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Mundgeruch

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Ursachen und Hilfen

Mundgeruch • Frische Tipps gegen schlechten Atem

  • Artikel vom 18. Januar 2019

Meist liegt der Auslöser für Mundgeruch auf der Zunge und nicht im Magen. Alles über Ursachen von schlechten Atem und was man dagegen unternehmen kann – mit praktischen Tipps!

Weil niemand gerne über Mundgeruch spricht, kann er Betroffene sogar zu Außenseitern machen. Dabei liegt der Auslöser meist auf der Zunge und könnte einfach behoben werden. Ein guter Grund, sich jetzt über seine Ursachen zu informieren.

Eigentlich ist unser Atem ja geruchlos. Doch es gibt tatsächlich Situationen, da wird das Ausatmen von einem unangenehmen Gestank begleitet. Das Problem dürfte den meisten Menschen bekannt vorkommen, denn laut Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK) leidet etwa 25 Prozent der Bevölkerung unter Mundgeruch.

Mundgeruch von Kaffee, Knoblauch & Co.

Dass der Konsum von Alkohol, Kaffee und Knoblauch zu schlechtem Atem führt, hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. Auch, dass bei Hunger ein Azeton-Geruch entsteht, weil man zu lange nichts gegessen hat, werden viele kennen. In solchen Fällen sprechen Ärzte allerdings nicht von einer echten und krankhaften Halitosis, wie das Phänomen in der Fachsprache heißt. Der schlechte Atem ist lediglich eine harmlose und nicht behandlungsbedürftige Erscheinung, die von selbst wieder verschwindet.

Problematisch und für Betroffene mit einem hohen Leidensdruck verbunden, wird Mundgeruch dann, wenn seine Intensität aus anderen Gründen über der sozial verträglichen Akzeptanz liegt. Ein Sonderfall ist die äußerst seltene Halitophobie, bei der Menschen ihren Atem als abstoßend empfinden, obwohl objektiv gar kein Geruch wahrnehmbar ist. Patienten leiden hierbei unter einer regelrechten Angst davor, ihre Mitmenschen mit dem eigentlich nicht existierenden Geruch zu belästigen.

Mundgeruch kann man selbst nicht riechen

Mit echtem Mundgeruch verhält es sich hingegen anders: Der Betroffene merkt oft gar nicht, dass er darunter leidet. Denn die Krux ist folgende: Da unsere Nase sich stets an unseren eigenen Geruch gewöhnt, können wir den schlechten Atem nicht selbst riechen. Daher liefert der Test, in die eigene Hand zu hauchen und daran zu schnuppern, überhaupt kein interpretierbares Ergebnis.

Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e.V. empfehlen, die Scheu vor dem Thema zu überwinden und die Mitmenschen vorsichtig und unter vier Augen auf das sensible Thema anzusprechen. Haben sich Betroffene nämlich erst einmal untersuchen lassen und sind die Ursachen bekannt, ist das Geruchsproblem oft schnell aus der Welt.

Ursachen für Mundgeruch – meist ein Fall von mangelnder Mundhygiene

Die Schuld für schlechten Atem wird häufig dem Magen in die Schuhe geschoben. Dabei kann dieses Organ meistens wirklich rein gar nichts dafür. Tatsächlich ist es so, dass Mundgeruch in etwa 90 Prozent der Fälle von Bakterien in der Mundhöhle verursacht wird. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie ist in weniger als einem von zehn Fällen der Hals-Nasen-Ohren-Bereich für den Mundgeruch verantwortlich, der Magen-Darm-Trakt sogar noch viel seltener. In besonderen Fällen ist Mundgeruch ein Symptom für eine Allgemeinerkrankung – zum Beispiel eine Nierenstörung, Leberzirrhose oder eine Stoffwechselerkrankungen, wie ein schlecht eingestelltes Diabetesleiden.

Am häufigsten jedoch begünstigt eine unzureichende Zahnpflege die Entstehung von Mundgeruch. Denn bei mangelnder Mundhygiene fühlen sich Bakterien besonders wohl. Sie machen es sich am liebsten in den Vertiefungen der Zungenoberfläche bequem und produzieren beim Zersetzen von Nahrungsresten fleißig flüchtige Schwefelverbindungen als Stoffwechselendprodukt, die dann den üblen Geruch hervorrufen. Auch in anderen Nischen des Mundes treiben die Bakterien gerne ihr Unwesen und begünstigen so auch die Entstehung von Parodontitis, einer Entzündung des Zahnhalteapparates. Aus diesem Grund kann Mundgeruch ein mögliches Anzeichen für diese Erkrankung sein. Fehlerhafte Brücken oder Kronen und ein ungepflegter Zahnersatz sind ebenfalls Risikofaktoren.

Mundgeruch ist also in erster Linie ein Fall für den Zahnarzt. Betroffene können ihre Sorgen ganz ohne Scham ansprechen, um passende Hilfe zu erhalten. Kann der Zahnarzt keine Ursache feststellen, ist möglicherweise ein anderer Facharzt gefragt: der Hals-Nasen-Ohren-Experte. Denn sowohl Nasennebenhöhlenentzündungen als auch Mandel- oder Rachenentzündungen können als Ursache für Mundgeruch verantwortlich sein.

