Gesund leben
Hexenschuss

Manchmal genügt eine "dumme" Bewegung ... / Foto © iStock, PeopleImages

Die besten Tipps und Übungen

Hexenschuss – Was tun gegen die Schmerzen?

  • Artikel vom 30. August 2017

Hexenschuss – jeder Zweite kennt den plötzlichen Rückenschmerz. Doch was verbirgt sich hinter der ungewöhnlichen Bezeichnung? Und was hilft wirklich?

Eine plötzliche Bewegung, ein Bücken oder Drehen, zu schnelles Aufstehen oder schweres Heben – schon schießt ein plötzlicher Schmerz in den Rücken. Im schlimmsten Fall kann man sich nicht mehr aufrichten, weil die Schmerzen zu heftig sind. Im besten und seltensten Fall legt sich der Schmerz bei langsamer Bewegung bald wieder und zurück bleibt nur ein leichtes Ziehen.

Hexenschuss – was ist das eigentlich und was sind die Ursachen?

Zunächst einmal ist der Hexenschuss, medizinisch Lumbago, keine eigenständige Krankheit, sondern bezeichnet das Beschwerdebild eines plötzlich einschießenden Rückenschmerzes. Die Bezeichnung stammt aus dem Mittelalter, als die Menschen glaubten, dass Krankheiten durch böse Geister, den Teufel oder Hexen ausgelöst werden könnten.

Was die Ursache betrifft, gibt es beim Hexenschuss eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Zugrunde liegt meist eine akute Verspannung der Rückenmuskeln. Es handelt sich nicht um einen Bandscheibenvorfall und es ist auch in der Regel kein Nerv eingeklemmt. Es entstehen also in den meisten Fällen keine dauerhaften negativen Folgen für die Gesundheit, es kommt nicht zu Organschäden oder gar Lähmungen.

Die schlechte Nachricht: Meist bleiben die (nicht selten sehr intensiven) Schmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen.

Symptome: typische Schmerzen und Schonhaltung

Die akute Verspannung kann in jedem Bereich des Rückens auftreten, besonders häufig sind Kreuz- und Lendenregion betroffen. Die verhärteten Muskeln verändern den Zug auf Sehnen, Bänder und Faszien. Die Schmerzen werden als

• stechend
• heiß
• bohrend
• ziehend

beschrieben.

Neben diesen typischen Schmerzen nehmen Lumbago-Patienten häufig eine Schonhaltung ein. Je nachdem, wo die Verspannung lokalisiert ist, können sie sich nicht mehr zur Seite drehen, nach vorne bücken oder gerade aufrichten. Allerdings zieht diese unnatürliche Haltung weitere Verspannungen nach sich.

Außerdem kann durch die Verspannung ein Gelenk blockieren, etwa eines der kleinen Iliosakralgelenke zwischen Kreuz und Becken, oder ein kleines Facettengelenk (Zwischenwirbelgelenk).

Ist die Wirbelsäule bereits etwas vorgeschädigt – etwa durch ständiges Sitzen, falsche Belastung oder Übergewicht – kann außerdem ein Nervenkanal eingeengt werden. Dann strahlen die Schmerzen beispielsweise in das Gesäß oder ein Bein aus, was bis in den Fuß spürbar sein kann.

Was bei Hexenschuss rasch hilft, welche Medikamente sinnvoll sind und welche nicht

Als erste Hilfe bei einem Hexenschuss eignet sich Stufenlagerung. Dazu legen Sie sich flach auf den Rücken. Die Unterschenkel positionieren Sie im 90-Grad-Winkel auf ein festes Polster, einen Stuhl oder Ähnliches. Die Stufenlagerung entspannt und entlastet die untere Wirbelsäule.

Weitere Erste-Hilfe-Tipps bei Hexenschuss:

• Den schmerzenden Rücken heiß abduschen, mit langsamen, kreisenden Bewegungen.

• Ein elektrisches Wärmekissen verbessert die Durchblutung in der verspannten Region ebenfalls und lockert die Muskeln.

• Wärmepflaster (Apotheke) auflegen

• Schmerzmittel – bewährt haben sich die gängigen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Paracetamol dagegen schnitt in einer Studie mit Hexenschuss-Patienten nicht besser ab als ein Placebo.

• Ruhe. Oft tritt ein Hexenschuss auch in Stresssituationen auf und ist dann ein Warnsignal dafür, dass der gesamte Organismus unter zu starker Belastung steht. Auch die Psyche spielt also eine Rolle.

• Entspannung tut deshalb gut, allerdings ist damit nicht tagelange Bettruhe oder Couching gemeint. Leichte Bewegung, etwa langsames Spazierengehen, entspannt Rücken und Seele.

