Gesund leben
Sonnenallergie

Typisch Sonnenallergie: Kurz nach dem Sonnenbad entzündet sich die Haut, rote Stellen und Pusteln bilden sich. Foto © iStock, AzmanL

Symptome & Arten

Sonnenallergie – erkennen, behandeln & vorbeugen

  • Artikel vom 03. August 2017

Vor allem Frauen zwischen 20 und 30 reagieren auf ein Sonnenbad häufig mit juckendem Ausschlag. Was Sie bei Sonnenallergie tun können und wie Sie vorbeugen, auch bei Kindern.

Sonnenbrand ist jedem ein Begriff. Die Haut wird rot, brennt und nach wenigen Tagen schält sie sich. Doch es gibt eine zweite schädliche Wirkung der Sonne auf unser größtes Organ, die nicht so bekannt ist, obwohl sie häufig auftritt: Statt sich zu bräunen, reagiert die Haut mit Ausschlag und/oder Schwellung. "Sonnenallergie" lautet dann die Diagnose.

Rund ein Siebtel der Bevölkerung sind von dieser Unverträglichkeit auf UV-Strahlen betroffen, davon vor allem junge Frauen. Aber auch Kinder mit ihrer empfindlichen Haut sind gefährdet, eine Sonnenallergie zu bekommen.

Sonnenallergie – erste Hilfe

Typisch für eine Sonnenallergie: Wenige Stunden nach dem Sonnenbad treten Hautveränderungen auf wie Ausschlag, Schwellung oder auch starker Juckreiz. Rasche Linderung ist dann nötig. Was Sie tun können:

• Meiden Sie unbedingt direktes Sonnenlicht
• Machen Sie einen Wickel mit kühlem Quark, Joghurt oder Buttermilch – diese Milchprodukte kühlen und wirken sanft gegen Entzündung
• Salben, Lotionen und Gels mit Antihistaminika, die es frei verkäuflich in der Apotheke gibt

Bessern sich dadurch die Beschwerden bis zum nächsten Tag nicht oder nehmen sogar zu, sollten Sie zum Arzt gehen. Denn hinter dem, was wir umgangssprachlich als Sonnenallergie bezeichnen, verstecken sich verschiedene Krankheiten.

Verschiedene Krankheiten: Anzeichen und Behandlung

Was wir allgemein als Sonnenallergie bezeichnen, ist der Oberbegriff für mehrere Hauterkrankungen durch die Sonne. Um eine echte Allergie handelt es sich dabei nur in den seltensten Fällen. Drei unterschiedliche Krankheiten werden umgangssprachlich als Sonnenallergie bezeichnet.

Polymorphe Lichtdermatose

Die häufigste Form der Sonnenallergie ist die Polymorphe Lichtdermatose (PLD), auch Sonnenekzem genannt. Dabei steht das griechische Wort polymorph für vielgestaltig und Dermatose für Hauterkrankung.

Die Symptome: An den Stellen, die besonders viel UV-Strahlung abbekommen haben, bilden sich oft schon zwei Stunden nach dem Sonnenbad juckende, rote Flecken, danach Knötchen und Bläschen.

Die Ursachen: Noch nicht exakt bestimmt, aber vielleicht bildet der Körper unter dem Einfluss von UV-Strahlung in der Unterhaut bestimmte Moleküle, die das Immunsystem irritieren und deshalb zu allergischen Reaktionen führen. Eine andere Hypothese geht davon aus, dass die Bildung von freien Radikalen in der Haut angeregt wird. Die aggressiven Sauerstoffmoleküle reagieren mit den Hautzellen – die Folge ist juckender Ausschlag.

Die Behandlung: Meist helfen entzündungshemmende Cremes, etwa mit Hydrocortison oder Kortison.

Phototoxische Dermatitis und Mallorca-Akne

Dabei handelt es sich nach der PLD um die zweithäufigste Form der Sonnenunverträglichkeit.

Die Symptome: roter, brennender Ausschlag am ganzen Körper oder nur an einigen Stellen. Das hängt davon ab, welche Ursache die Phototoxizität hat.
Die Ursachen: Fest steht, dass hier die Hautveränderungen durch eine chemische Reaktion der UV-Strahlen mit einem anderen Stoff hervorgerufen werden. Das können etwa Bestandteile bestimmter Medikamente sein. So können etwa manche Antibiotika, Entwässerungsmittel und Herzmedikamente eine phototoxische Reaktion hervorrufen (Warnung befindet sich auf den Beipackzetteln). Auch Substanzen in Gräsern (Furocumarine) können der Auslöser sein, wenn Sie beim Sonnenbad mit nackter Haut auf einer Wiese lagen. Dann bilden sich auf der Haut entsprechend der Gräserform rote Streifen. Nicht zuletzt können Inhaltsstoffe in Kosmetika und Sonnenschutzmitteln – vor allem Fett – auf Dekolleté, Gesicht, Armen und Händen unter dem Einfluss von UV-Strahlen Pusteln und Pickelchen hervorrufen. Diese Form der Phototoxischen Dermatitis bezeichnet man als Mallorca-Akne.

Die Behandlung: Vermeiden Sie UV-Strahlen strikt. Kühlen Sie die Ausschläge, benutzen Sie Salben mit Antihistaminika, die es rezeptfrei in Apotheken gibt. Falls Sie vermuten, dass Medikamente eine Rolle spielen, setzen Sie diese bitte nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie möglichst rasch mit Ihrem Arzt! Handelt es sich vermutlich um Mallorca-Akne, verwenden Sie unbedingt parfum- und fettfreie feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte, bis der Ausschlag abgeklungen ist.

