Urlaub
Ibiza, Westküste: kristallklares Wasser in der Cala Tarida.

Lockeres Leben auf Ibiza: Ganz entspannt im Hier und Jetzt am Strand in der Cala Tarida. - Foto © picture-alliance / united-archiv

Im TV-Programm: Talk mit Britt auf Sat.1

Britt Hagedorn über Ibiza

  • Artikel vom 10. Mai 2012

Wenn Britt Hagedorn (40) auf Sat.1 ihre Talkshow "Britt" moderiert, ist Konzentration gefragt. Ihre Gäste reden ohne Drehbuch – da muss sie spontan eingreifen können, um verbale Ausrutscher auszugleichen oder überschäumende Emotionen einzudämmen. Wenn die gebürtige Hamburgerin Urlaub macht, soll es deshalb locker zugehen. Ihr liebstes Urlaubsziel ist die Baleareninsel Ibiza. Im Sommer 2006 feierte die Moderatorin dort sogar Hochzeit. Hier ihre Liebeserklärung an eine entspannte Insel:

Wenn ich an meine Lieblingsinsel denke, sehe ich sofort eine Szene vor mir – eine Strandbar in diesem typisch improvisierten Ibiza-Stil, ein kühles Glas Champagner in der Hand, und am Horizont versinkt die Sonne im Meer. Ist das nicht wunderbar? Schon lange fahre ich mit meiner Familie hierher, über die Jahre ist uns Ibiza fast zur zweiten Heimat geworden. Dabei wirkt es auf den ersten Blick eher unscheinbar. Man muss schon wissen, wo die guten Orte sind. Kennt man sie aber, steht man da und denkt nur: "Wow, ist das schön hier!"

Den Ruf der Partyinsel, der Ibiza vorauseilt, kann ich nicht bestätigen. Ich gehe nachts selten aus, bin nicht der Typ, der in der Riesendisco "Pacha" in der Inselhauptstadt die Nächte durchtanzt. Für mich ist Ibiza eher ein Ort der Entspannung. In den Strandbars stehen breite, bequeme Liegesofas, die Daybeds – Betten für den Tag. Aus den Lautsprechern tönt sanfte Loungemusik, die Menschen hier sind trendbewusst und sehr locker.

Ibiza habe ich über meinen Mann Ralph kennengelernt, der wie viele Rheinländer dort regelmäßig Urlaub machte. Wir wohnen stets in der "Casa Munich", einem familienfreundlichen Hotel in der Nähe des Strandes Es Cavallet. Auf Ibiza haben wir im Sommer 2006, ein Jahr nach unserer standesamtlichen Trauung, noch einmal ein rauschendes Fest ausgerichtet. Diese "Inselhochzeit" werde ich nie vergessen. Erst der Polterabend im "Es Sol dèn Sera" in der Bucht von Cala Llonga, dann das große Barbecue – und wer wollte, konnte einfach die Felsen runterkraxeln und ins Wasser springen.

Ein Hauch von Karibik

Am Tag darauf haben wir einen Katamaran gechartert und sind mit all unseren Gästen zur Nachbarinsel Formentera gesegelt. Sie gilt als Ibizas struppige kleine Schwester, dabei hat sie viel zu bieten: wunderbare Strände und türkisblaues Wasser, das an die Karibik erinnert. Kleiner Tipp: Bei Arnold in der "Haifischbar" sitzt man unter windschiefen Krüppelkiefern auf wackeligen Bänken und vergisst vollkommen die Zeit. Und an der Platja de Migjorn kann man sich einen Drink am "Pirata-Bus" holen, die Füße in den Sand stecken und lang aufs Meer hinausgucken.

Dass auch auf Ibiza die Uhren langsamer gehen, hat schon Generationen von Aussteigern begeistert. Wer sich auf die Spuren der Hippies begeben will, die den Ruf der Insel geprägt haben, fährt nach Sant Carles im Nordosten der Insel, nimmt einen Drink in "Anitas Bar" und beobachtet die Letzten der ergrauten Zivilisationsflüchter. Die Blüte der Bewegung liegt 40 Jahre zurück, geblieben sind die Hippiemärkte, auf denen es Schmuck, flatternde Röcke, legere Strohhüte und Sandalen zu kaufen gibt.

