Gesund leben
Wadenkrämpfe

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Magnesium bis Gurkenwasser

Wadenkrämpfe – ihre Ursache und was hilft

  • Artikel vom 01. März 2018

Sie kommen meistens nachts und schießen in die Beine: Wadenkrämpfe betreffen Junge und Senioren, Sportler und Nichtsportler. Alles über mögliche Ursachen und Hilfen von Magnesium bis Gurkenwasser.

Ein Krampf kann im Prinzip in jedem der 650 Muskeln des Körpers auftreten. Doch tatsächlich trifft er meistens die Wade – und zwar wesentlich öfter, als gedacht. Das Risiko für Wadenkrämpfe nimmt nämlich mit dem Alter zu. Ab 65 Jahre treten sie bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal pro Woche auf. Und bereits von den unter 30-Jährigen berichten 90 Prozent, dass sie schon mal nächtliche Wadenkrämpfe hatten oder Krämpfe beim Schwimmen oder einer anderen Sportart.

Wadenkrämpfe machen den Muskel steinhart

Das Gefühl, einen Krampf zu bekommen, kennt sicher jeder von uns. Der Muskel zieht sich plötzlich und unwillkürlich zusammen und wird steinhart. Der gesamte Muskel schmerzt dabei massiv, und reflexartig versucht man, den verkrampften Muskel wieder zu dehnen und damit den Krampf zu lösen. Meist dauert die Erscheinung nur Sekunden bis Minuten und verschwindet dann von selbst wieder, hat aber den Schlaf bereits schmerzhaft unterbrochen.

Ursachen für Wadenkrämpfe – nicht nur Magnesiummangel

Schuld an der Verkrampfung sind Übertragungsstörungen der Nervensignale auf den Muskel. Die Ursachen dafür kann ein Versorgungsmangel mit bestimmten Mineralstoffen sein, etwa Magnesium. Der sogenannte „Nervenstoff“ ist wichtig für den richtigen Muskeltonus und die Entspannung. Dieser Mangel kann verschiedene Ursachen haben:

• Rauchen
• starker Alkoholkonsum
• Durchblutungsstörung, etwa durch einschnürende Socken oder zu enge Schuhe
• Schlechte Ernährung, etwa viel Fast Food
• Flüssigkeitsmangel
• Aufnahme von Phosphat: Viele Lebensmittel und Getränke enthalten Phosphat als Zusatzstoff – etwa Fleischzubereitungen, Wurst, Cola, Streichkäse...
• starkes Schwitzen, währenddessen der Körper viele Mineralstoffe verliert
• Muskelüberanstrengung, die ebenfalls die Magnesiumspeicher leert
• Durchfall
• manche Medikamente wie Entwässerungsmittel und Betablocker
• Schwangerschaft

Daneben erhöhen auch bestimmte Krankheiten das Risiko für Wadenkrämpfe:

• Diabetes
• Herzerkrankungen
• Arteriosklerose
• Krampfadern

Der genaue Mechanismus, der dahinter steckt, ist jedoch noch nicht ganz erforscht, ebenso wenig, warum Krämpfe ausgerechnet die Wade betreffen.

Warum Wadenkrämpfe nachts auftreten

Erklärungen, warum uns Wadenkrämpfe meistens nachts überfallen und so selten tagsüber kommen, haben Wissenschaftler dagegen parat: Tagsüber stehen oder sitzen wir meistens. Bereits das erste Muskelzucken in der Wade würden wir dann mit einem unwillkürlichen Dehnen ausgleichen und damit verhindern, dass der Krampf stärker wird. Im Schlaf dagegen merken wir erst dann etwas vom Krampf, wenn der Muskel bereits verhärtet ist und stark schmerzt.

Erste Hilfe gegen Wadenkrämpfe – dehnen und Gurkenwasser trinken

Doch abgesehen davon, welche Ursachen Wadenkrämpfe haben: Wenn der Krampf auftritt, möchte man nur noch eines – ihn möglichst rasch loswerden. Unwillkürlich tun wir dann meist das Richtige: Den verkrampften Muskel dehnen, also die Zehenspitzen des durchgestreckten Beins Richtung Scheinbein strecken und die Wade dabei sanft massieren.

