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Magenschleimhautentzündung / Foto © iStock, AndreyPopov

Eine Magenschleimhautentzündung verursacht oft starke Schmerzen. / Foto © iStock, AndreyPopov

Gastritis

Magenschleimhautentzündung – Magenschmerzen sind nur ein Symptom

  • Artikel vom 08. März 2017

Magenschleimhautentzündung ist die häufigste Erkrankung des Magens. Welche Rolle Helicobacter pylori dabei spielt, wie Säureblocker helfen und weshalb Magenkrebs entstehen kann.

Vor allem nach dem Essen entstehen drückende, krampfartige Magenschmerzen: ein typisches Anzeichen für Magenschleimhautentzündung, medizinisch Gastritis. Zu den weiteren Symptomen zählen:

• Rückenschmerzen (Magenschmerzen strahlen nach hinten aus)
• Übelkeit
• Erbrechen
• Appetitlosigkeit
• Völlegefühl
• Sodbrennen
• druckempfindliche Magenregion

Ursachen der akuten Magenschleimhautentzündung – von Alkohol bis Zigaretten

Auslöser einer akuten Gastritis können sein:

• verdorbenes Essen (Lebensmittelvergiftung)
• zu große Mengen an Essen, dabei vor allem Fett und Zucker
• scharfe Gewürze
• Reizstoffe wie Kaffee, Nikotin, Alkohol
• manche Medikamente (etwa Schmerzmittel, die die Magenschleimhaut schädigen können, wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, aber auch Kortison)

Diese Stoffe reizen und schädigen die Magenschleimhaut. Infolgedessen kann die ätzende Magensäure bis zur Magenwand durchdringen und dort zu Entzündungen führen. Werden die Auslöser gemieden und der Magen geschont, heilt diese Form der Gastritis oft nach wenigen Tagen aus. Der Heilungsprozess kann aber auch Wochen andauern.

Ursachen der chronischen Magenschleimhautentzündung – Magenkeim Helicobacter pylori

Doch nicht immer sind die Symptome einer Gastritis so stark ausgeprägt. Die chronische Magenschleimhautentzündung löst kaum Beschwerden aus und bleibt oft unentdeckt, bis schwere Schäden eintreten. Jeder zweite der über 50-Jährigen in den westlichen Industrienationen leidet unter dieser Form der Gastritis.

Ursache der chronischen Entzündung ist meist der Magenkeim Helicobacter pylori (H. pylori). Das Bakterium nistet sich unter der Magenschleimhaut ein und vermehrt sich dort. In diesem Bereich sind die Erreger weitgehend vor der aggressiven Magensäure geschützt, die normalerweise Keime verlässlich vernichtet. Zusätzlich neutralisiert H. pylori Magensäure und schützt sich auf diese Weise. Der Keim bildet außerdem Giftstoffe, die die Magenschleimhaut langsam zerstören. Ein Magengeschwür (Ulkus) oder sogar Magenkrebs kann auf diese Weise entstehen.

Ist H. pylori ansteckend?

Wie man sich mit dem Magenkeim infizieren kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich stammen die Bakterien aus Fäkalien und gelangen mit verunreinigten Lebensmitteln in den Körper. Ob die Ansteckung über Schleimhäute, also etwa beim Küssen möglich ist, steht noch nicht fest.

Die Entdeckung des Magenkeims ist relativ neu. Im Jahr 2005 erhielt das australische Forscher-Duo Robin Warren und Barry Marshall dafür den Nobelpreis für Medizin. Warren hatte Helicobacter pylori im Jahr 1979 als erster identifiziert, Marshall bewies danach in einem beeindruckenden Selbstversuch die zerstörerische Wirkung des Keims auf den Magen.

Formen der chronischen Magenschleimhautentzündung und Autoimmungastritis

Doch auch eine Autoimmunerkrankung kann Ursache der chronischen Gastritis sein. Dann greifen Antikörper, die der Organismus selbst bildet, die Magenschleimhaut an, als wäre sie eine Krankheit.

Die chronische Magenschleimhautentzündung wird entsprechend ihrer Auslöser in verschiedenen Formen eingeteilt: nach A, B und C:

Typ-A-Gastritis oder Autoimmungastritis, kommt nur in fünf Prozent der Fälle vor.

Typ-B-Gastritis oder Helicobacter-pylori-Gastritis steht für 85 Prozent der Erkrankungen und ist damit die häufigste Form der chronischen Magenschleimhautentzündung.

Typ-C-Gastritis oder chemisch bedingte Magenschleimhautentzündung, Auslöser sind chemische Substanzen, vor allem aus Medikamenten. Rund zehn Prozent der Fälle entsprechen dem Typ C.

Diagnose – oft ist eine Magenspiegelung unumgänglich

Gerade bei einer akuten Magenschleimhautentzündung kann der Arzt bereits aus der Beschreibung der Beschwerden und dem Bericht, was gegessen, getrunken und eingenommen wurde, eine Diagnose stellen. Um andere Ursachen auszuschließen, ist eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs sinnvoll. Denn auch Erkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Galle können Symptome hervorrufen, die einer Gastritis ähneln.

