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Kosenamen sind wichtig für Beziehungen / Foto © istock

Schatz, Hase, Bärchen?

Kosenamen und ihre Bedeutung • Die 19 beliebtesten

  • Artikel vom 17. Juni 2016

Kosenamen sagt man halt so? Nein! Mit Hasi, Schatz oder Mausi drücken wir − bewusst oder unbewusst − ganz spezifische Gefühle gegenüber dem Partner aus. Wir verraten, welche das genau sind, welche Kosenamen die beliebtesten sind (und wie viele Deutsche einen Kosenamen für ihr Auto haben).

"Kosenamen drücken immer eine besondere Intimität aus. Wir zeigen so auf liebevolle Weise, dass wir miteinander vertraut sind", weiß Diplom-Psychologin Dorothea Böhm aus München, die sich jahrelang mit dem Thema beschäftigt hat. Und: "Die Wahl des Kosenamens ist nicht zufällig und lässt tief blicken", so Böhm. "Kosenamen für den Partner sind untrennbar mit Gefühlen verbunden, die wir dem anderen entgegenbringen."

Die beliebtesten Kosenamen

Die Kosenamen, die wir Deutschen am liebsten verwenden, hat Online-Partnervermittlung Parship in einer repräsentativen Umfrage ermittelt und Anfang 2017 veröffentlicht.

strong>Die 19 beliebtesten Kosenamen zeigen wir in unserer Galerie!

Seit wann sagt man "Schatz"

Dass Schatz und Schatzi ganz vorne in der Rangliste liegen und alle anderen Kosenamen auffallend weit hinter sich lassen, hat übrigens Tradition. Schon zu Goethes Zeiten nannte man die Liebste gern einen Schatz und sogar noch um einiges früher. Wie die "Frankfurter Allgemeine" herausfand, lässt sich dieser Kosename bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen.

Das Bundesland mit dem höchsten Kosenamen.Gebrauch

Na, wo sind die Paare am aktivsten in Sachen Kosenamen? Eine Umfrage von Befragmich.de förderte dieses interessante Detail 2013 zutage.

1. Bremen
2. Brandenburg
3. Schleswig-Holstein
5. Berlin
5. Niedersachsen
6. Hamburg
7. Rheinland-Pfalz
8. Bayern
9. Saarland
10. Mecklenburg-Vorpommern

Tja, das Klischee vom kühleren Menschenschlag im Norden dürfte damit auch erledigt sein, oder?

Was passiert, wenn wir Kosenamen zu wörtlich nehmen

Die im wahrsten Sinne des Wortes zum Piepen komische Antwort auf diese Frage gibt uns die großartige Martina Hill in "Knallerfrauen":

Warum wir Kosenamen geben

Für Sprachwissenschaftler Markus Lindlar ist die Verwendung von Kosenamen auch Ausdruck einer gelernten Verhaltensweise. "Wir kommen überall in Berührung mit Kosenamen, werden von der Babyphase bis ins hohe Alter mit ihnen konfrontiert, sind erst 'Häschen', dann 'Opa'. Der Name 'Schatz' hat sich am besten durchgesetzt", sagt der Experte, der mehr als 1000 Liebende befragt hat. Die Gruppe von gängigen Kosenamen zählt Psychologin Böhm zur Kategorie der "Generics" (auf Deutsch: die Gewöhnlichen). "Menschen, die solche Namen benutzen, sehnen sich nach einem normalen Leben", sagt sie.

Bedeutung von Kosenamen

"Kosenamen verraten häufig auch, wie man sich den Partner wünscht", weiß Böhm. Wer "Mäuschen" sagt, will auch ein Mäuschen haben: Flink, scheu und schutzbedürftig soll es sein. Einen "Hasen" wünscht man sich anschmiegsam. Wer dem Partner, unabhängig von Größe und Statur, den Namen "Tiger" oder "Hengst" verpasst, fordert Mut, Führungsstärke und Entschlossenheit von ihm. Vom "Bären" oder "Bärchen" erwartet man insgeheim einen Beschützer. Und auch wenn "Schatz" oder "Goldstück" prinzipiell die Wertschätzung gegenüber dem oder der Liebsten ausdrücken, signalisiert man damit zugleich gewisse Besitzansprüche.

Wenn ein Mann seine Frau "Engel", "Süsse" oder "Kleines" nennt, sehnt er sich vermutlich nach einer lieben, etwas unterwürfigen Partnerin. Wer "Dickerchen" oder "Pummelchen" ruft, äußert vielleicht auch versteckte Kritik.

Als weitere Kategorie nennt Böhm die "Shorties" (Abkürzungen) wie etwa "Hansi", "Bine" oder "Doro". "Sie drücken eine harmonische Beziehung aus", so die Psychologin. "Auf der einen Seite zeigt die Verniedlichung eine besondere Sympathie für den Partner, auf der anderen aber auch Angst vor zu viel Intimität."

Dagegen lassen Kosenamen, die auf einer nur den Liebenden bekannten Geschichte beruhen, auf eine besonders innige Verbundenheit schließen – etwa wenn die Liebste nach dem Bali-Urlaub "Lotosblüte" genannt wird. Böhm spricht dann von "Fantasies" (Fantasienamen). "Diese verbalen Liebkosungen stellen das Einmalige der Beziehung heraus. Ihre Absender haben keine Angst vor Nähe."

