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Aus dem Magma der unterirdischen Vulkane entstehen neue Inseln
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Aus dem Magma der unterirdischen Vulkane entstehen neue Inseln; Bild: ARTE F / © Courtesy of NSF and NOAA

Brodelnde Vulkane

Geburt einer Insel

  • Artikel vom 23. Oktober 2010

Erst ein unheilvolles Brodeln an der Wasseroberfläche: Plötzlich schießt eine dampfende Fontäne in die Luft – mehrere Tausend Meter hoch. Eine riesige Rußwolke ist kilometerweit zu sehen. Hier, mitten im Pazifischen Ozean, entsteht gerade ein neues Stück Land.

Für den Dokumentarfilm "Eine Insel wird geboren" beobachtete der französische Naturfilmer Bertrand Loyer, wie sich im Pazifik-Archipel Tonga eine Insel bildete – nicht weniger als acht Jahre dauerten die Dreharbeiten. Zum ersten Mal filmten Roboter in einer Tiefe von 3500 Metern in schwefelhaltigen Gewässern. Sie lieferten spektakuläre Bilder direkt vom Ort des Geschehens, faszinierende Einblicke in eine dunkle Unterwasserwelt, die dem Menschen sonst verborgen bleibt (siehe Bildergalerie).

Doch wie entsteht die neue Insel überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, muss man noch tiefer gehen: Unter dem Pazifischen Ozean befinden sich tektonische Platten, die ständig in Bewegung sind. Dabei entstehen immer wieder Risse, durch die Magma emporquillt. So bildet sich eine ständig wachsende Erdkruste aus unterseeischen Gebirgsketten und brodelnden Vulkanen. Allein im pazifischen Feuerring reihen sich 500 aktive Vulkane aneinander. "An einigen Stellen befinden sich sogenannte Hotspots, an denen Magma aus großer Tiefe emporsteigt", erklärt der Geologe Frank Holzförster. "Dort können die unterseeischen Berge schließlich aus dem Wasser herausragen."

Im Pazifik werden ständig neue Inseln geboren, manchmal dauert das Jahrmillionen. Sie sind Lebensspender, von denen zahlreiche Tierarten profitieren. Das mineralreiche, heiße Wasser, das vom Meeresboden nach oben steigt, ist Nährbrühe für Bakterien, Lebensgrundlage vieler Tiere in der Tiefsee. Entlang der unterseeischen Vulkankegel strömen Planktonstrudel aufwärts, die Schwärme kleiner Fische anziehen, die wiederum hungrige Haie anlocken. Sie treiben die Fische an die Wasseroberfläche, wo auch Vögel wie die Rußseeschwalbe die Gunst des Augenblicks nutzen. So entstehen durch die Vulkane vielfältige Nahrungsketten.

Aber nicht alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs, sie können einst auch zum Festland gehört haben. "Wenn sich in Küstennähe eine Erhebung befindet und ein steigender Meeresspiegel die Küste überflutet, ragt der ehemalige Hügel als Insel aus dem Wasser empor", sagt Frank Holzförster. Die Halligen in der Nordsee sind auf diese Art entstanden. Vor vielen Tausend Jahren waren sie noch Teil des Festlands. Durch den Anstieg des Meeresspiegels wurde das Land überflutet, die höchsten Hügel wurden zu Inseln. Aber durch die fortschreitende Klimaveränderung werden viele Inseln in Zukunft wohl selbst überflutet – und verschwinden.

Das muss nicht immer schlecht sein: Rund dreißig Jahre lang stritten Indien und Bangladesch um New Moore Island. Aufgrund des steigenden Wasserspiegels versank die unbewohnte Insel im Golf von Bengalen schließlich komplett im Meer. Damit erledigte sich das Problem von selbst.

Kurz erklärt: So entstehen neue Inseln

Die Erdkruste besteht aus tektonischen Platten. Driften sie auseinander, tritt durch die Spalten Magma aus. So entstehen vulkanische Erhebungen, die bis über die Wasseroberfläche wachsen können.

Bild Flashbühne / kleines Bild: ARTE F / © Dana Stephenson

Autor: Thomas Kunze