Bestehen die Beschwerden länger, bringt die Magenspiegelung (Gastroskopie) Sicherheit. Dazu müssen Sie nüchtern sein. Unter leichter Schlummernarkose führt der Gastroenterologe einen winzigen, flexiblen Schlauch (Endoskop) durch den Mund über die Speiseröhre und den Magen bis zum Zwölffingerdarm. Kamera und Miniinstrumente an der Spitze des Schlauchs erlauben dem Arzt einen exakten Blick auf den Zustand der Organe. Zusätzlich werden Gewebeproben (Biopsie) genommen.

Anhand dieses Materials kann im Labor festgestellt werden, ob eine Gastritis vorliegt und Helicobacter pylori nachweisbar ist. Die Magenspiegelung dauert in der Regel nur zehn Minuten. Falls nicht zusätzlich der Rachen mit einem Spray betäubt werden musste – was heute nur noch selten nötig ist, weil das Endoskop immer dünner und weicher wird – darf gleich danach gegessen werden. Richten Sie sich dabei genau nach der Anweisung des Arztes.

Akute Gastritis – zur Behandlung gehört vor allem Ruhe

Wenn verdorbenes Essen die Ursache der Magenschleimhautentzündung ist, reichen oft schon abwarten, ruhen und Tee trinken. Kommt die Gastritis durch Medikamente, sollten Sie in Absprache mit dem Arzt auf andere Wirkstoffe ausweichen oder zusätzlich Medikamente einnehmen, die die Magenschleimhaut schützen.

Hausmittel gegen akute Gastritis:

• Fasten Sie ein bis zwei Tage, trinken Sie währenddessen viel, etwa stilles, nicht zu kaltes Wasser.

• Trinken Sie Kräutertee, der den Magen beruhigt, etwa Kamillentee oder Melissentee. Pfefferminze kann, muss aber nicht hilfreich sein (einfach ein paar Schlucke probieren).

• Trinken Sie warme Gemüsebrühe aus Kartoffeln und Karotten, nur wenig gesalzen.

• Beginnen Sie nach den Fastentagen mit etwas Zwieback, Haferschleim oder Nudel-Gemüsesuppe.

Sind die Beschwerden trotzdem sehr ausgeprägt, rät der Arzt zusätzlich zu Medikamenten. Bei starken Magenkrämpfen sind das etwa Spasmolytika, bei ausgeprägtem Brechreiz Antiemetika.

Säureblocker und andere Medikamente gegen chronische Gastritis

Hält die Gastritis schon länger an, wird der Arzt je nach Ursache Medikamente verschreiben.

Ist Helicobacter pylori Auslöser der Magenschleimhautentzündung, sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Wirkstoffe (Clarithromycin und Amoxicillin), die fünf bis sieben Tage lang eingenommen werden müssen. Die Antibiotika vernichten die Keime in der Regel für einen sehr langen Zeitraum, oft sogar für immer. Zusätzlich zu dieser Eradikations-Therapie sind Arzneimittel hilfreich, um die Produktion der Magensäure zu hemmen, damit die Schleimhautschäden schneller verheilen können. Es sind also in der Regel drei Medikamente nötig (Triple-Therapie), also zwei Antibiotika plus einen Magensäurehemmer.

Bei Gastritis, aber auch bei Reflux-Krankheit mit Sodbrennen können verschiedene Arzneimittel der Magensäure ihre Aggressivität nehmen:

Antazida – diese Medikamente neutralisieren die Magensäure. Sie enthalten Calciumcarbonat, Bicarbonat oder Hydroxid und sind sehr gut verträglich. Ihre Wirkung hält jedoch nur wenige Stunden an.

H2-Blocker (H2R-A) – diese Arzneimittel blockieren die Andockstellen von Botenstoffen, die unter anderem für die Produktion von Magensäure verantwortlich sind. H2-Blocker mit den Wirkstoffen Ranitidin, Nizatidin, Famotidin und Cimetidin bremsen die Magensäureproduktion bis zu 12 Stunden. H2-Blocker können zu Wechselwirkungen mit Blutgerinnungshemmern führen. Außerdem sollten sie in großem zeitlichen Abstand zu bestimmten Herzmedikamenten, Asthmamitteln und Antidepressiva eingenommen werden, weil sonst die Wirkung dieser Medikamente verstärkt oder verlängert werden kann.

Protonenpumpenhemmer oder Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) – blockieren ein Enzym, das die Bildung der Magensäure anregt. Die Wirkstoffe Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Rabeprazol oder Lansoprazol drosseln die Magensäureproduktion. Die Wirkung kann zwei und mehr Tage anhalten.

Vitaminmangel und Demenz durch Protonenpumpenhemmer?

Oft werden Protonenpumpenhemmer über Jahre hinweg eingenommen, etwa bei chronischem Sodbrennen mit Gastritisrisiko oder wenn man krankheitsbedingt dauerhaft auf Schmerzmittel angewiesen ist. Gerade bei hoher Dosierung und langer Anwendung können die hochwirksamen Säureblocker jedoch riskant sein. Darauf weisen einige Studien hin. Die Medikamente können demnach teilweise verhindern, dass der Körper manche Vitalstoffe, wie etwa Vitamin B12 richtig verwertet. Auch die Gefahr, Demenz zu entwickeln, könnte steigen, wie eine deutsche Studie offenlegt.

Langfristig sollten Säureblocker deshalb nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Um einen drohenden Vitaminmangel abzuwenden, können Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein.

Quellen: Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Gastritis und Ulkus, Berufsverband der Internisten

Autor: Monika Preuk