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Hitler mit dem Industriellen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach
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Hitler (M.) mit dem Industriellen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (r.), der die neuen Machthaber unterstützte / Foto: © dpa - Bildarchiv

Die History-Serie von HÖRZU: Teil 1

Die größten Geheimnisse der Geschichte

  • Artikel vom 04. März 2013

Wie reich war Hitler wirklich?
Alles Propaganda: Um sich perfekt zu inszenieren, webt Adolf Hitler (1889 – 1945) ein Geflecht aus Lügen um sein Leben. Aus Herkunft und Kindheit macht er ein Geheimnis, stellt sich als verkannter Künstler, armer Waisenjunge und Kämpfer dar – noch auf dem Höhepunkt der Macht asketisch, opferbereit und selbstlos. Die Wahrheit hinter dem so sorgsam gepflegten Mythos sieht anders aus. Das beweisen schon seine Steuerschulden.

"Der nach eigenem Verlauten höchst bescheidene Diener des deutschen Volkes ist im Jahr seiner ,Machtübernahme‘ bereits Millionär", erklärt Prof. Guido Knopp, ehemaliger ZDF-Redaktionsleiter Zeitgeschichte. "Vor allem sein Pamphlet ,Mein Kampf‘ hat ihm allein 1933 Einkünfte von 1,2 Millionen Reichsmark (RM) beschert." Mahnungen der Finanzbehörden ignoriert er, Akten werden auf Befehl von "ganz oben" geschlossen.

In den nächsten Jahren nimmt der Geldstrom kein Ende. Tantiemen, Einnahmen von Fotos, auf denen er abgebildet ist, Erbschaften von Parteigenossen – alles landet in den Taschen des Reichskanzlers. Guido Knopp: "Diese Summen verblassen jedoch angesichts der Gelder, die er von anderer Seite erhielt. Die deutsche Industrie beschloss auf Initiative von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, dem Diktator ein Geschenk zu machen."

Mit der "Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft", anfangs noch freiwillig, später als Zwangsabgabe, soll jeder Arbeitgeber 0,5 Prozent seiner Lohnkosten in einen Privatfonds einzahlen, der zur freien Verwendung des "Führers" steht. Rechenschaft über die Verwendung der Mittel muss der Multimillionär nicht ablegen. "In erster Linie beschenkte sich Hitler selbst", sagt Prof. Knopp. "Denn nun konnte er fast uneingeschränkt jene Interessen pflegen, die ihn schon in frühen Jahren in Wien umgetrieben hatten: die Liebe zur Kunst und das Interesse an der Architektur."

Für ein in Linz geplantes "Führer-Museum" schickt er seine Beauftragten mit gefüllten Geldschatullen durchs besetzte Europa. Kunstwerke werden geraubt, beschlagnahmt, zu Spottpreisen von meist jüdischen Besitzern abgepresst. Experten vermuten, dass Herkunft und Verbleib der Hitler-Schätze noch lange nicht restlos geklärt sind – fast 70 Jahre nach dem Ende der NS-Schreckensherrschaft.

Pyramide des Cheops

Das Pyramidenfeld von Giseh mit der Cheopspyramide (ganz rechts) / Foto: © picture-alliance / akg

Wie wurden die Pyramiden gebaut?
Weltwunder im Wüstensand: Allein die schiere Größe der Cheopspyramide, nur wenige Kilometer von Kairo entfernt, macht sprachlos: ursprünglich 146 Meter Höhe, errichtet aus 2,3 Millionen Steinblöcken, 6,4 Millionen Tonnen Gesamtgewicht. Wie meisterten Ägyptens Baumeister diese enorme Herausforderung – vor rund 4500 Jahren?

"Sie waren so genial, dass wir bis heute nicht wissen, wie sie die Cheopspyramide genau erbauten", sagt Ägyptologe Dr. Martin von Falck, wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung "Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze" (ab 9. März in Berlin). "Fest steht nur, dass das über einen Zeitraum von 20 Jahren mithilfe riesiger Rampen geschah."

Forscher vertreten mehrere Theorien darüber, mit welcher Technik eine Pyramide erbaut wurde. Unstrittig ist hingegen: Der Pharao und ein Priester legten mithilfe des Abendsterns den optimalen Bauplatz fest. Dann begannen bis zu 30.000 Arbeiter mit Dolerit, einem harten, grünen Stein, Felsblöcke aus Steinbrüchen zu lösen. Jeder Quader wog rund 2500 Kilogramm und wurde mit Schlitten zum Bauplatz gezogen. Hoch qualifizierte Handwerker waren damals im Einsatz, keine Sklaven, wie man lange vermutete.

Der Sarkophag wurde schon vor Fertigstellung der Pyramide ins Innere gebracht – später hätte man ihn nicht mehr hineintransportieren können. Mit Außenrampen oder Rampen in Spiralform schaffte man die Quader nach oben. Doch warum hatte die Pyramide eine Spitze (Pyramidion)? Von Falck: "Die Ägypter glaubten, der tote Pharao würde von dort aus zu den Fixsternen des Nachthimmels fliegen."

