Tiere
Papageitaucher

Vier Papageitaucher an einer steilen Klippe. - Foto: Jeff J Mitchell/Getty Image

Pummel im Anflug

Papageitaucher

  • Artikel vom 13. März 2014

Was für schräge Vögel! Papageitaucher sehen aus wie Clowns, klingen nach Kettensäge und lieben eisige Gewässer mehr als festes Land.

Der Flug der Papageitaucher

Eleganz sieht anders aus. Kurz vor der Bruchlandung streckt der fliegende Papageitaucher seinen Kopf vor, Körper und Füße baumeln fast senkrecht in der Luft. Jetzt noch wild mit den viel zu kurzen Flügeln schlagen und – plumps! Geschafft. Auf dem Meer kann so ein Manöver schon mal mit Bauchplatschern enden.

Nein, Papageitaucher sind keine Luftakrobaten. Müssen sie auch nicht sein. Die taubengroßen Seevögel haben andere Talente: Sie können Tunnel graben und unter Was­ser fliegen. Kein Wunder, dass Naturschutz­organisationen wie die National Audubon Society in den USA das Wundertier erfor­schen und in alten Brutgebieten etwa vor der Küste Maines wieder ansiedeln wollen.


TV-Tipp

Naturdoku "Schottland: Herbe Schönheit am Atlantik". Thema sind auch Papageitaucher. Fr., 14. März 2014, Arte, 19.30 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


Fischfangtechnik

Heimat des Vogels mit dem lateinischen Namen Fratercula arctica ("Kleiner Mönch der Arktis") sind die kalten Gewässer des Nordatlantiks. Hier hört man seinen Ruf, der nach Kettensäge klingt, hier zeigt er seinen einmaligen Fischfangtrick. Und der geht so: Unerschrocken stürzt sich der Papa­geitaucher in die Meerestiefen. Eine Mi­nute kann er unter Wasser bleiben, schlägt dabei flink mit den Flügeln. Was ihm vor den Schnabel schwimmt, wird geschnappt. Heringe, Sandaale, Lodden. Forscher rätsel­ten lange, wie er seine Beute massenweise quer im Schnabel transportieren kann. Das Geheimnis liegt in der Zunge. Damit presst der Papageitaucher die Fische gegen den Gaumen, wo sie an kleinen Widerhaken hängenbleiben. Sie sind derart festgetackert, dass sie bei weiteren Fängen nicht entfleu­ chen. Rekord: 62 Fische pro Schnabel.

Seine Heimat ist der Ozean

So verbringt der Papageitaucher Sommer, Herbst und Winter als Eigenbrötler auf dem Ozean. Wie ein Korken tanzt er auf den Wellen, rudert mit den Füßen und pflegt meist sein Gefieder. Größere Strecken legt er im Flug zurück, dicht über dem Wasser. Wie vom Katapult abgeschossen geht's einfach gerade­ aus – mit bis zu 80 km/h und 400 Flügel­ schlägen pro Minute. Die Audubon-Bio­logen erfassten einen Papageitaucher, der in acht Monaten 7700 Kilometer zurücklegte.

Erst im Frühling steuert der Seevogel Land an – und wird vom Einzelgänger zum Gesellschaftstier. Tausende Papageitaucher leben in gigantischen Kolonien Schnabel an Schnabel, etwa vier Millionen Paare insge­samt, vor allem an den Küsten von Island, Neufundland, Labrador, Grönland, Nord­schottland und den Färöer-­Inseln.

Brut und Aufzucht

Nicht jeder Platz eignet sich aber für eine solche Kolonie. Was der ideale Wohnort bie­ten muss: fischreiche Gewässer, damit der Nachwuchs satt wird; steile Klippen, von denen der Abflug leichter fällt; lockere Erde für den Nest­bau. Meist keh­ren die Tiere an den Ort ihrer Geburt zu­rück. Die Paare scharren dann mit den Füßen eine Bruthöhle in den Boden, faule Papageitaucher suchen sich eher einen alten Kaninchenbau. Zum Ritual der über Jahre treuen Paare gehört das Schnäbeln. Kaum reiben sie die Schnäbel aneinander, ma­chen's die Nachbarn nach. Wie ansteckend! Nur ein einziges Ei legen Papageitaucher pro Brut­saison. Dann geht alles schnell: Nach rund 40 Tagen schlüpft der Nachwuchs und wächst rasant. Zehn Gramm nehmen die Kleinen pro Tag zu, fleißig gefüttert mit Fisch. Nachts krabbeln sie bald für ein paar Minuten aus der Höhle, um ihre Flügel zu testen. Nach 50 Tagen werden sie flügge.

Ihr Abschied ist unsentimental: Sie hüp­fen zum Meer – und tschüs! Erst im Alter von fünf Jahren kehren sie zurück, um selbst zu brüten. Diese Treue nutzten die Biologen der Audubon Society. Sie verfrach­teten Papageitaucher wenige Tage nach dem Schlüpfen von Neufundland nach Maine. In künstlichen Bruthöhlen wuch­sen die Tiere heran. Würden sie später tat­sächlich zum Brüten in ihre neue Heimat Maine zurückkehren? Der Erfolg gibt den Naturschützern recht. 1981 zählten sie vier Paare auf den nahen Inseln, im Jahr 2013 waren es bereits 1000.

Autor: Kai Riedemann