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Graue Haare

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Graue Haare? Na und! Die besten Tipps

  • Artikel vom 16. Januar 2019

Graue Haare sind großartig, wenn man sie zu handhaben weiß. Wir verraten alles über Ursachen, ab wann man graue Haare bekommt, wie man sie am besten färbt und pflegt.

Beginnen die Schläfen zu ergrauen, machen sich Männer meist wenig Sorgen. Kein Wunder, schließlich wurde für die Zunahme ihrer Attraktivität im Alter sogar ein eigenes Wort geschaffen: Der "Clooney-Effekt" – inspiriert von Hollywood-Star George Clooney, der auch mit grauen Haaren (oder vielleicht ja gerade deshalb) 2006 zum zweiten Mal zum "Sexiest Man Alive" gekürt wurde.

Diese relaxte Haltung sollte Frauen endlich auch erreichen. Doch leider sind wir in diesem Punkt noch nicht so weit in Sachen Gleichberechtigung in der öffentlichen Wahrnehmung. Frauen gehen das Thema graue Haare deshalb häufig nicht ganz so entspannt an und versuchen, die Alterserscheinung schnell zu kaschieren. Dabei ist das eigentlich gar nicht nötig. Glücklicherweise ist Attraktivität nämlich viel mehr als ein jugendliches Aussehen und der Silver-Look darüber hinaus mittlerweile richtig im Trend. Mehr Mut zu grauen Haaren steht Mann und Frau ausgesprochen gut!

Ursachen: Warum bekommt man graue Haare?

Dass unser Haar irgendwann grau wird, ist ganz normal und die Erklärung dafür leicht nachvollziehbar: Der Körper bildet im Alter weniger Farbpigmente – das sogenannte Melanin –, weil ihm die produzierenden Zellen, die Melanozyten, fehlen. Stattdessen lagern sich nur noch Luftbläschen im Haar ab. Genau genommen ist die Bezeichnung "graue Haare" deshalb auch gar nicht korrekt. "Grau" erscheinen uns die Haare nur im Kontrast zu den noch pigmentierten Exemplaren. In Wirklichkeit enthalten sie aber keinen grauen Farbstoff, sondern sind schlicht und einfach gar nicht mehr pigmentiert. Das zeigt sich spätestens, wenn die gesamte Haarpracht betroffen ist – dann schimmert sie komplett in Weiß.

Laut Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der University of Bradford in Großbritannien ist dafür übrigens ein Stoff verantwortlich, der gefärbten Blondinen vom Friseurbesuch bekannt vorkommen könnte: das in Bleichmittel enthaltene Wasserstoffperoxid. "Bei zunehmendem Alter wird es in den Haaren vermehrt gebildet und verhindert schlussendlich die Herstellung des Farbpigments Melanin", erklärt Prof. Dr. Heinz Decker vom Institut für Biophysik der Universität Mainz dazu in einer Mitteilung der Universität.

Ab wann bekommt man graue Haare?

Graue Haare mit 40, 30 oder schon mit 25? Wann genau das Ergrauen beginnt, ist individuell von Mensch zu Mensch verschieden. In der Regel ergrauen die Haare etwa ab dem 40. bis 50. Lebensjahr, erste graue Härchen zeigen sich aber oft schon zuvor. Dunkelhaarige bemerken dies meist eher, weil die farblosen Störenfriede bei ihnen viel besser zu sehen sind als bei Blondinen.

Ausschlaggebend für das Ergrauen sollen bei Frauen vor allem genetische Faktoren sein. Das fand zum Beispiel eine britisch-dänische Studie im Auftrag der Firma Unilever heraus. Die Wissenschaftler gelangten zu dieser Erkenntnis, nachdem sie mehr als 200 ein- und zweieiige Zwillingsschwestern zwischen 59 und 81 Jahren diesbezüglich unter die Lupe nahmen.

Werden bei Stress und falscher Ernährung die Haare schneller grau?

Wirklich gesicherte Erkenntnisse zur Entstehung von grauen Haaren sind rar gesät, stattdessen kursieren zahlreiche Mythen und Theorien. Auch in Expertenkreisen wird darüber kontrovers diskutiert. So stehen Faktoren wie zu viel Stress oder eine ungesunde Ernährung immer wieder als mögliche Verdächtige im Rampenlicht der Untersuchungen. Denn schon ein altes Sprichwort besagt, dass man sich bei Kummer und Sorgen, darüber "keine grauen Haare wachsen lassen soll".

Einer japanischen Studie zufolge sorgt oxidativer Stress dafür, dass die verantwortlichen Zellen für die Melaninproduktion zerstört werden und sie aus diesem Grund ausbleibt. Oxidativer Stress bedeutet, dass sich vermehrt freie Radikale im Körper befinden, diese nicht mehr durch Antioxidantien neutralisiert werden können und es deshalb zu schädigenden Prozessen im Körper kommt.

