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Siebenschläfer

NEUGIERIG: Der Siebenschläfer sieht aus wie eine Mischung aus Eichhörnchen und Maus. Er lebt in Bäumen. / Foto © iStock.com, tanukiphoto

Alles übers possierliche Tier

Siebenschläfer: Aufgeweckte Kerlchen

  • Artikel vom 12. Juli 2018

Der Siebenschläfer ist im Sommer munter und in der warmen Jahreszeit bei der Futtersuche kaum zu bremsen.

Vorsichtig nähern sich die Polizisten dem Haus der alten Dame. Sind die Einbrecher noch im Gebäude? Weil sie mitten in der Nacht lautes Gepolter in der Küche hörte, hat die Frau den Notruf gewählt. Als die Beamten die Küche betreten, ertappen sie den Dieb auf frischer Tat: einen Siebenschläfer, der sich über die Vorräte hermacht und dabei ein Riesenspektakel veranstaltet. Die Hausbewohnerin hatte die Terrassentür einen Spalt weit offengelassen, der kleine Kerl nutzte die günstige Gelegenheit sofort zum Futtern.

Jetzt ist Essenszeit für den Siebenschläfer. Durch den langen Winterschlaf sind die Fettreserven aufgebraucht. Die Tiere haben rund die Hälfte ihres Körpergewichts verloren.


VIELSCHLÄFER: Tagsüber ruht der Siebenschläfer, der zur Familie der Bilche gehört, also zu den Schlafmäusen. / Foto © iStock.com, reptiles4all

Bevorzugte Lebensräume sind zwar Obstgärten und Laubmischwälder wie etwa der Spessart. Doch es gibt immer wieder „Einbrüche“ in Häuser. Im vergangenen Jahr kam es im schwäbischen Reutlingen sogar zu einem Großeinsatz der Polizei. Siebenschläfer mögen Scheunen, Hütten, Dachböden. Die Nähe zum Menschen fürchten sie nicht.

Im Sommer machen Siebenschläfer die Nacht zum Tag und sind bei der Suche nach Futter quicklebendig. Und gefräßig: Obst, Samen, Rinde, Knospen und Blüten schmecken ihnen, im Spätsommer auch Eicheln, Nüsse, Bucheckern, Kastanien, Pilze, aber auch Insekten, Vogeleier und sogar Jungvögel verschmähen sie nicht. Je nach Jahreszeit passen sie sich dem natürlichen Nahrungsangebot gut an. Der nächste Winter kommt bestimmt, und dann benötigen sie wieder Fettreserven.


SÜSS GEKNABBERT: Obst gehört zu den liebsten Speisen des Siebenschläfers . Er frisst aber ohnehin fast alles, was die Natur ihm bietet. / Foto © iStock.com, rainmax

Den Tag verschlafen sie in Baumhöhlen, Erdlöchern oder Nistkästen, wo sie sich eng aneinanderkuscheln. „Die Tiere bilden ganz gezielt Schlafgemeinschaften“, sagt Bettina Koppmann-Rumpf, Biologin bei der Ökologischen Forschungsstation Schlüchtern in Hessen, wo die Tiere beobachtet werden. Die Wissenschaftler entdeckten etwa, dass Siebenschläfer keineswegs Einzelgänger sind, wie lange vermutet wurde, sondern gesellige Tiere.

Wohl fühlen sie sich in großflächigen Laub- und Mischwäldern mit altem Baumbestand. „Siebenschläfer brauchen dringend tote Bäume“, sagt Koppmann-Rumpf. Darin finden sie verlassene Naturhöhlen als Schlafstätten und zur Aufzucht der Jungtiere, die Ende Juli zur Welt kommen: nackt, blind und taub. Dennoch sind sie nach acht Wochen schon selbstständig.

Ausgewachsene Tiere erreichen samt Schwanz eine Körperlänge von 30 Zentimetern, wiegen je nach Monat zwischen 70 und 200 Gramm und sehen mit ihrem buschigen Schwanz aus wie eine Mischung aus Eichhörnchen und Maus. Sie gehören wie die Haselmaus zur Familie der Bilche, auch Schlafmäuse genannt, und verfügen über ein ausgezeichnetes Gehör, einen guten Geruchs- und einen ausgeprägten Tastsinn. Sie leben hauptsächlich in Bäumen und sind exzellente Kletterer. Über Blasen an den Fußsohlen sondern sie klebrige Sekrete ab, die ihnen Halt geben.


GUT GEHALTEN: Siebenschläfer sind ausgezeichnete Kletterer. Sie sondern Sekrete ab, die ihnen Halt an den Bäumen geben. / Foto © iStock.com, Ocs_12

Gefährlich werden ihnen Marder, Katzen und Greifvögel. Auch Kälte mögen sie gar nicht. Deswegen variiert die Dauer des Winterschlafs, den sie bei milden Temperaturen unterbrechen oder verkürzen. Im Herbst buddeln die Siebenschläfer einen Meter tiefe Erdlöcher, um sich vor Frost zu schützen. Aber bis dahin haben die kleinen Bilche noch viel zu tun.

Autor: Thomas Kunze