Krimi-Spezial
Tatort Wien Paradies
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Wieder im Einsatz: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser).
Foto: © ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Tatort Wien

"Tatort: Paradies"

  • Artikel vom 30. August 2014

Servus, Sommerpause! Mit einem "Tatort" aus Österreich startet die neue Krimisaison (So., 31.08., 20.15 Uhr, Das Erste, s. auch TV-Tipps rechts).

So lange mussten wir noch nie auf frische Krimis aus der beliebtesten deutschen Sonntagsreihe warten. Fast ein Vierteljahr lang liefen nur Tatort-Wiederholungen. Jetzt endlich eröffnen die knarzigen Wiener Ermittler die neue Saison und bieten in der Besetzung gleich einen Knüller auf: Peter Weck, Altstar der österreichischen Film- und Theaterszene, der sich in letzter Zeit rar machte, gibt ein Gastspiel als zwielichtiger Pensionär.

Was passiert?

Moritz Eisner, Wiener Sonderermittler im Urlaub, begleitet Kollegin Bibi Fellner zu dem Altersheim in der Steiermark, wo ihr Vater im Sterben liegt. Dort treffen sie auf Pensionäre, die sich alle vom Leben verschaukelt fühlen. Das bisschen Geld, das ihnen als Taschengeld bleibt, ist zum Sterben zu viel, für alles andere zu wenig. "Ich war mal jemand", erzählt Paul Ransmayr (Weck). Doch dann habe er seine Firma an seine Tochter überschrieben – und die habe ihn ausgebootet. Im Heim ist Ransmayr der heimliche Anführer einer Rentnergang, die auf Kaffeefahrten nach Ungarn billige Medikamente zurück nach Österreich schmuggelt. Die Kommissare erkennen schnell, dass weit mehr dahintersteckt.

Was ist das Besondere?

Einen Krimi über Altersarmut zu drehen, der nicht zur moralinsauren Sozialparabel gerät, ist mutig. Hier gelingt das, weil die tiefschwarzen Kommentare der Beteiligten so manche Szene über das freudlose Schicksal der Heimwohner auf eine erträgliche Ebene heben. Das Leben mag trist sein, aber man ist ihm nicht völlig hilflos ausgesetzt. Es wirkt erfrischend normal, wie sich die Älteren gegen ihr Los stemmen, mal ausgekocht, mal weise. Doch die scheinbar harmlose Schmuggelei führt zu Mord und damit unweigerlich in die Katastrophe. Insofern hält der Krimi doch eine Moral parat.

Wer ist dabei?

Mit Peter Weck gönnt sich dieser "Tatort" einen Schauspielstar, der bewusst alle anderen überstrahlen darf. Seine Figur Ransmayr ist ebenso alt wie gefährlich – und skrupellos, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Mit seinem prachtvollen weißen Haarschopf wirkt der gerade 84-Jährige unverändert agil. Doch man möge sich nicht täuschen: Mit dem netten Familienvater aus der TV-Kultserie "Ich heirate eine Familie" (1983-1986) hat er schon lange nichts mehr zu tun.

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Autor: Sabine Goertz-Ulrich

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