Gesund leben
Was bei Blähungen hilft

Was bei Blähungen hilft. / Foto © iStock, champja

Was hilft

Blähungen – Ursachen und Behandlung

  • Artikel vom 17. April 2018

Blähungen sind bis zu einem gewissen Maß ganz natürlich. Unangenehm sind sie trotzdem, vor allem wenn Schmerzen und Blähbauch dazukommen. Doch es gibt wirksame Hausmittel und hilfreiche Lebensmittel.

Blähungen, medizinisch Flatulenz, sind nichts, worüber man gerne spricht. Eigentlich unnötig, weil jeder davon betroffen ist. Zahlreiche Studien zeigen, dass Darmwinde bis zu 15 Mal pro Tag ganz normal sein können und einfach eine natürliche Begleiterscheinung der Verdauung sind.

Die Ursache der Darmgase

Während der Verdauung werden die verzehrten Lebensmittel auch vergärt. Im Zuge dieses chemischen Prozesses bilden sich bereits im Magen Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff sowie Schwefelverbindungen im Darm. Dabei spielen auch Bakterien eine wichtige Rolle, die den Nahrungsbrei zersetzen. Die entstandenen Gase absorbiert unser Organismus problemlos, ein Teil davon gelangt als CO2 ins Blut und wird via Lunge entsorgt . Der Rest (besonders auch bei erhöhter Gasbildung) entweicht über den Darmausgang – Geruch und Geräusch inklusive.

Risikofaktoren für Blähungen

Als wie unangenehm wir Blähungen empfinden, hängt natürlich von Stärke und Häufigkeit ab und ob dabei Magen- und Darmkrämpfe entstehen oder ein Blähbauch quält. Tatsächlich ist es auch ein bisschen genetisch bedingt, ob jemand zu starken Blähungen neigt oder nicht. Daneben gibt es jedoch eine ganze Reihe von Risikofaktoren. Die wichtigsten sind:

• Hastiges Essen und Trinken, dabei wird Luft verschluckt
• Mit vollem Mund sprechen, hat den gleichen Effekt
• Bestimmte Lebensmittel blähen wegen ihrer Inhaltsstoffe, wie Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebeln (dabei auch Lauch und Knoblauch)
• Kohlensäurehaltige Getränke
• Hefegebäck
• Zucker

Blähungen wegen Lebensmittelunverträglichkeiten

Im Zusammenhang mit Zucker spielt vor allem Fruktose, also Fruchtzucker eine Rolle. Menschen mit Fruktoseintoleranz können diese Zuckerform im Darm nicht richtig aufspalten, weshalb sich Gase bilden. Süßes Obst, etwa Weintrauben, süße Äpfel, vollreife Pfirsiche oder ähnliches führen bei ihnen zu Blähungen. Oft leiden sie zusätzlich unter Blähbauch und Durchfall.

Zu den gleichen Beschwerden kommt es bei Laktoseintoleranz, der Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktose). Betroffenen fehlt das Enzym Laktase, das Milchzucker aufspaltet und gut verdaulich macht. Der Milchzucker gelangt dadurch unzerteilt in den Darm und löst Blähungen aus.

Psychische Ursachen

Nicht selten kommen aber auch andere Faktoren zum Tragen. So kann etwa Stress die Verdauung durcheinanderbringen und es bilden sich Blähungen. Wie eng Psyche und Verdauung zusammenhängen, spiegeln allein schon gängige Redensarten wie "mir läuft gleich die Galle über" oder "ich hab Schiss" wieder.

Blähungen durch Reizdarm-Syndrom

Im Zusammenhang mit Psyche und Verdauungsproblemen wie Blähungen spielt auch der sogenannte Reizdarm eine Rolle. Die Ursache des Reizdarms ist ein besonders sensibles enterisches Nervensystem.

Die Magen-Darm-Nerven nehmen die bei der Verdauung auftretenden Dehnungsreize besonders stark wahr und reagieren darauf intensiv – mit Blähbauch, Blähungen, abwechselnd Durchfall und Verstopfung. Mediziner sprechen dann von einer viszeralen Hypersensitivität.