Laut einer koreanischen Studie sollen Männer mit starkem Übergewicht (Adipositas) schneller von grauen Haaren betroffen sein als Normalgewichtige. Und auch Raucher sollen ein höheres Risiko haben, früher zu ergrauen.

Können graue Haare wieder Farbe bekommen?

In puncto Risikofaktoren für graues Haar sind sich die Wissenschaftler also noch nicht einig und es bedarf weiterer Untersuchungen. Gleiches gilt auch für Mittel, die verlorene Farbe zurück ins Haar bringen sollen. Der altersbedingte, natürliche Ergrauungsprozess lässt sich zwar weder stoppen noch rückgängig machen, Forscher beschäftigen sich aber mit Möglichkeiten, einem krankheitsbedingt ergrauten Haar wieder zu Farbe zu verhelfen – etwa bei bestimmten Autoimmun- oder Mangelerkrankungen.

Warum sind graue Haare so störrisch?

Mit zunehmendem Alter haben Männer und Frauen meist mit unterschiedlichen Haarproblemen zu kämpfen: Während die Männer vor allem über Haarverlust klagen, bereitet Frauen dünnes, feines und weniger formbares Haar aufgrund einer Veränderung im Hormonhaushalt Schwierigkeiten. Außerdem produzieren die Talgdrüsen der Kopfhaut jetzt weniger Talg, sodass die Haare trockener werden. Die Kollagenproduktion nimmt ab und das Haar wirkt müde, matt, spröde und glanzlos.

Der Östrogenverlust im Alter hängt bei Frauen übrigens auch mit der Entstehung von Osteoporose zusammen. Im Volksmund ist diese Krankheit als "Knochenschwund" bekannt, weil die Knochendichte abnimmt, das Skelettgerüst an Festigkeit verliert und zu Brüchen neigt. Besonders frühes Ergrauen bei Frauen zwischen zehn und 20 Jahren kann deshalb möglicherweise ein Risikofaktor für Osteoporose sein.

Wie pflegt und färbt man graue Haare am besten?

Graue Haare sind kein Grund zur Panik. Denn wenn sie richtig in Szene gesetzt werden, ist der Silberschimmer ein echter Hingucker. Und wem der Anblick wirklich nicht gefällt, dem bleibt immer noch das Färben. Dazu verraten wir Ihnen ein paar haarige Tipps und Tricks:

1. Graue Haare richtig pflegen

Spätestens, wenn die Haare grau werden, haben sie sich eine Extraportion Pflege verdient. Verwenden Sie Shampoos, Spülungen, Kuren und Masken, die kräftigende Wirkstoffe enthalten. Keratin gilt zum Beispiel als Starkmacher für brüchiges, feines Haar. Spezielle Shampoos für graues Haar sind mit blauen Pigmenten versehen, um einem möglichen Gelbstich entgegen zu wirken. Verzichten Sie auf Produkte, die Alkohol enthalten, damit das Haar nicht noch zusätzlich ausgetrocknet wird.

2. Graue Haare richtig stylen

Ein typgerechter Haarschnitt ist für graues Haar besonders wichtig. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Friseur beraten. Wie wäre es zum Beispiel mit einer schicken Kurzhaarfrisur oder einem stylishen Bob? Um stumpfem Haar optisch neues Leben einzuhauchen, können Sie es mit Glanzsprays aufpeppen. Für das perfekte Make-up gilt: Graue Haare vertragen Farbe! Wählen Sie ein schönes Rouge, das Ihnen einen frischen Teint verleiht, oder setzen Sie als Kontrast auf roten Lippenstift.

3. Graue Haare richtig färben

Beim Haarefärben lautet das Motto generell: Besser dem Fachmann die Arbeit überlassen. Gerade bei grauen Haaren ist es empfehlenswert, sich einen Friseurbesuch zu gönnen. Der Experte wird Ihnen je nach Grauanteil im Haar eine Intensivtönung oder eine zuverlässig grau abdeckende Färbung auftragen. Und wenn man später die Nase voll hat vom ständigen Färben? Dann eignen sich ganz feine Strähnchen oder ein langsames, schrittweises Herantasten an die Naturhaarfarbe perfekt für den Übergang.

4. Graue Haare richtig füttern

Zwar lässt sich das Ergrauen der Haare nicht durch bestimmte Lebensmittel bremsen, Ernährung spielt für eine gesunde und gepflegte Mähne aber durchaus eine Rolle. Wer sein Haar schön und stark machen will, sollte sich öfter Lebensmittel auf den Speiseplan schreiben, die Eisen, Zink, Antioxidantien, Vitamin B und C sowie essenzielle Fettsäuren enthalten. Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Gemüse wie Grünkohl oder Obst wie Brombeeren sorgen so für glänzendes und geschmeidiges Haar.

Autor: Viola Booth