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Grace Kelly und Fürst Rainer von Monaco im Jahr der Hochzeit (1956)
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Da lachte sie noch von Herzen: Grace Kelly mit Fürst Rainer von Monaco im Jahr 1956, dem Jahr ihrer Hochzeit. / Foto: © picture-alliance / United Archives/TopFoto

Neue Biographie zum 30. Todestag

Hollywood-Legende Grace Kelly

  • Artikel vom 08. September 2012

Am Ende: ein harter Schnitt. Ein Cut, wie man in der Filmsprache sagen würde. Am 13. September 1982 wird die Limousine der Fürstin von Monaco aus einer Haarnadelkurve geschleudert und beim Aufprall in 40 Metern Tiefe zerschmettert. Tochter Stephanie überlebt auf dem Beifahrersitz, die Fürstin erliegt einen Tag später, mit nur 52, ihren Verletzungen. Die aufgebahrte Tote, von der die Monegassen drei Tage lang in der Schlosskapelle Abschied nehmen, gleicht selbst im offenen Sarg noch der makellosen Göttin, die sie im Film wie im Leben spielte. Rund 100 Millionen Menschen verfolgen die Trauerfeier am Bildschirm.


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Wer war Grace Kelly, die sich als Fürstin Gracia Patricia nannte, wirklich? Die Biografie "Grace", die zum 30. Todestag erscheint, zeichnet das Porträt einer Frau, die die Aufgabe ihrer Karriere nie verwinden konnte.

"Grace Kelly ist ein schneebedeckter Berg, und wenn der Schnee schmilzt, entdeckt man darunter einen glühenden Vulkan", schrieb Regisseur Alfred Hitchcock, mit dem sie drei ihrer elf Filme drehte. Ihre Karriere in Hollywood machte sie allerdings dank ihrer kühlen Contenance. Schon im Western "Zwölf Uhr mittags"“ (1952), in dem sie 22-jährig die Frau von Gary Cooper spielt, braucht es eine heißblütige Rivalin, um das Temperament der jungen Ehefrau anzustacheln.

Kühl und schön bleibt sie auch in den Hitchcock-Thrillern "Bei Anruf Mord" (1954) und "Das Fenster zum Hof" (1954). Für "Ein Mädchen vom Lande" erhält sie 1955 den Oscar, nur ein Jahr später opfert sie ihre Karriere einer neuen Rolle: dem Part der Fürstin.

Grace Kelly im goldenen Käfig

Die Traumhochzeit von Monaco scheint mehr Deal als Herzenssache. Zwei Millionen Dollar Mitgift fordert Rainier von seinem Schwiegervater, einem Bauunternehmer. Eine Million zahlt schließlich John Kelly, eine Million Grace selbst. Außerdem muss sich die Braut einem Fruchtbarkeitstest unterziehen und in einem Ehevertrag unterschreiben, dass gemeinsame Kinder bei einer Scheidung beim Vater bleiben. Erst nach diesen Formalitäten schreitet sie im April 1956 zum Altar und wird Fürstin eines Zwergstaates, der kleiner ist als der New Yorker Central Park.

Während Gracia Patricia in Monaco die Rolle der huldvollen Heroine gibt und ihrem Mann drei Kinder schenkt, reißt das Band nach Hollywoood nie ab. Die unvollendete Schauspielerin trifft sich mit Alfred Hitchcock, ihrem Freund und Mentor. Sie hält den Kontakt zu früheren Kollegen: Frank Sinatra singt auf dem Rot-Kreuz-Ball, Cary Grant sitzt in der Jury eines Festivals.

In der Langeweile des goldenen Käfigs beginnt sie, Blumen zu pressen, was ihre Freunde erstaunt. "Ich habe immer gesagt: ‚Komm, leben, leben! Du musst ausgehen, Freude haben – nicht tote Blumen arrangieren‘", erinnert sich der mit ihr befreundete Regisseur Robert Dornhelm in der Biografie. Sie lässt das Theater von Monaco renovieren, so als wolle sie in dem Steuerparadies ein Fanal für die Kunst setzen. Sie begründet den Rosenball und erscheint dort wie eine Königin – lange weiße Handschuhe, die geflochtenen Haare wie eine Krone um den Kopf gelegt.

War sie glücklich? Dornhelm gegenüber bedauert sie gelegentlich, als Schauspielerin nie zu voller Entfaltung gefunden zu haben. 1962 scheint die Chance gekommen, noch einmal an ihr altes, unvollendetes Leben anzuknüpfen. Alfred Hitchcock bietet ihr die Hauptrolle in "Marnie" an. Aber die Staatsräson hat Vorrang: "Es bricht mir das Herz, dass ich das Projekt abgeben muss", schreibt sie in ihrer Absage an Hitchcock. Der Traum von der Schauspielerei ist damit beendet. Das Fenster zur Filmwelt geschlossen.

Gracia Patricia zieht sich in den Palast zurück, leidet unter Schlaflosigkeit und Depressionen. Kortison-Behandlungen verändern ihre Figur, in den späteren Jahren sucht sie ihr Heil in der Esoterik, lädt zu Sternzeichenpartys, erzählt ihren Bekannten, dass sie als Skorpion-Geborene Jungfrauen und Zwillingen besser aus dem Weg gehen sollte. Sie interessiert sich für die Ideen der Sonnentempler. Sie unternimmt mit ihrem Sohn Albert Wallfahrten nach Lourdes.

Als Regisseur Dornhelm ihr als Accessoire zu ihren Trockenblumen-Arrangements einmal eine Fasanenfeder schenkt, ist sie entsetzt: "Federn bringen Unglück!" Drei Jahre vor ihrem Tod steht sie dann doch noch einmal vor der Kamera. Ein Zeitvertreib, nichts Ernstes: Das halbstündige Fragment "Rearranged" wird ein einziges Mal im kleinen Kreis aufgeführt, liegt seitdem in einem Tresor in Monaco.

Ein Stern verglüht

Bis heute wuchern die Spekulationen um ihren Tod. Ob die Bremsen ihres Rovers versagten, ob sie einen Schlaganfall erlitt oder zu schnell fuhr, ob sie durch einen Streit mit der damals 17-jährigen Stephanie abgelenkt war – nichts ist gesichert. Weggefährte Dornhelm sagt über ihren frühen Tod: "Die Vorstellung, dass sie zu einer älteren Dame wird, die unglücklich im Schloss lebt, hätte nicht zu ihr gepasst. Sie war ein Star. Sie hat das Licht aufgefangen, das auf sie schien, und dann hat sie geleuchtet."

Autor: Angela Meyer-Barg