Eine etwas überraschende Empfehlung bei Wadenkrämpfe geben US-Forscher. Eine Studie zeigte nämlich, dass Gurkenwasser trinken Wadenkrämpfe in wenigen Sekunden beenden kann. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Essig im Gurkenwasser diese Wirkung erzielt. Bereits ein großer Schluck soll genügen, den Krampf zu lösen.

Allerdings würde es mindestens eine halbe Stunde dauern, bis die Säure über den Magen einen Effekt auf Nerven und Muskeln erzielen könnte. Eher leuchtet die Erklärung ein, dass der saure Geschmack des Essigs im Rachen einen Reiz auf Nervenbahnen ausübt und dabei krampflösend wirkt.

Magnesium und Chininsulfat gegen Wadenkrämpfe

Die beiden ersten Mittel der Wahl gegen Wadenkrämpfe jedoch sind Magnesium und Chininsulfat:

Magnesium – Magnesium dämpft die Erregbarkeit der Muskeln. Wer unter Magnesiummangel leidet, sollte den Mineralstoff hochdosiert einnehmen mit mindestens 360 Milligramm pro Tag. Nach ein bis zwei Wochen dürften die Magnesiumspeicher dann wieder aufgefüllt sein. Und keine Angst: Magnesium lässt sich kaum überdosieren. Was zu viel ist, schwemmt der Körper einfach mit dem Urin wieder nach draußen. Allerdings kann es bei einer Überdosierung zu Durchfall kommen.

Chininsulfat – ist bekannt als Fieber senkendes Mittel. Es ist verschreibungspflichtig, weil es häufig Nebenwirkungen auslösen kann, wie etwa Schwindel und in Einzelfällen auch Blutbildveränderungen. Allerdings löst der Wirkstoff Krämpfe zuverlässig auf, indem es den Botenstoff, der den Muskel verkrampfen lässt, einfach hemmt. Das Signal „verkrampfen“ kommt also nicht an.

Wadenkrämpfe verhindern mit der richtigen Ernährung und Muskeltraining

Wer täglich Nüsse isst, morgens Haferflocken und öfter mal Kartoffeln, versorgt sich in der Regel mit viel Magnesium. Denn diese drei Lebensmittel enthalten besonders viel von dem Mineralstoff. Daneben gibt es auch einige Mineralwässer, die ebenso gute Magnesiumlieferanten sind (Liste der Inhaltsstoffe beachten).

Neben der Versorgung mit magnesiumreichen Lebensmitteln sollten Sie aber im Gegenteil auch solche meiden, die viel Phosphat enthalten und deshalb „Magnesiumräuber“ sind. Dazu gehören vor allem Fertiggerichte und Fast Food (Fischstäbchen, Wurst, Cheeseburger, Gebäck mit Backpulver aber auch Cola). Phosphat ist mit den E-Nummern E339, E340, E341, E450, E451, E452 gekennzeichnet.

Aktiv gegen Krämpfe können Sie auch mit Muskeltraining vorgehen. Dehnen Sie tagsüber öfter mal Ihre Waden. Stellen Sie sich dazu aufrecht hin, strecken Sie die Knie durch und wippen Sie von den Zehen zur Ferse und umgekehrt. Stellen Sie sich dann vor eine Wand, grätschen Sie die Beine etwas und legen Sie die Hände flach neben dem Kopf an die Wand. Drücken Sie sich mit den Hände 20 mal von der Wand weg und wieder zurück, dehnen Sie dabei Ihre Wadenmuskulatur (Wandliegestütze). Setzen Sie sich dann hin und kreisen Sie mit den Fußgelenken nach innen und außen.

Quellen: Leitlinien Muskelkrampf, Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Autor: Monika Preuk