Hexenverbrennung

Es gab zwischen 50.000 und 60.000 Hexenverbrennungen - deutliche weniger, als bisher angenommen. / Foto: © picture-alliance / akg-images

Warum mussten Hexen brennen?
Ein Tanz wie ein Höllenritt, ein wilder Reigen im Schein zuckender Flammen: So stellte man sich früher den Hexensabbat vor, bei dem Menschen einen Pakt mit dem leibhaftigen Satan schlossen. Und Frauen, die in Verdacht gerieten, dies zu tun, mussten brennen. Neun Millionen Menschenleben, so hieß es lange, soll der Hexenwahn gekostet haben. Eines der blutigsten Kapitel unserer Geschichte?

"Ernsthafte historische Hexenforschung gibt es erst seit etwa 40 Jahren", betont Dr. Peter Mario Kreuter, Historiker am Südost-Institut in Regensburg. Seitdem sichten Forscher erstmals systematisch die alten Dokumente. Eines der überraschenden Ergebnisse: Die bislang verbreiteten Zahlen sind überzogen. "Wir schätzen heute, dass es zwischen 1430 und dem Ende des 18. Jahrhunderts etwa 50.000 bis 60.000 Hinrichtungen gab", so Historiker Kreuter.

Am grausamsten wütete der Wahn auf deutschem Boden. Rund 25.000 Opfer wurden für das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation ermittelt, ein weiterer Schwerpunkt lag mit bis zu 8000 Opfern im Königreich Polen. Spanien, Portugal und Italien blieben weitgehend vom Phänomen der Hexenverfolgung verschont.

Auch in Bezug auf die Opfer widerlegen die Forscher so manches Vorurteil. Es waren nicht nur alte Kräuterweiblein, die man aus ihrer Hütte am Waldrand schleppte. Dr. Kreuter: "Es konnte auch die junge Patriziertochter kurz vor der Hochzeit mit irgendeinem Adligen treffen. In Bamberg wurden Anfang des 17. Jahrhunderts ganze Familien der Oberschicht ausgelöscht."

Steckte wirklich die Kirche hinter dem Grauen? "Der Wille, Hexen zu verfolgen, kam klar aus der Bevölkerung", so Dr. Kreuter. "Man darf auch nicht vergessen, dass die Prozesse im Wesentlichen von weltlichen Gerichten geführt wurden." Nicht die kirchliche Inquisition schickte Menschen auf den Scheiterhaufen, sondern kleine Fürsten und Landesherren des damaligen Flickenteppichs deutscher Zwergstaaten.

Antiquar Voynich

Antiquar Voynich entdeckte 1912 das unlesbare Manuskript. / Foto: © picture alliance/Mary Evans Picture Library

Wer schrieb das geheimnisvolle Voynich-Manuskript?
Auf den ersten Blick wirkt alles wenig spektakulär. Blätter, in flüssiger Handschrift beschrieben, Bilder von Pflanzen, Menschen, Häusern, Himmelskörpern. Ein typisches Mittelalterbuch? Wer genauer hinschaut, entdeckt: Die Lettern gehören zu keiner bekannten Sprache und Schrift. "Es war ein so hässliches Entlein, verglichen mit den anderen, mit Gold und Farben reich verzierten Manuskripten, dass meine Neugier sogleich geweckt war", schreibt Antiquar Wilfrid Voynich, der das Buch 1912 in der damals kirchlich genutzten Villa Mondragone bei Rom aufstöbert.

Seit 100 Jahren versuchen Kryptologen und Historiker nun schon, den Text zu entschlüsseln. Vergeblich. Selbst modernste Computertechnik, mit der sich fast jeder Code knacken lässt, versagt. Experten der Universität Arizona und des McCrone-Forschungsinstituts in Chicago datieren das Pergament auf die Zeit zwischen 1404 und 1438. "Die verwendete Tinte enthält ausschließlich Bestandteile, die in dieser Zeit verfügbar waren", ergänzt Klaus Schmeh, der sich seit Jahren der Enträtselung widmet und diese Woche als Experte im TV berichtet.

Hinweise auf den Verfasser fanden die Forscher nicht. Auch der Inhalt liegt weiter im Dunkeln. Haben die skurrilen Illustrationen überhaupt einen Bezug zum Text? Handelt es sich um das Werk eines mittelalterlichen Schwindlers oder eines Geisteskranken? Im Mai 2012 trafen sich erstmals Experten aus aller Welt in der Villa Mondragone zum Kongress. Wo Voynich vor 100 Jahren das Schriftstück entdeckte, tauschten sie neue Erkenntnisse aus. Teilnehmer Schmeh: "Das Entschlüsseln liegt nach wie vor in weiter Ferne. Kein Wort ist lesbar. Doch gerade das macht die Faszination des Manuskripts aus." Jetzt soll ein internationales Team gebildet werden, das sich der Geheimnisse mit wissenschaftlichen Methoden annimmt.


Sendehinweis: ''Planet Wissen''

Geheimschriften – rätselhafte Botschaften u. a. im Voynich-Manuskript
DI, 5.3,. WDR, 15.00 Uhr


Vorschau auf Teil 2 der HÖRZU-Serie: Von El Dorado, Freimaurern und dem Petrusgrab

Autor: HÖRZU