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Die besten Tricks für Bahnfahrer

Alltag auf deutschen Bahnhöfen: Immer mehr Züge haben Verspätung oder fallen gleich ganz aus. / Foto © Peters/Imago

Erstattung, Reservierung & Co.

Die besten Tricks für Bahnfahrer

  • Artikel vom 20. Mai 2019

Zu spät, zu voll, null Service: Zugreisen werden oft zur Nervenprobe. So sparen Sie sich Ärger – und oft auch Geld.

Mal ist die Lok kaputt, mal die Oberleitung, mal die Kaffeemaschine im Speisewagen. Mal ist man eine halbe Stunde verspätet, mal zwei. Manchmal fehlt ein Waggon, manchmal gleich der ganze Zug: Bei der Bahn läuft gerade nicht viel, wie es laufen sollte. Während in Berlin Vorstand und Politiker die Neuausrichtung des Staatsunternehmens debattieren, bleibt einem als Fahrgast oft nur eines: still zu leiden. Und es sich etwa auf dem Gang bequem zu machen, weil man wieder in einem völlig überfüllten ICE gefangen ist. Doch man muss nicht alles klaglos hinnehmen. Mit diesen Tricks kann man Zugfahrten etwas erträglicher gestalten, Ärger vermeiden – und sogar Geld sparen.

► Sparpreis statt Super-Sparpreis! Der Super-Sparpreis ist meist sehr günstig, trotzdem kann der einfache Sparpreis im Einzelfall vorteilhafter sein, denn hier ist die „City“-Option inklusive: Die Anfahrt zum Startbahnhof und die Weiterfahrt am Zielort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gratis. Das kann sich rechnen. Weiterer Vorteil: Der Sparpreis kann bis einen Tag vor der Fahrt storniert werden. Zwar bekommt man als Erstattung nur einen Gutschein, und es werden zehn Euro Gebühren abgezogen, doch beim Super-Sparpreis gibt es, wenn man eine Reise kurzfristig nicht antreten kann, gar nichts zurück.

► Keine Angst vor Zugbindung! Fahrkarten zum (Super-)Sparpreis bekommt man oft für die Hälfte des Normalpreises oder weniger. Dafür müssen sie Wochen im Voraus gebucht werden und unterliegen der sogenannten Zugbindung: Man darf nur die gebuchte Fernverbindung nutzen. Eine ärgerliche Einschränkung! Was viele nicht wissen: Ist absehbar, dass diese Fernverbindung mit 20 Minuten Verspätung am Zielort sein wird, ist die Zugbindung aufgehoben. Das heißt: Zeigt die Infotafel am Bahnhof diese oder eine größere „erwartete Verspätung“ an, können Sie eine andere Verbindung nehmen, etwa einen früheren Zug. Und: Die Zugbindung gilt nur für Fernverbindungen. Welche Nahverkehrszüge Sie wählen, bestimmen Sie selbst.


Dieses Schild kennt jeder: Die Toilette ist defekt. Wieder mal. Wer Glück hat, findet im nächsten Waggon eine, die funktioniert. / Foto © Stengel/Imago

► Problemzüge meiden! Manche Züge sind öfter von Pannen und Verspätungen betroffen als andere – und jeder ist über eine Nummer identifizierbar. Das Internetportal zugfinder.de listet dies unabhängig (und unverbindlich) auf. Ist dort ablesbar, dass ein Zug notorisch Verspätungen einfährt, sollte man lieber einen anderen wählen. Der IC 2311 von Westerland nach Stuttgart etwa kommt nur zu 45 Prozent pünktlich an. Die Angaben auf zugfinder.de sind reeller als die der DB: Diese gab für November 2018 etwa an, sie erreiche im Fernverkehr eine Pünktlichkeit von knapp über 70 Prozent. In dieser Zahl sind jedoch die vielen ICEs und ICs nicht enthalten, die gar nicht erst starten, weil die Fahrt aus ungenannten Gründen „entfällt“.

► Fahrkarte nie im Zug kaufen! Einfach in den Zug steigen und das Ticket beim Schaffner kaufen? Was früher üblich war, kann heute richtig teuer werden. Gerade hat die Bahn die Gebühr fürs Nachlösen im Zug angehoben: Sagenhafte 19 Euro werden nun auf den Fahrpreis aufgeschlagen.

► Erstattung auch beim Gratis-Ticket! Wer oft Bahn fährt, sammelt mit dem Bahn-Bonus-Programm Punkte, die gegen kostenlose Fahrkarten getauscht werden können. Wer ein solches Ticket nutzt, hat auch bei Verspätungen Anrecht auf Erstattung. Ab 60 Minuten gibt es 25 Prozent zurück, ab zwei Stunden 50 Prozent. Allerdings nicht in bar, sondern in Punkten.

► Billiger reservieren! 4,50 Euro kostet eine Platzreservierung. Zu viel? Für deutsche Züge kann man sie auch problemlos über das Internetportal der Tschechischen Bahn buchen (unter: cd.cz). Es ist auf deutsche Sprache umstellbar – und verlangt pro Reservierung nur drei Euro.


Machen Sie es sich auf dem Gang gemütlich! Viele Fernzüge sind regelmäßig völlig überfüllt. Eine Qual für alle Reisenden. / Foto © Kleefeldt/DPA Picure-Alliance

► Freie Plätze leichter finden! Wer sich die Reservierung komplett sparen möchte, sollte Folgendes beachten. Da die automatischen Reservierungen meist vom Bordrestaurant ausgehend verteilt werden, sollte man besser am Ende des Zugs einsteigen und eher nicht nahe der Rolltreppen am Bahnsteig. Oder man startet auf dem Smartphone die „Navigator“-App der Bahn, tut so, als ob man eine Platzreservierung vornehmen möchte, lässt sich die freien Plätze in jedem Waggon anzeigen – und bricht dann die Buchung ab. So kann man zielsicher den richtigen Wagen ansteuern.

► BahnCard auf dem Handy! Die offizielle Bahn-App auf iPhones oder Android-Handys ist zwar nicht wirklich übersichtlich, hat aber eine praktische Nebenfunktion: Man kann darin die Daten der eigenen BahnCard speichern und dem Schaffner vorzeigen. So spart man sich bei der Fahrkartenkontrolle das lästige Kramen nach der Karte.

► IC statt ICE! Sind Sie schon einmal in einem der neuen ICE 4 gefahren? Um in den schmaleren Waggons mehr Fahrgäste unterzubringen, wurde nicht nur die Beinfreiheit reduziert, auch die Sitzlehnen lassen sich nicht mehr neigen. Zudem wurde offenbar an der Polsterung gespart: Der Komfort entspricht etwa dem einer besseren Straßenbahn. In einem guten alten Intercity fährt man deutlich bequemer, kommt häufig nicht viel später an und spart obendrein den ICE-Zuschlag. Die dicken blauen IC-Sitze vermitteln einem auch noch das Gefühl, wie Bahnfahren früher war: ein echtes Erlebnis. Kein unberechenbares Abenteuer.

Autor: Michael Fuchs