In den meisten Fällen ist mit diesen einfachen Maßnahmen der Hexenschuss rasch wieder abgeklungen: 50 Prozent der Patienten sind nach einer Woche wieder beschwerdefrei, die anderen nach spätestens sechs Wochen.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Ziehen sich die Beschwerden länger hin oder verstärken sich sogar, sollten Sie zum Hausarzt oder Orthopäden gehen. Alarmzeichen, dass Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten sind:

• Taubheitsgefühl in den Beinen
• Kribbeln in den Beinen
• Lähmungserscheinungen in den Beinen
• Probleme beim Toilettengang (Inkontinenz, Blasen- oder Darmlähmung)

Das können Anzeichen dafür sein, dass es sich nicht um einen einfachen Hexenschuss, sondern um einen komplizierten Lumbago handelt, der speziell behandelt werden muss.

Untersuchungen beim Hexenschuss

Mit verschiedenen Tests stellt der Arzt fest, welche Bereiche blockiert sind, wie stark die Bewegungseinschränkung ist, wo der Schmerz sitzt und wodurch er stärker wird. Neben dieser körperlichen Untersuchung mit Abtasten und Prüfung der Beweglichkeit sind folgende Techniken zur Diagnose sinnvoll:

• Reflexüberprüfung der Beine
• Sensibilitätsüberpfrüfung
• Ultraschall (Sonografie)
• Röntgen
• Kernspintomographie / Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT)

Behandlung des Hexenschusses und mögliche Komplikationen

Mit diesen Diagnosemöglichkeiten kann der Arzt feststellen, ob Komplikationen vorliegen. Folgende sind möglich:

• Anhaltende Verspannungen, die sehr ausgeprägt sind, aber keine organischen Ursachen haben. Dann verschreibt der Arzt in der Regel Physiotherapie. Mit gezielter Krankengymnastik lassen sich Verspannungen und Blockaden lösen.

• Ein Bandscheibenvorfall – manchmal kann durch sehr starke Verspannung eine Bandscheibe anders belastet werden und sich deshalb vorwölben oder sogar etwas aus der Position geraten. Oder ein Bandscheibenvorfall ist der Auslöser der Verspannungen. In dem Fall wird der Arzt Physiotherapie verordnen. Falls diese nicht nach einigen Wochen anschlägt, kommt eine Bandscheibenoperation infrage.

• Ischialgie, umgangssprachlich „Ischias“ liegt vor – der Ischiasnerv ist beteiligt, der für Bewegungsimpulse und Sensibilität in den Beinen sorgt. Meist handelt es sich um eine Reizung der Nervenwurzel, die mit Schmerzen von der Lendenwirbelsäule ins Bein einhergeht (radikulärer Schmerz). Zur Therapie gehören Schmerzmittel und Injektionen mit Entzündungshemmern.

• Morbus Bechterew – dabei handelt es sich um eine rheumatische Erkrankung im Bereich der Iliosakralgelenke. Spezielle Krankengymnastik und Rheumamedikamente sollen das Fortschreiten der chronischen Erkrankung abbremsen.

Allerdings sind diese Komplikationen bei einem Hexenschuss eher die Ausnahme. In der Regel handelt es sich um Verspannungen, die häufig rasch wieder verschwunden sind.

Hexenschuss – so beugen Sie vor

Wer einmal bereits vom Hexenschuss geplagt war, hat ein hohes Risiko, nach einigen Monaten bis wenigen Jahren erneut damit konfrontiert zu werden. 23 Prozent der Betroffenen haben dadurch chronische Rückenprobleme, wie eine Studie aufdeckt.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, Rückenbeschwerden wie den Hexenschuss in Zukunft zu vermeiden oder sein persönliches Risiko stark zu senken. Diese Tipps helfen dabei:

• Bewegen, am besten täglich. Also statt Rolltreppe, Lift und Auto besser zu Fuß gehen und möglichst oft Treppen steigen. Eine gute Kontrollhilfe dabei ist ein digitaler Schrittzähler.

• Mindestens einmal pro Woche Sport – rückenfreundlich sind Nordic Walking, Wandern, Bergwandern und Wassergymnastik.

• Wirbelsäulengymnastik bei einem Sportverein, im Fitness Studio oder der Volkshochschule. Oft übernimmt die Krankenkasse dafür die Kosten (fragen).

• Übergewicht abbauen. Jedes Kilogramm zu viel belastet auch die Wirbelsäule sowie die Beckenknochen und -gelenke.

Die besten Übungen gegen den Hexenschuss

Außerdem gibt es einige Übungen, die dem Rücken guttun, bei Hexenschuss sinnvoll sind und auch bei der Prävention von Hexenschuss und anderen Rückenbeschwerden helfen. Das sind neben der Stufenlagerung:

• Seitenlage – Strecken Sie dabei das unten liegende Bein locker aus, das obere liegt leicht angewinkelt darüber, das Knie erreicht dabei (fast) den Boden. Diese Haltung dehnt und lockert den Lendenwirbelbereich.

• Nehmen Sie den Vierfüßlerstand ein und setzen Sie sich langsam auf Ihre Unterschenkel. Beugen Sie sich ganz nach vorne, der Oberkörper ruht auf den Oberschenkeln und lassen Sie Ihre Arme ausgestreckt auf dem Boden immer weiter nach vorne wandern. Das entspannt die Lendenwirbelsäule und dehnt die Brustwirbel.

Quellen:Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz

Autor: Monika Preuk