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Mandelentzündung / Foto © iStock, bgton

Bei einer Mandelentzündung schwellen die Mandeln an. / Foto © iStock, bgton

Tonsillitis

Mandelentzündung – mehr als nur Halsschmerzen

  • Artikel vom 08. Februar 2017

Mandelentzündungen sind ansteckend und treffen vor allem Kinder. Welche Hausmittel sinnvoll sind und wann chronische Mandelentzündung krank machen kann.

Mandelentzündungen grassieren vor allem im Winter, meist im Rahmen einer Erkältung. In der Regel sind die medizinisch Tonsillitis oder Angina tonsillaris genannte Infektionen eher harmlos. Doch vor allem bei kleinen Kindern kann die Mandelentzündung einen Krankenhausaufenthalt nötig machen. Das war etwa im Jahr 2013 immerhin 56.000 Mal der Fall, wie die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde betont.

Mandeln bilden das Frühwarnsystem des Körpers

Wird von Mandelentzündung oder einfach nur Angina gesprochen, ist eine Entzündung der Gaumenmandeln gemeint. Diese liegen auf der rechten und linken Seite des Rachens hinter dem Gaumenzäpfchen. Die lymphatischen Organe sind mit unzähligen Abwehrzellen besetzt. Auch wenn die Mandeln nur einen geringen Umfang haben, ist ihre Oberfläche und damit die Anzahl der Immunzellen so groß, weil die Organe von vielen Gängen durchzogen sind.

Diese Abwehrzellen fangen Krankheitserreger, Allergene und Schadstoffe ab, bevor diese Schädlinge tiefer in den Körper eindringen können und etwa die Lunge belasten. Dabei produzieren die Mandeln selbst Antikörper, die Krankheitserreger unschädlich machen. Gemeinsam mit Rachen-, Tuben- und Zungenmandeln bilden die Gaumenmandeln eine wichtige Abwehrbarriere (lymphatischer Rachenring).

Symptome und Dauer der Mandelentzündung

Für das Vorliegen einer Mandelentzündung sprechen folgende Anzeichen:

• plötzliche, starke Halsschmerzen mit Fieber
• Schluckbeschwerden durch die entzündeten, geschwollenen Mandeln
• bei bakteriellen Infektionen: gelblich-weißer Belag auf den Mandeln; die punktförmigen Eiteransammlungen werden auch Stippchen genannt
• Mundgeruch
• Kopfschmerzen
• Abgeschlagenheit
• druckempfindliche Lymphknoten zu beiden Seiten des Halses

Bei einer akuten Mandelentzündung dauert es in der Regel zwei Wochen, bis diese Symptome abgeklungen sind. Im Gegensatz dazu spricht der Arzt von einer chronischen Mandelentzündung, wenn die Krankheit entweder
länger als drei Monate anhält oder mehrmals pro Jahr auftritt

Ursachen für Mandelentzündung sind Viren oder Bakterien

Oft sind Viren die Auslöser einer Tonsillitis. Erkältungserreger wie Rhino-, Corona- oder Adenoviren können den Rachen und die Gaumenmandeln befallen. Auch Grippeviren haben dieses Potenzial.

Oft schwächen die Krankheitserreger die lokalen Abwehrkräfte dermaßen, dass sich außerdem Bakterien vermehren können. Kommt zu der viralen Infektion eine bakterielle hinzu, spricht man von einer Superinfektion.

Meist handelt es sich bei den Bakterien, die zu einer Mandelentzündung führen, um Streptokokken. Diese Bakterien befinden sich normalerweise auf unserer Hautoberfläche, den Schleimhäuten und dem Darm. Ist das Immunsystem geschwächt, können sich die Bakterien rasant vermehren und Infektionen wie die eitrige Mandelentzündung auslösen.

Nicht immer ist allerdings eine Erkältung schuld. Eine Mandelentzündung kann etwa auch im Rahmen von Scharlach, Diphtherie, Pfeifferschem Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus, Mononukleose), Syphilis oder Tripper auftreten.

Hohe Ansteckungsgefahr bei Mandelentzündung

Sowohl Viren als auch Bakterien werden bei einer Mandelentzündung per Tröpfcheninfektion übertragen. Beim Sprechen, Niesen und Husten gelangen die Erreger in die Luft. Auch über gemeinsam benutztes Besteck und Tassen/Gläser können Sie sich mit Angina anstecken. Die Ansteckungszeit (Inkubationszeit) beträgt etwa ein bis vier Tage.

Komplikationen bei Angina – Abszess und Rheuma

Schon die ersten Anzeichen, die auf eine Mandelentzündung hinweisen, sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Das gilt vor allem für Babys und Kleinkinder, aber auch Senioren und chronisch kranke Menschen etwa mit Asthma oder COPD.