Lichturtikaria (Urticaria solaris)

Diese Form der Sonnenallergie ist zwar sehr selten, aber für den Betroffenen besonders unangenehm bis gefährlich. Die Ursache für diese ausgeprägte Überempfindlichkeit auf UV-Strahlen ist noch unbekannt.

Die Symptome: Zuerst schwillt die Haut stellenweise leicht an, dort, wo UV-Strahlung aufgetroffen ist. Dann röten sich die Stellen, werden rasch dicker. Juckende Quaddeln entstehen und können sich über den ganzen Körper ausbreiten. Im Extremfall kommt es zu einem anaphylaktischen Schock mit Kreislaufversagen und Lebensgefahr. Die Symptome treten bereits Minuten nach dem ersten Kontakt mit Sonnenlicht auf. Bei manchen Menschen bleibt diese Überempfindlichkeit über Jahre und sie müssen Tageslicht meiden. Prominentestes Opfer ist Hannelore Kohl. Bei anderen verschwindet die UV-Unverträglichkeit einfach wieder nach einiger Zeit. Warum, ist ebenfalls unbekannt.

Behandlung: Bei Verdacht auf Lichturtikaria auf jeden Fall zum Arzt gehen, der eine entsprechende Therapie einleiten wird. Dazu gehören anfangs verschreibungspflichtige Entzündungshemmer wie hochdosiertes Kortison, um die zugrundeliegende überschießende Immunreaktion zu stoppen.

Wie der Arzt Sonnenallergie behandelt

Bei jeder Form der Sonnenallergie stehen dem Arzt Antihistaminika und Kortison zur Verfügung. Meist reicht lokale Behandlung, also Cremes, Salben und Lotionen, die diese Wirkstoffe oder auch Zink enthalten. In fast allen Fällen klingen die Hautveränderungen damit auch wieder ab. Bei starken Beschwerden wird Kortison als Tablette oder sogar Injektion verabreicht – wie etwa bei der Lichturtikaria.

Ist die Sonnenallergie stark ausgeprägt oder handelt es sich dabei um Lichturtikaria, empfehlen Dermatologen nach Abklingen der Hautveränderungen die Phototherapie, sozusagen als Abhärtung oder Hardening. Dabei erhalten die Patienten über Wochen hinweg regelmäßig künstliche Ganzkörperbestrahlung, die anfangs sehr gering dosiert ist und sich langsam steigert. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper langsam an UV-Licht und verträgt später auch natürliches Sonnenlicht wieder besser.

Doch Vorsicht! Vorbräunen auf der Sonnenbank erzeilt diesen Effekt nicht, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund warnt. Denn die meisten Apparate arbeiten nur mit UV-A-Strahlen um die Haut zu bräunen. Diese künstliche Bräune schützt jedoch nicht vor Sonnenschäden wie Sonnenallergie, wenn Sie danach Ihre Haut echtem Sonnenlicht mit UV-A- und UV-B-Strahlen aussetzen

Sonnenallergie vorbeugen

Meist tritt die Sonnenallergie dann auf, wenn die Haut noch nicht an die UV-Strahlung gewöhnt ist – also im Frühjahr, oder im Winter-Urlaub in den Tropen. Außer bei der Lichturtikaria hat sich die Haut dann nach ein bis zwei Schüben meist an die Sonne gewöhnt. Besser ist es auf jeden Fall jedoch, gezielt vorzubeugen. Mit diesen Vorbeugemaßnahmen kann es gelingen, PLD, Phototoxische Dermatitis und Mallorca-Akne zu verhindern:

• Ernährung mit Lebensmitteln, die reich an Beta-Carotin und Kalzium sind. Beide Vitalstoffe können die Bereitschaft, eine Sonnenallergie zu entwickeln, bremsen. Reich an Beta-Carotin sind Karotten, Spinat, Mangos und Süßkartoffeln. Gute Kalziumspender sind Milchprodukte und darunter vor allem Hartkäse.
• Gehen Sie zu Beginn der warmen Jahreszeit nur selten in die direkte Sonne. Vermeiden Sie auch später im Jahr ausgiebige Sonnenbäder – damit schützen Sie sich auch vor Falten und Hautkrebs.
• Tragen Sie im Freien einen breitkrempigen Sonnenhut, sinnvoll sind auch Textilien mit UV-Schutz.
• Halten Sie sich am besten im Schatten auf. Verzichten Sie aber auch dabei nicht auf Sonnencreme: Bis zu 90 Prozent der UV-Strahlen können uns durch die Baumkronen erreichen.
• Benutzen Sie im Sommer täglich Creme mit Lichtschutzfaktor, egal ob Sie ins Büro gehen oder an den Strand – gleich morgens nach der Hautpflege auf alle Bereiche auftragen, die dem Licht ausgesetzt sein könnten – vor allem Gesicht, Dekolleté, Arme, Hände, Beine.
• Thema Sonnencreme: Wer zu Sonnenallergie neigt, sollte Produkte mit LSF 30 bis 50 benutzen, sie sollten vor UVA- und UVB-Strahlen schützen, keine Duft- und keine Konservierungsstoffe enthalten.
• Wichtig für Kinder: Babys unter einem Jahr sollten überhaupt keine direkte Sonnenstrahlung abbekommen. Und auch Kinder bis zum Schulalter sind noch extrem lichtempfindlich, können rasch Sonnenbrand und Sonnenallergie entwickeln. Also am besten nur im Schatten spielen lassen, Hütchen und UV-Schutz-Kleidung tragen und Sonnencreme mit LSF 50 benutzen, spezielle Produkte für Kinder gibt es in Apotheken.

Quellen: Informationen der Hautklinik Erlangen, Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur UV-Phototherapie und Photochemotherapie, Stand 2015; Informationen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Autor: Monika Preuk