtszeit in der Geschichte des Vereinigten Königreichs vorweisen. Zweimal wurde sie wiedergewählt, triumphal 1983 nach dem gewonnenen Falklandkrieg.

Ihre Skandale: Thatcher ist seit 1970 als "Milchräuberin" berüchtigt, nachdem sie – damals noch Kultusministerin – die Gratismilch an Englands Grundschulen abgeschafft hat. Nach der Einführung der "Poll Tax", mit der persönlicher Grundbesitz unabhängig vom Einkommen besteuert wird, kommt es 1990 im ganzen Land zu Krawallen.

Ihre Familie: Obwohl sich der Film "Die Eiserne Lady" auf die Memoiren ihrer Tochter Carol stützt, lehnten die Thatchers die Einladung zu einer Privatvorführung ab: Der Film wäre besser erst nach Margarets Tod gedreht worden. In England wird derweil diskutiert, ob der einstigen Premierministerin ein Staatsbegräbnis zusteht oder nicht.


Als ihre politische Karriere beginnt, ist sie längst verheiratet und Mutter von Zwillingen. Margarets erster Arbeitstag im Parlament zählt zu den stärksten Szenen des Films: Ein einziges Paar Beine in Nylons bahnt sich seinen Weg durch ein Meer von Anzughosen. Die Kinobiografie umfasst 60 Jahre Zeitgeschichte, überzeugt aber vor allem als Porträt einer Frau, die sich in einer Männerbastion durchsetzt. Auch weil Gatte Denis Thatcher, der seine Maggie zärtlich "The Boss" nennt, ihr den Rücken freihält.

Den Spitznamen "Eiserne Lady" verpasst ihr 1976 übrigens Radio Moskau – nach ihrer Rede über die "bolschewistische Sowjetunion". Sie empfindet ihn als Kompliment – und macht ihm alle Ehre.

Margaret Thatcher überlebt 1984 einen IRA-Anschlag

In den 80ern gilt die Mutter der Nation als Kinderschreck: Die Kleinen fürchten sich vor der strengen Dame im Fernsehen. Und nicht nur sie: Margaret Thatcher gilt vielen als Volksfeindin. Trotz Wirtschaftskrise und Rekord-Arbeitslosenquote peitscht sie rigorose Sparmaßnahmen durch, privatisiert staatliche Unternehmen von der Telekom bis zur Trinkwasserversorgung und zerschlägt den Einfluss der Gewerkschaften. Auch im Falklandkonflikt bleibt sie 1982 eisern und erklärt Argentinien den Krieg.

Das Attentat der IRA auf einen Parteitag der Konservativen überlebt sie 1984 nur mit Glück – und setzt ihre Arbeit am nächsten Morgen fort. So viel Mumm bringt ihr Respekt ein, ihre Fans vergöttern sie als "ganzen Kerl" in einem Kabinett von Memmen: "Es schert mich nicht, was meine Minister sagen – solange sie tun, was ich ihnen sage." Diese Kompromisslosigkeit bringt sie schließlich auch zu Fall. 1990, drei Jahre nach der Wiederwahl, hat die Tyrannin jeden Rückhalt in der Partei verloren. Als sie zurücktritt, tanzt das Volk auf den Straßen.

Meryl Streep: Oscar für ihre Rolle als Margaret Thatcher

"Wenn du harte Entscheidungen triffst, wird man dich heute dafür hassen. Doch die nächsten Generationen werden es dir möglicherweise danken. Genauso sollte auch eine Mutter denken", findet Meryl Streep, die die taffe Lady bis in die Haarspitzen perfekt verkörpert. Regisseurin Phyllida Lloyd, die mit Streep bereits den Hit „Mamma Mia!“ drehte, schreckte anfangs davor zurück, die britische Legende mit einer Amerikanerin zu besetzen.

Meryl Streep kannte Margaret Thatcher bis dahin "nur als diese Frau, die immer mit Ronald Reagan abhing". Doch die Besetzung erwies sich als Geniestreich: Meryl Streep spielt nicht, sie ist Margaret Thatcher. Als sie am ersten Drehtag in Kostüm und Maske "Good Morning" wünschte, fiel allen die Kinnlade herunter. Als sie vor der Kamera flammende Reden hielt, hatten die anwesenden Herren Tränen in den Augen, berichtet Lloyd.

Ironischerweise lehnen gerade Margaret Thatchers Anhänger den Film als Gefühlsduselei ab. Thatcher-Kritiker jedoch schmelzen dahin. Das ist in erster Linie Verdienst der "First Lady" des Kinos: Meryl Streep, die für diese Rolle den Golden Globe und den Oscar gewann.

Meryl Streep zeigt die Eiserne mit Herz. Politik wird fast zur Nebensache. Vielmehr verdeutlicht der Film, "was es bedeutet, ein großes, erfülltes Leben gehabt zu haben und es dann verwelken zu sehen“, so Streep. Es geht um Stärke mit Schwächen, Abschied und Loslassen. Vielleicht ermöglicht "Die Eiserne Lady“ sogar eine späte Versöhnung mit Margaret Thatcher – nicht mit ihrer Politik, aber mit ihr als Mensch.

Autor: Ulrike Schröder

Im Kino: "Die Eiserne Lady"