Meist verläuft eine akute Mandelentzündung zwar unproblematisch. Manchmal kann es jedoch zu Komplikationen kommen. Dazu zählen:

• Nasennebenhöhlenentzündung
• Mittelohrentzündung
• Abszess, wenn sich die Bakterien rapide vermehren und in einer Kapsel sammeln (Peritonsillarabszess)
• Blutvergiftung (Sepsis)
• Herzmuskelentzündung
• Rheumatisches Fieber: Wenige Wochen nach der Mandelentzündung können die Gelenke anschwellen und sich entzünden

Diese Risiken bestehen vor allem dann, wenn die Mandelentzündung nicht richtig behandelt und ausgeheilt wird.

Mandelentzündung – die beste Behandlung

Je nachdem, wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, ob hohes Fieber auftritt, die Mandeln stark angeschwollen sind oder zusätzlich eitrige Beläge aufweisen, wird der Arzt die entsprechende Behandlung einleiten.

Sind Bakterien die Ursache der Angina (erkennbar unter anderen an den Stippchen), verordnet er je nach Schweregrad entsprechende Antibiotika, etwa Penicillin. Auch wenn damit meist bereits nach 48 Stunden die Beschwerden so gut wie verschwunden sind, sollten die Medikamente nach Anweisung des Arztes weiter eingenommen werden, um einen Rückfall und Resistenzen zu vermeiden.

Sind die Krankheitssymptome weniger ausgeprägt oder handelt es sich um eine virale Infektion, empfiehlt der Arzt verschiedene Maßnahmen, die alle darauf abzielen, die Symptome zu lindern. Das sind für die ersten zwei bis drei Tage vor allem schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente wie Ibuprofen. Auch Lutschbonbons und Pastillen gegen Halsschmerzen, Sprays und Gurgellösungen aus der Apotheke helfen dabei, die Schluckbeschwerden zu lindern.

Bettruhe und verschiedene Hausmittel unterstützen die Abwehrkräfte, damit sie die Mandelentzündung erfolgreich bekämpfen können.

Die besten Hausmittel bei Mandelentzündung

Bewährt haben sich folgende Hausmittel:

• warmen Tee in kleinen Schlucken trinken, etwa Salbei- oder Kamillentee
• Zwiebeltee aus einer fein gewürfelten Zwiebel und einem Viertelliter Wasser bereiten, diesen dreimal täglich warm trinken
• den Hals mit einem Schal oder einem warmen Wickel warm halten
• Gurgeln mit Salzlösung oder Salbeitee
• Lauwarmes Honigwasser beruhigt den Rachen
• Auch mit lauwarmem Wasser verdünnter Apfelessig, gesüßt mit etwas Honig, ist eine natürliche Gurgellösung bei Halsschmerzen
• 250 Gramm Quark, den Sie erwärmen und auf ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch streichen, ergibt einen Halswickel.
• Sinnvoll ist auch ein Kartoffelwickel. Zerdrücken Sie dafür fünf gekochte, heiße Kartoffeln auf einem Tuch und wickeln Sie es um den Hals.

Mandeln entfernen – wann ist die Operation sinnvoll?

Besonders, wenn ihr Kind eine schwere Mandelentzündung überstanden hat oder bereits mehrmals an Angina litt, fragen sich viele Eltern, ob es nicht besser sei, die Mandeln entfernen zu lassen. Früher rieten Ärzte in diesen Fällen schnell zur Operation (Tonsillektomie). Doch weil es bei rund fünf Prozent der Operierten zu Nachblutungen kommt, die vor allem für Kleinkinder gefährlich sind, und noch Wochen nach der Operation starke Schmerzen quälen können, hat die Zahl der Mandeloperationen deutlich abgenommen.

Heute werden die Tonsillen in der Regel nur dann entfernt, wenn bei einem Kind fünf oder mehr Mandelentzündungen innerhalb von zwei Jahren aufgetreten sind. Aber auch Antibiotika-Allergien oder ein Mandelabszess gelten als Argumente für die Tonsillektomie. Bei Erwachsenen wird individuell entschieden.

Nach der Entfernung der Mandeln sind viele Eltern besorgt, dass ihr Kind dadurch wesentlich anfälliger für Infekte wie Bronchitis oder Lungenentzündung wird – die Mandeln können ja keine Krankheitserreger mehr abfangen. Diese Angst ist jedoch unbegründet, denn Rachen- und Tubenmandeln kümmern sich weiterhin um eine gute Abwehr. Insgesamt wird das Immunsystem durch die Entfernung der Mandeln nicht geschwächt. Dies gilt vor allem dann, wenn die Operation erst ab dem zwölften Lebensjahr durchgeführt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist das Immunsystem ausgereift und kann auch ohne Gaumenmandeln gut funktionieren.

Quellen: Leitlinien Tonsillitis, Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie; Berufsverband der HNO-Ärzte

Autor: Monika Preuk