Krebs
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Bei Leukämie ist die Anzahl der Blutzellen verändert, zusätzlich kommt es zu entarteten Blutzellen. / Foto © iStock, /fotoquique

Leukämie

Leukämie: Symptome bei akutem und chronischem Blutkrebs

  • Artikel vom 27. März 2017

Leukämie äußert sich oftmals sehr unspezifisch. Mediziner unterscheiden die myeloische und lymphatische Form.

Rund 12.500 neue Fälle von Blutkrebs werden pro Jahr verzeichnet. Anders als bei vielen anderen Krebsformen, etwa Prostatakrebs, ist Blutkrebs nicht unbedingt altersabhängig. Leukämien, so der medizinische Ausdruck für Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, können auch Kinder treffen. Leukämie ist bei ihnen sogar die häufigste Krebsform: Rund 600 Kinder erkranken jährlich.

Bei Leukämie nehmen kranke, weiße Blutkörperchen zu

Leukämie steht als Oberbegriff für Krebserkrankungen, die von Knochenmarkszellen ausgehen, also dem Bereich im Körper, in dem die Blutzellen gebildet werden. Der Begriff Leukämie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „weißes Blut“. Im Verlauf der Krankheit reifen die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nicht mehr richtig.

Gebildet werden die roten und weißen Blutkörperchen im Knochenmark von den blutbildenden Stammzellen. Bestimmte Gene kontrollieren die Produktion. Wenn diese Kontrolle nicht richtig funktioniert, entstehen veränderte Blutzellen: Sie reifen nicht vollständig, sind nicht funktionstüchtig oder es werden zu viele unreife Zellen produziert.

Die vielen, unreifen Leukozyten verdrängen die gesunden Blutzellen. Die Folge: Zu wenige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) führen zu Blutarmut, ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) verursacht Blutungsneigung und die unreifen Leukozyten können Krankheitserreger nicht mehr richtig abwehren. Die Konsequenz ist starke Infektanfälligkeit.

Lymphatische und Myeloische Leukämie

Je nachdem, in welchem Reifungsgrad der Blutzellen die Fehlschaltung eintritt, wird unterschieden zwischen der sogenannten Myeloischen Leukämie als häufigster Form und der Lymphatischen Leukämie.

Die Myeloische Leukämie geht von Granulozyten aus, einer Vorstufe der weißen Blutkörperchen. Es bilden sich vermehrt funktionsuntüchtige Leukozyten, die gesunde Blutzellen verdrängen.

Die Lymphatische Leukämie geht von den Vorläuferzellen der Lymphozyten aus, einer anderen Gruppe weißer Blutkörperchen.

Myeloische und Lymphatische Leukämie können jeweils akut oder chronisch auftreten.

Symptome der akuten Myeloischen Leukämie (AML) und der akuten Lymphatischen (ALL) Leukämie

Die akuten Leukämien kommen häufiger vor als chronischer Blutkrebs. Die Symptome der akuten Formen sind zwar meist ausgeprägt, werden jedoch anfangs oft mit denen einer Grippe verwechselt. Denn die Anzeichen von AML und ALL können sein:

Plötzlich einsetzendes Krankheitsgefühl
• Fieber
• Nachtschweiß
• Leistungsschwäche
• Gewichtsverlust
• Blässe
• Schwindel
• Herzrasen
• Zahnfleischbluten
• Nasenbluten
• Lebervergrößerung
• Hautausschlag

Bei einer akuten Leukämie ist rasche Hilfe wichtig, denn unbehandelt kann sie in wenigen Monaten zum Tode führen.

Anzeichen der chronischen Myeloischen Leukämie (CML) und der chronischen Lymphatischen (CLL) Leukämie

Bei den chronischen Leukämien treten ähnliche Symptome auf, allerdings sind die Beschwerden nicht so ausgeprägt und beginnen schleichend. Die wichtigsten Anzeichen sind dabei Leistungsschwäche, ständige Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Die Symptome steigern sich oft erst nach Jahren, bis sie denen der akuten Form entsprechen.

Dabei wird die chronisch Lymphatische Leukämie heute genau genommen zu den Lymphomen gezählt. Diese bösartigen Erkrankungen äußern sich anfangs vor allem in vergrößerten Lymphknoten (Lymphomen). Auch die CLL wird durch entartete T- und B-Leukozyten verursacht.

CML und CLL werden deshalb im Frühstadium oft nur durch Zufall entdeckt, etwa wenn der Arzt eine Blutkontrolle durchführt.

Mögliche Ursachen für Leukämie

Was genau der Grund dafür ist, dass sich die weißen Blutkörperchen falsch entwickeln, ist immer noch nicht gänzlich geklärt. Fest steht nur, dass eine plötzliche Mutation von Genen Auslöser ist, die eher zufällig und seltener durch Vererbung eintritt. Allerdings gibt es bestimmte Risikofaktoren, die die Entstehung von Leukämie begünstigen. Das sind etwa:

Strahlenbelastung (ionisierende Strahlen, wie sie etwa bei einer Krebstherapie eingesetzt werden)
bestimmte chemische Stoffe wie Benzol

Oft wird vermutet, dass die Strahlung eine Rolle spielt, die etwa bei Mobilfunk entsteht. Doch ob sie tatsächlich Auslöser für eine Leukämie sein kann, ist wissenschaftlich nicht bewiesen.

