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Eine Solaranlage auf dem Dach rentiert sich für zahlreiche Bauherren.

Strom sparen: Eine Solaranlage auf dem Dach rentiert sich für zahlreiche Bauherren. - Foto © picture alliance

Anlagetipps aus dem Bereich Ökostrom

Ökoaktien

  • Artikel vom 19. Juli 2011

Wie Sie als Sparer jetzt von der Energiewende profitieren: mit Anlagen aus dem Bereich Ökostrom.

Geldanlagen aus dem Bereich Sonnen- und Windenergie

Auf den ersten Blick klingt die Sache sonnenklar: Weil Deutschland aus der Atomkraft aussteigt, können Anleger jetzt das ganz große Rad drehen. Schließlich müssen in den nächsten Jahren Milliarden in erneuerbare Energien investiert werden: Gebraucht werden Tausende neue Windräder und Hunderttausende Solaranlagen – so weit unstrittig. "Trotzdem herrscht bei Investoren nicht eitel Sonnenschein", sagt Natalia Wolfstetter, Analystin bei Morningstar in München. Grund: Ihren großen Auftritt an der Börse hatten Solar- und Umweltaktien bereits in den Jahren 2005 bis 2008.

Damals kletterte etwa das Papier von Solarworld, der Vorzeigefirma aus Bonn, auf fast 50 Euro. Doch dann schrumpfte die Finanzkrise die Kurse klein. "Nicht nur Zocker wurden dadurch kalt erwischt, auch viele, die mit ihrer Anlage bewusst ein Zeichen pro Energiewende setzen wollten", sagt Wolfstetter. Auch die Aktie von Solarworld, für deren Anlagen mittlerweile der US-Schauspieler Larry Hagmann wirbt (Slogan: "Shine baby shine!"), konnte sich seitdem nicht erholen und tritt bei aktuell unter zehn Euro auf der Stelle. "Zwangsläufig schlecht sind grüne Geldanlagen aber nicht", so Wolfstetter. "Sie waren zum Kaufzeitpunkt nur sehr teuer."

Anreize für Solartechnik

Auch Solarfirmen aus China drücken die Kurse – etwa das Unternehmen Yingli, der Sponsor des Fußballclubs Bayern München. Vor einigen Jahren noch unbedeutend, kontrollieren sie heute über die Hälfte des Weltmarktes. "Sie produzieren in ähnlicher Qualität wie deutsche, aber günstiger", sagt Vipin Ahuja, Fondsmanager des Allianz RCM Global Eco Trends. Folge: Seit 2006 hat sich der Preis für Solaranlagen hierzulande mehr als halbiert. Trotzdem warten viele Bauherren lieber ab, denn sie erwarten weiter fallende Preise. Um den "Käuferstreik" zu beenden, hat die Bundesregierung jetzt reagiert: Für Anlagen, die ab 1. Juli in Betrieb gehen, zahlt sie genauso viel an staatlicher Förderung wie bislang – die Kürzung der Einspeisevergütung ist also vom Tisch. Auch Anlegern bringt das Vorteile. Gleichzeitig führt es aber vor Augen, dass ohne die Gunst des Staates in der Solarbranche noch kaum Geld zu verdienen ist.

Verdienen am Kabelbau

Auch wer früher auf Windkraft setzte, musste oft bluten. Nicht wenige Parks gingen pleite. Hier gibt es echte Fortschritte: Neue Technik ist ausgereifter und leistungsfähiger, Wind wird besser kalkulierbar. Anbieter geschlossener Fonds legen deshalb neue Produkte auf: Lloyd Fonds vermarktet mit "Energie Europa" aktuell einen kombinierten Wind- und Solar-Fonds. Voigt & Collegen will mit einem ähnlichen Fonds bald nachziehen. Auch die Windkraftanlagenhersteller kämpfen mit Überkapazitäten. Am besten aufgestellt sind nach Meinung des Experten Ahuja die dänische Firma Vestas und die spanische Gamesa. Gegenwind von Billiganbietern aus China gebe es zwar auch hier. Bisher fehle ihnen aber das Know-how für Offshore-Anlagen und neuere Turbinentypen, die auch bei sehr schwachem Wind funktionieren.

Produziert wird Windstrom in erster Linie in Norddeutschland. "Weil die Industrie aber vor allem im Süden und in der Mitte sitzt, muss er dorthin transportiert werden", sagt Michael Schneider, Manager des Deka-Fonds Umweltinvest. Nötig sind dafür leistungstarke "Stromautobahnen", sogenannte Höchstspannungsleitungen. Allein durch den Atomausstieg entstehe ein Zusatzbedarf von bis zu 3600 Kilometer, so die Deutsche Energie-Agentur. "Herstellen können solche Leitungen aber nur wenige Spezialisten", sagt Schneider, etwa General Cable (USA), Nexans (Frankreich) oder Prysmian (Italien). Ihre Aktien sind interessant.

"Alles auf eine Karte beziehungsweise Aktie zu setzen – das wäre mir zu gefährlich", rät Morningstar-Analystin Wolfstetter. Sie empfiehlt stattdessen Fonds. Keine geschlossenen, wie die erwähnten von Lloyd oder Voigt, sondern offene, die man jederzeit wieder versilbern kann. "Top abgeschnitten hat in unseren Studien der 'Smart Energy Fund B' von Sustainable Asset Management in Zürich, abgekürzt SAM", sagt Wolfstetter. Auch Stiftung Warentest zählt ihn renditemäßig zu den besten. Wolfstetter: "SAM-Fondsmanager Thiemo Lang kennt neben seinen Zahlen auch die Technik bestens. Er war früher Ingenieur bei Siemens."

Autor: Stefan Vogt