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Der britische Schriftsteller Ian Fleming 1963 - ein Jahr vor seinem Tod.
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Der britische Schriftsteller Ian Fleming 1963 - ein Jahr vor seinem Tod. / Foto: © dpa - Bildarchiv pixel

Das Leben des 007-Schöpfers

Autor Ian Fleming und sein James Bond

  • Artikel vom 03. November 2012

Er lässt Frauenherzen höherschlagen und Spione erzittern. Sein Faible für starke Drinks, schnelle Autos und heiße Affären ist berüchtigt. Und, nein, die Rede ist nicht von James Bond. Der Name des Mannes ist Fleming. Ian Fleming. Dem Briten (1908 –1964) gelang, was nur wenigen Autoren vergönnt ist: Mit dem Geheimagenten James Bond schuf Ian Lancaster Fleming 1962 einen der populärsten Romanhelden aller Zeiten. Vor genau 50 Jahren feierte er in "James Bond – 007 jagt Dr. No" sein Leinwanddebüt, diesen Herbst kommt mit ''Skyfall'' bereits der 23. offizielle Bond-Film in die Kinos.

Doch auch wenn seine Abenteuer oft fantastisch anmuten: James Bond ist keinesfalls nur Fiktion. In seine insgesamt 21 Bond-Geschichten ließ Fleming erstaunlich viel von seinem bewegten Vorleben einfließen. Doch wo hört Fleming auf, und wo fängt Bond an?


Videos zu Ian Fleming und James Bond:


Geboren wird Fleming 1908 in London als Sohn wohlhabender Eltern. Nach der Eliteschule Eton College und der Militärakademie Sandhurst wird Fleming auf eine Privatschule nach Österreich geschickt. In München und Genf lernt er fließend Deutsch und Französisch – Sprachkenntnisse, die er mit seiner Romanfigur teilt. Flemings viele amouröse Abenteuer dort stehen später Pate für Bonds bewegtes Liebesleben. Nach der Rückkehr nach England arbeitet Fleming zunächst als Journalist, dann als Aktienmakler, um seinen aufwendigen Lebenswandel voller Partys, Affären und Kasinobesuche zu finanzieren.

Der Zweite Weltkrieg bietet ihm eine neue Karrierechance: Im Mai 1939 geht er zum Nachrichtendienst der Marine. Hier steigt der gewitzte Fleming schnell auf. Sein Spezialgebiet: die Konzeption strategischer Geheimaktionen, die den Feind aus dem Verborgenen schwächen sollen. So schlägt er etwa vor, die Deutschen von einer schwimmenden Radiostation in der Nordsee aus mit falschen Nachrichten zu demoralisieren.

Ian Fleming - Genießer bis zum Tod

Bereits während des Krieges spielt er mit dem Gedanken, den "ultimativen Spionageroman" (Fleming) zu schreiben. Doch erst 1952 – Fleming hat inzwischen ein Haus auf Jamaika gebaut – macht der Brite ernst. Auslöser ist eine Frau. "Ich hatte vor zu heiraten", sagte Ian Fleming rückblickend. "Aber die Vorstellung, mein angenehmes Junggesellenleben aufzugeben, machte mich nervös. Um mich abzulenken, begann ich zu schreiben."

So erwacht unter der karibischen Sonne James Bond im Roman "Casino Royale" zum Leben. Als sogenannter Doppelnullagent ist 007 mit der Lizenz zum Töten ausgestattet, von der er nicht selten mit einer ordentlichen Portion Sadismus auch Gebrauch macht. Vorbilder für Bond gibt es viele. "Er setzt sich aus all den Geheimagenten und Spionen zusammen", sagt Fleming, "die ich während des Krieges getroffen habe." Er selbst, kokettiert Fleming in Interviews, könne schon deshalb nicht 007 sein, weil dieser doch sehr viel mutiger sei als er.

Fest steht aber: Bond teilt sich mit Fleming unzählige Eigenheiten – angefangen beim in den Romanen beschriebenen Aussehen ("183 cm groß, schwarze Haare, blaue Augen, lange Nase") über das Golfhandicap (neun) bis hin zur Zigarettenmarke (eigens angefertigte Morland Specials). Anders als Bond aber hat Fleming nie an vorderster Front operiert. Vielleicht wollte er diesen Nervenkitzel mit seinem Alter Ego 007 nachholen. So wie auch Bonds erotische Eskapaden dem frisch verheirateten Autor eine Ersatzbefriedigung verschafften.

James Bond - Man lebt nur zweimal

Sean Connery und Karin Dor in dem Bond-Abenteuer "Man lebt nur zweimal" (1966). Die Romanvorlage erschien zwei Jahre früher kurz vor Ian Flemings Tod. / Foto: © picture alliance

In den späten Bond-Romanen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer mehr. Kettenraucher Fleming (bis zu 70 Zigaretten pro Tag) hat immer größere gesundheitliche Probleme, die auch auf Bond abfärben. Im Roman "Feuerball" schickt er 007 auf eine Gesundheitsfarm. Der Arzt dort schätzt Bonds täglichen Alkoholkonsum auf eine halbe Flasche Hochprozentiges. Flemings Dosis dürfte kaum geringer gewesen sein. Seine Devise: "Ich werde mein Leben nicht mit dem Versuch verschwenden, es zu verlängern."

Er sollte Wort halten. Am 12. August 1964 stirbt Fleming mit nur 56 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Kurz vor seinem Tod erscheint noch eine Bond-Geschichte, für die sich Fleming den treffendsten all seiner Romantitel aufgespart hat. Ein Titel, der das Leben eines Mannes im Spannungsfeld zwischen Schreibtischtäter und Actionheld in nur vier Worten perfekt auf den Punkt bringt: "Man lebt nur zweimal."

Autor: Michael Tokarski

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