Krimi-Spezial
Der 16-jährige Daniel (Jonas Nay) wird trotz fehlender Beweise verhaftet.
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Als ein kleiner Junge ermordet aufgefunden wird, taucht die Polizei auch bei Familie Gudermann auf. Voller Panik rennt der 16-jährige Daniel (Jonas Nay, vorne) davon - und macht sich damit verdächtig. - Foto © Willi Weber / Sat.1

Sat.1-Krimi für Sie vorab gesehen

''Nichts mehr wie vorher'' im HÖRZU-Check

  • Artikel vom 23. September 2013

Der Sat.1-Krimi "Nichts mehr wie vorher" handelt von Lynchjustiz und Hexenjagd im Internet. Es geschieht am helllichten Tag: Im idyllischen Halden, einem fiktiven Ort, liegt ein toter Junge im Wald. Der 11-jährige Fabian wurde vergewaltigt und anschließend brutal erschlagen.


TV-Tipp

24.09.2013, Sat.1, 20:15 Uhr
Krimi: "Nichts mehr wie vorher"
Lynchjustiz und Hexenjagd im Internet.


Rasch hat Hauptkommissarin Leonie Ahrens (Bernadette Heerwagen) einen Verdächtigen gefunden: Daniel (Jonay Nay), 16, ein introvertierter Junge in der Pubertät. Die Dorfgemeinschaft ist aufgebracht – und zur Lynchjustiz bereit. Obwohl das Vergehen des Teenies bislang nur darin besteht, dass er zum Zeitpunkt des Mordes in der Nähe des Tatorts gesehen wurde. Zudem hat er kein Alibi. Eine gefährliche Gemengelage.

Daniel wird angegriffen, Hetzparolen verunzieren sein Elternhaus, der väterlichen Firma droht der Bankrott. Als wäre das noch nicht genug, tauchen plötzlich Fotos auf, die den Verdächtigen mit seinem minderjährigen Bruder zeigen – in scheinbar sexuellen Posen. Obendrein findet Vater Ulli (Götz Schubert) im Zimmer seines Sohnes homosexuelle Erotikhefte. Mehr und mehr zweifelt er an Daniels Unschuld. Einzig Mutter Claudia (Annette Frier) hält zu ihm. Doch es wird immer schwieriger, den Angriffen und dem Hass der Dörfler standzuhalten. Ist Daniel tatsächlich ein Mörder?

Vordergründig kreist das exzellente TV-Drama "Nichts mehr wie vorher" (siehe TV-Tipp) nur um diese Frage. Produzent Michael Souvignier ("Contergan") interessierte sich aber auch für die sozialen Probleme, die dahinter schwelen: die väterliche Angst vor der Homosexualität des Sohnes, die öffentliche Hetzjagd, die Aufforderung zur Lynchjustiz im Internet.

Souvignier nimmt Bezug auf den Fall der elfjährigen Lena, die 2012 in Emden in einem Parkhaus ermordet wurde. Genau wie im Film wurde damals vorschnell ein Unschuldiger verdächtigt und im Internet mit Hasstiraden verfolgt. Der Emder Polizei unterliefen schwere Fehler.

Die Abgründe des Internets

Mit dem Sat.1-Drama folgt nun die filmische Aufbereitung dieses Themas, das in Zeiten von Onlinemobbing immer prekärer wird. TV-Star Annette Frier sieht das ähnlich: "Das Besondere an diesem Film ist die wahre Begebenheit: die unglaublichen Ereignisse und der Shitstorm aus Emden." Auch Jungschauspieler Jonas Nay (23), dem 2011 im Internetthriller "Homevideo" der Durchbruch gelang, weiß um die Brisanz des Stoffs.

Im Interview mit HÖRZU verrät Jonas Nay, was er über die Schattenseiten des Internets denkt: "Mobbing ist ein brandaktuelles Thema. Im Netz können Mobber anonym agieren. Das setzt ihre Hemmschwelle herunter. Zudem ist die Verlockung groß, in sogenannten sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter viel von sich preiszugeben. Darin steckt die Gefahr, dass man sehr angreifbar wird."

Sat.1-Krimi Nichts mehr wie vorher

Autor: Mike Powelz

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