Wann man wegen Blähungen zum Arzt gehen sollte

Immer, wenn Blähungen so stark ausgeprägt sind, dass Sie darunter leiden, sollten Sie zum Arzt gehen. Ein weiterer Grund, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, ist außerdem, wenn zu den Blähungen noch die für Reizdarm typischen Beschwerden Blähbauch und Verstopfung oder Durchfall dazukommen.

Grundsätzlich sollten man immer den Arzt befragen, wenn sich die Stuhlgewohnheiten merklich ändern – um ernstere Ursachen auszuschließen. Ansprechpartner ist der Hausarzt, der dann zu einem Gastroenterologen überweisen kann.

Verschiedene Untersuchungen – Bluttest, aber auch eine Eliminationsdiät – sind bei der Suche nach der Ursache für die Verdauungsprobleme hilfreich. Bei der Eliminationsdiät werden bestimmte Lebensmittel, von der der Patient vermutet, dass sie die Beschwerden auslösen könnten, vom Speiseplan gestrichen. Diese Diät wird einige Tage eingehalten. Bessern sich dann die Beschwerden, liegt vermutlich eine Lebensmittelintoleranz vor.

Daneben helfen Magen- und Darmspiegelung, der Ursache für die Blähungen auf die Spur zu kommen.

Die besten Hilfen gegen Blähungen

Liegen keine weiteren Krankheitsanzeichen vor, lassen sich gelegentliche Blähungen jedoch auch gut selbst behandeln. In der Apotheke gibt es verschiedene, rezeptfreie Mittel, die Blähungen lindern und dabei helfen können, dass keine neuen entstehen. Dabei handelt es sich um sogenannte Entschäumer mit Wirkstoffen wie Simethicon und Dimeticon. Sie können Blähungen auflösen und die Gasbildung abbremsen.

Hausmittel gegen Blähungen

Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe von natürlichen Maßnahmen, die gegen Blähungen wirken oder sogar verhindern, dass sich die Darmgase vermehrt bilden:

• Blähende Speisen wie Kohl und Zwiebeln vermeiden.

• Langsam essen und nicht mit vollem Mund sprechen.

• Auf kohlensäurehaltige Getränke verzichten.

• Nach dem Essen eine Tasse Pfefferminztee, Kamillen-, Fenchel- oder Kümmeltee trinken. Entsprechende Mischungen gibt's auch als Fertigprodukt, sowie als Tropfen (Apotheke).

• Nach dem Essen ein Viertelstündchen hinlegen – eventuell mit warmem Bauchwickel/Wärmflasche.

Diese Lebensmittel verhindern üblen Geruch

Ein anderes Kapitel bei Blähungen ist der Geruch. Forscher der Monash University in Melbourne haben jetzt in einer Studie getestet, ob bestimmte Lebensmittel diesen Umstand beeinflussen können, wie das Fachmagazin New Scientist berichtet. Vor allem proteinhaltige Lebensmittel, also Fleisch, Eier oder Milchprodukte verursachen demnach den für Blähungen so typischen Geruch von faulen Eiern. Auf diese Lebensmittel sollten Sie also möglichst verzichten, wenn Sie zu übelriechenden Blähungen neigen.

Andererseits gibt es Nährstoffe, die gegenteilig wirken. Sie bremsen die Geruchsentwicklung ab. Das sind vor allem stärkehaltige Lebensmittel, die 75 Prozent des Geruchs aus den Darmgasen nehmen. Diese Lebensmittel sind:

• Bananen
• Kartoffeln
• Hülsenfrüchte
• Getreide
• Artischocken
• Spargel

Wer also bereits bei der Auswahl seiner Lebensmittel sowie beim Essen selbst diese einfachen Ratschläge befolgt, wird mit Sicherheit weniger unter Blähungen leiden. Wichtig ist außerdem die Reduktion von Stress – was nicht nur der Verdauung guttut, sondern auch der Gesundheit ganz allgemein.

Quellen: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM): Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie

Autor: Monika Preuk