Blutuntersuchung und Knochenmarkspunktion – die Diagnose von Leukämie

Sicherheitshalber sollte also bei anhaltenden Beschwerden wie Leistungsschwäche, Fieber oder Blutungsneigung untersucht werden, ob womöglich eine Leukämie vorliegen könnte. Eine einfache Blutuntersuchung steht dabei am Anfang. In der Blutprobe lässt sich nachweisen, welche Blutzellen in welche Menge vorhanden sind. Oft ergibt sich daraus bereits ein Hinweis auf die Krankheit.

Unabhängig davon ist eine Knochenmarkspunktion wichtig. Unter örtlicher Betäubung wird dabei über eine Spezialnadel aus dem Beckenknochen Knochenmarkblut abgesaugt. Anhand dieses Materials kann der Arzt erkennen, wie viele und welche Knochenmarkzellen gebildet werden. Labortechnische Untersuchungen des Materials ergeben dann, welche Zellen verändert sind und welche Form der Leukämie vorliegt.

Weitere Diagnoseverfahren wie Lumbalpunktion (Flüssigkeitsentnahme aus dem Rückenmarkskanal in Höhe der Lendenwirbelsäule) und bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Kernspintomografie oder Magnetresonanz-Tomografie können zusätzlich hinzugezogen werden, wenn das Ergebnis noch nicht aussagekräftig genug ist.

Behandlung richtet sich individuell nach Form und Ausprägung der Leukämie

Die Therapie von Leukämie erfolgt in spezialisierten Praxen und Kliniken (hämatologisch-onkologische Zentren). Bei chronischer Leukämie richtet sich die Behandlung nach dem aktuellen Gesundheitszustand des Patienten. Chemo- und Interferon-Therapie sind dabei Behandlungsoptionen.

Zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinasehemmern

Doch es gibt auch neue, zielgerichtete Therapien, etwa für die CML. Wirkstoffe wie Tyrosinkinasehemmer erzielen hier Erfolge. Die Medikamente, die als Tablette eingenommen werden, blockieren in den Krebszellen die sogenannte Tyrosinase. Das sind Enzyme, die Signalleitung und Stoffwechsel der Zelle bestimmen. Tyrosinkinasehemmer führen also dazu, dass die entarteten Zellen absterben.

Akute Leukämie mit hochdosierter Chemotherapie behandeln

Vor allem bei akuten Leukämien ist rasche, intensive Behandlung wichtig. Es wird versucht, die krankhaft veränderten Blutzellen zurückzudrängen, damit sich die gesunden Blutzellen erholen können, bevor Organschäden eintreten können. Mittel der Wahl ist die Chemotherapie mit Zytostatika, um in einem ersten Schritt leukämische Blutzellen abzutöten.

Induktionstherapie, Konsolidierungstherapie und Erhaltungstherapie

Nach dieser Induktionstherapie folgt die Konsolidierungstherapie. Hier wird der Erfolg der Anfangsbehandlung regelmäßig überprüft und falls nötig werden weitere Behandlungszyklen mit Chemotherapie angeordnet. Dabei versuchen die Ärzte, mit Zytostatika restliche kranke Blutzellen zu erreichen. Es schließt sich die Erhaltungstherapie an, um Rückfällen (Rezidive) vorzubeugen oder bei beginnenden Blutbildveränderungen rasch einzugreifen.

Oft dauert die Behandlung viele Monate und vollständige Heilung ist trotzdem nicht möglich. Immerhin ist die Behandlung von Leukämien im letzten Jahrzehnt so vorangeschritten, dass 40 Prozent der Patienten noch fünf Jahre nach der Diagnose leben.

Stammzelltransplantation ist besonders erfolgreich

Besonders gute Ergebnisse liefert die Blutstammzelltransplantation. Diese Möglichkeit besteht vor allem für Patienten, bei denen die anderen Behandlungen nicht ausreichend gegriffen haben. Voraussetzung ist, den richtigen Blutstammzellspender zu finden. Die Gewebemerkmale (HLA, Humane Leukozyten-Antigene) auf den Blutzellen von Patient und Spender sollten am besten zu 100 Prozent übereinstimmen. Sogar unter Geschwistern besteht diese Chance nur bei jedem Vierten. Deshalb ist es nicht einfach, den passenden Spender zu finden.

Wer in der Familie keinen geeigneten Spender findet, muss es über nationale und internationale Knochenmarkspenderregister versuchen, wie der DKMS.

Die Blutstammzelltransplantation läuft in zwei Schritten ab: Zuerst erhält der Patient eine hoch dosierte Chemotherapie, damit alle leukämischen Zellen im Knochenmark zerstört werden (Konditionierung). Dabei werden jedoch auch die gesunden Blutzellen vernichtet. Rasche Transplantation gesunder Blutstammzellen vom Spender ist als zweiter Schritt deshalb wichtig. Die Transplantation erfolgt über eine Transfusion in die Vene. Die gesunden Blutstammzellen beginnen sofort mit der Bildung von neuen, gesunden Blutzellen.

Allerdings ist diese Therapie für den Patienten nicht risikofrei, vor allem in dem Zeitraum, der zwischen Zerstörung der eigenen Blutzellen und dem Aufbau gesunder durch die Blutstammzelltransplantation liegt. Die Abwehrkraft ist dann so gut wie nicht mehr vorhanden. Die Behandlung erfolgt deshalb nur in ausgewiesenen Zentren mit Isolierabteilung.

Quellen: Deutsche Krebsgesellschaft, Krebsinformationsdienst, Deutsche Knochenmarkspenderdatei

Autor: Monika Preuk