"Da bleibt einem ja die Spucke weg" – Risikofaktoren für Mundgeruch

In Stresssituationen bleibt einem wortwörtlich die Spucke weg. Plötzlich wird der Mund trocken und ein unangenehmer Geruch macht sich bemerkbar. Warum das so ist? Mundtrockenheit ist ein begünstigender Faktor für Mundgeruch, weil die Bakterien jetzt leichtes Spiel haben. Die Speichelproduktion hat nämlich einen großen Einfluss auf das Geschehen in unserem Mund. Wir brauchen den Speichel, um Nahrungsreste und Bakterien aus der Mundhöhle zu spülen. Aus diesem Grund riecht übrigens auch der morgendliche Atem schlecht: In der Nacht wurde einfach weniger Speichel produziert.

Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten, die abnehmende Speichelproduktion im Alter oder der Verzicht auf Essen beim Fasten können zu einem trockenen Mund und somit zu Mundgeruch führen. Selbst ganz banale Alltagsangelegenheiten, wie zu viel reden, zu wenig trinken, schnarchen oder das Schlafen mit offenem Mund können Mundgeruch verursachen.

Was tun gegen Mundgeruch? Praktische Tipps, um ihn loszuwerden

Sollten länger Beschwerden bestehen, gilt es zuerst, den Zahnarzt aufzusuchen und ihn um die Abklärung der Ursache zu bitten. In der Regel führen Maßnahmen für eine gute Zahnhygiene schon zum Erfolg, wenn der Auslöser wie so häufig im Mundraum angesiedelt ist.

Regelmäßig Zähneputzen:
Um den Bakterien im Mund an den Kragen zu gehen, miesen Geruch und auch die Entstehung von Krankheiten zu vermeiden, sind sich die Experten einig: Zwei Mal am Tag Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta muss sein! Außerdem wird empfohlen, einmal am Tag die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten zu reinigen.

Zungenreiniger verwenden:
Viele Menschen schenken beim Zähneputzen lediglich den Beißerchen ihre Beachtung. Dabei ist es für die Mundhygiene ebenfalls wichtig, die Zunge zu säubern. Dazu gibt es Zungenreiniger, mit denen sie von hinten nach vorne abgebürstet wird, um sie von Bakterien zu befreien.

Zahnersatz pflegen:
Auch für Prothesenträger gilt: Pflege ist wichtig! Für herausnehmbaren Zahnersatz gibt es spezielle Bürsten und weitere Pflegeprodukte. Es empfiehlt sich eine Beratung, die genau auf den Zahnersatz zutrifft.

Mundspülungen bei Bedarf einsetzen:
Vor allem Mundspülungen mit dem Wirkstoff Chlorhexidin werden häufig gegen Mundgeruch eingesetzt. Ob die Verwendung sinnvoll ist und über welchen begrenzten Anwendungszeitraum Mundspülungen durchgeführt werden sollen, wird am besten vorab mit dem Zahnarzt besprochen – dazu rät die Initiative proDente e.V.

Kontrolltermine einhalten:
Damit der Zahnarzt Erkrankungen frühzeitig feststellen und behandeln kann, sollte ihm zwei Mal im Jahr ein Besuch abgestattet werden. Der Experte erkennt sofort, ob es den Zähnen gut geht oder ihnen Gefahr durch Bakterienangriffe droht.

Professionelle Zahnreinigungen durchführen lassen:
Der Zahnarzt verfügt über Equipment, das selbst hartnäckigen Belägen den Kampf ansagt und bei denen unsere haushaltsüblichen Zahnbürsten keine Chance haben. Eine professionelle Zahnreinigung kann die Gesunderhaltung auf diese Weise optimal unterstützen.

Zahnfreundlich ernähren:
Eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit wenig Zucker tut dem ganzen Körper gut – und auch unserem Mund- und Rachenraum. Dazu gehört auch, über den Tag verteilt ausreichend Wasser zu trinken, um durch die Flüssigkeitsaufnahme den Speichelfluss zu unterstützen. Zwei bis zweieinhalb Liter sollten es täglich sein.

Nach dem Essen Kaugummi kauen:
Ein zuckerfreier Kaugummi kann Bakterien zwar nicht unschädlich machen und das Zähneputzen nicht ersetzen, er regt aber die Speichelproduktion an und beugt Ablagerungen vor. Nach einer Mahlzeit ist er also ein guter Helfer, auf dauerhaftes Kaugummikauen sollte allerdings verzichtet werden.

Hilfe für Betroffene mit Mundgeruch

Mundgeruch wird leider viel zu oft als Tabuthema behandelt. Deshalb haben es sich verschiedene Verbände und Gesellschaften zum Ziel gemacht, Betroffene besser aufzuklären und ihnen leichtere Lösungen anzubieten. Den Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) e. V. können Sie sich hier kostenlos herunterladen.
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e. V. (DGZMK) hat hier Ansprechpartner aus ganz Deutschland aufgelistet, die auf die Behandlung von Mundgeruch spezialisiert sind. Und bei proDente e.V., einer Initiative aus fünf unterschiedlichen Verbänden wie der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), gibt es viele Informationen, Tests, Checklisten und eine Zahnarztsuche.

Autor: Viola Booth