Der schönste Markt ist Las Dalias, ein paar Hundert Meter von "Anitas Bar" entfernt. Trubeliger geht es auf dem Markt Punta Arabi in Es Canar zu, einem der größten Touristenzentren der Insel – im Winter Geisterdorf, im Sommer überfüllt. Wer sich schon mal auf den Weg gemacht hat, um das Inselinnere zu erkunden, sollte sich auch das Wehrdorf Balàfia ansehen, entstanden im 16. Jahrhundert, als plündernde Piraten nicht nur die Küsten unsicher machten. Einen Abstecher wert ist auch das ebenso im Inneren gelegene Städtchen Santa Gertrudis de Fruitera, das viele für den schönsten Ort der Insel halten. Hier gibt es jede Menge Feinkostläden und Bars – und die am besten sortierte Buchhandlung: "Libro Azul".

Wer es authentisch mag, geht zu "Costa" – eine der urigsten Bodegas auf Ibiza, in der noch die Schinken unter der Decke hängen. Selbst im Winter versammeln sich hier Wanderer und Lebenskünstler und wärmen sich vor dem Kamin. Viel wichtiger als all diese Sehenswürdigkeiten ist für mich aber das Lebensgefühl das uns im hektischen Alltag oft verlorengeht. Ibiza macht einfach Spaß!

Zurück also an die Südküste. Ein paar angesagte Orte möchte ich noch empfehlen. In der Strandbar "Cap d’es Falcó" finden sich pünktlich zum Sonnenuntergang junge Leute ein. Man kann auf riesigen Daybeds lümmeln, Musik hören und lecker essen. Nur Mückenspray sollte man mitnehmen – ganz perfekt ist selbst diese Idylle nicht! Etwas weiter westlich serviert das Restaurant "Yemanja" in der Bucht Cala Jondal exklusive Küche. Die schicke Jugend trifft sich im "Blue Marlin Club".

Wer die Abwechslung liebt, fährt weiter in die Inselhauptstadt, die auf Katalanisch Eivissa heißt. Unterhalb der Festungsmauern tobt in den Vierteln La Marina und Sa Penya das Leben: Ein buntes Völkchen flaniert durch die Gassen. Beliebter Treffpunkt ist die Plaça del Parc mit ihren vielen Cafés, Geschäften und Restaurants. Ich frühstücke am liebsten in der "Croissant-Show", wo es so verlockend nach Gebäck und Milchkaffee riecht, dass mir schon jetzt, beim Schreiben, das Wasser im Mund zusammenläuft.

Die Gastronomie auf meiner Lieblingsinsel ist schier unerschöpflich. Ich liebe die herzhaften spanischen Spezialitäten, auch wenn sie wirklich nicht figurfreundlich sind: etwa die Datteln im Speckmantel oder die Pimientos de patron, frittierte Paprikaschoten mit Meersalzblüten. Diesen Sommer wollen wir wieder nach Ibiza reisen. Meine knapp fünfjährige Tochter Soma freut sich auf den Strand, unser kleiner Sohn Levi, acht Monate alt, wird den zweistündigen Flug vermutlich verschlafen und später unter schattigen Palmblättern erste Krabbelversuche starten. Einen Strohhut packe ich ein, ein paar Tuniken, bequeme Schlappen, viel mehr nicht. Wenn man nach Ibiza reist, fängt die Entspannung schon beim Kofferpacken an.


Ibiza: Das sollten Sie nicht verpassen!

Dalt Vila: Die historische Altstadt von Eivissa (Ibiza-Stadt) birgt eine der besterhaltenen Festungsanlagen im Mittelmeer und zahlt zum Weltkulturerbe der Unesco.
Sant Rafel: In dem schläfrigen Dörfchen drehte sich fruher alles um Ton. Keramikgeschafte mit künstlerischem Anspruch: Ceramicas Icardi und Can Kinoto.
Santa Gertrudis de Fruitera: Das "Restaurant-Dorf" bietet Tapasbars, Sushi- und Raw-Food-Restaurants.

Autor: Britt Hagedorn