Wie tief Kosenamen in der Vergangenheit wurzeln, erklärt Sprachwissenschaftler Lindlar am Beispiel der "Taube": "Durch Mutter Beimer aus der 'Lindenstraße' wurde der Name sehr bekannt, war aber schon in der Antike als erotischer Kosename für die Geliebte sehr verbreitet." Grund: "Tauben galten damals als heilige Tiere der Aphrodite."

Wichtig für die Beziehung

Wie auch immer der Kosename lautet, Hauptsache, man hat überhaupt einen. Psychologin Böhm hält Beziehungen, in denen sich die Partner mit einem Kosenamen ansprechen, für stabiler. "Weil es zeigt, dass man sich intensiv miteinander beschäftigt und sich Gedanken über den anderen macht."

Manchmal läuft die Sache aber auch aus dem Ruder. "Die unsägliche 'Mutti'- oder 'Vati'-Bezeichnung, wenn keine Kinder mehr im Haus sind, lässt daran zweifeln, dass man noch als Partner wahrgenommen wird", sagt Böhm. Zudem nennt sie eine Grundregel: "Kosenamen eignen sich nicht für die Öffentlichkeit. Andere könnten sie schnell als anzüglich empfinden oder als Entwürdigung verstehen, weil sie Beziehungsinterna nicht kennen."

Noch ein Tipp von Sprachforscher Lindlar: "Kosenamen sollten nicht inflationär verwendet werden. Sonst entsteht ein Abnutzungseffekt. Dann löst der Kosename nur den Vornamen ab, spiegelt nicht mehr die intime Zweierbeziehung und ist nicht mehr emotional aufgeladen."

Kosenamen tauschen?

Ein ziemlich interessantes Ergebnis förderte die bereits genannte von Befragmich.de zutage. Darin äußerten immerhin elf Prozent der 5000 Teilnehmer, dass sie sich wünschen würden, ihr Partner fände eine andere Bezeichnung als die aktuelle für sie. Vielleicht sollte man also den Liebsten oder die Liebste mal fragen, ob ihr oder ihm das aktuelle "Hasi" oder "Mausi" auch recht ist?

Noch ein interessantes Ergebnis dieser Umfrage: Gut 76 Prozent gehen ohne klassischen Kosenamen durch den Beziehungsalltag. Ein gelegentliches Schatz oder Liebes wird da auch mal fallen – doch nicht als liebevolle Dauerbezeichnung. Allerdings: Die Befragten, die keinen Kosenamen haben, gaben außerdem zu Protokoll, keinen zu wollen.

Der unbeliebteste Kosename für Männer

Vielleicht ist die Umfrage nicht gerade fürchterlich repräsentativ − schließlich befragte das Berliner Datin-Portal Shopaman "nur" 900 seiner Mitglieder. Aufschlussreich war die Antwort auf die Frage nach dem unbeliebtesten Kosenamen für Männer aber doch. Mit satten 79 Prozent entschied sich die überwältigende Mehrheit nämlich für "Hengst". Obwohl sicher als Kompliment gedacht (schließlich ist so ein Hengst ein kraftvolles und potentes Wesen), scheint das Männern (und Frauen) wohl einfach zu platt zu sein.

Kosenamen international

Dass Amerikaner (und Briten) ihre Herzallerliebsten gerne "Babe" oder "Honey" nennen, wissen wir aus Serien und Filmen − "Sweetheart" oder "Darling" kommt uns auch noch bekannt vor. Aber wie sieht es in anderen Ländern aus? Manchmal ganz witzig, wie in den Niederlanden. Denn laut Cafebabel.de benennt man den Partner da gerne mal nach der Lieblingssüßigkeit "Dropje", also Lakritze. Den Schatz ("Schatje") kennt man dort aber natürlich auch. In Italien ist "Amore" beliebt, in Spanien "Cariño", "Tesoro" und "Mi Vida" (Liebster, Schatz, mein Leben). In der Türkei ist es nicht unüblich, den Partner als "Fıstığım" (Pistazie) zu bezeichnen und in Russland ist die Herzensdame oft eine "Vishenka" (Kirsche). In Frankreich bleibt man neben dem bekannten "chérie" mit "mon ange/coeur/trésor/amour" (mein Engel, Herz, Schatz, Liebe) ähnlich konventionell wie in Deutschland.

Kurios: Kosenamen fürs Auto

Gar nicht so wenige Menschen bedenken nicht nur den Partner mit einem liebevollen Spitznamen, sondern auch den fahrbaren Untersatz. Genauer gesagt tut das laut Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov jeder siebte Deutsche − und wird bei der Wahl des Namens teilweise richtig kreativ. Da gibt es den "Silberpfeil", die "Diva" und den "Düsi", aber auch den "Kämpfer" und das "Schmuckstück". Innigerr wird es mit "Mein Kleiner", "Bärchen" oder "Mein Lieber".

Schon ein bisschen ulkig, oder? Aber wenn man bedenkt, dass laut obengenannter Umfrage jeder Fünfte sein Auto liebt und fast die Hälfte es immerhin mag, ist ein Kosename auch wieder nicht so abseitig.

Quelle: A. Grundies, D. Mursa: Das Lexikon der prominenten Kosenamen, Rowohlt

Autor: Anja Matthies, Katharina Happ