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Thilo Mischke Deutschland radikal - Wie Hass unsere Gesellschaft spaltet

Foto © ProSieben/Nikita Teryoshin

Sehenswerte ProSieben-Reportage "Deutschland Radikal"

Wie Hass unsere Gesellschaft spaltet

  • Artikel vom 06. September 2021

Investigativreporter Thilo Mischke kennen wir von seiner viel besprochenen Reportage über Rechtsradikale in in Deutschland. Jetzt widmet er sich der Spaltung unserer Gesellschaft.

Es ist ein Phänomen, dass man derzeit weltweit beobachten kann: Die Verärtung der Meinungen, die Aufteilung in Lager, in denen man auf seinem Standpunkt beharrt und die aus dem anderen als Gegner wahrnimmt, mit denen man kaum noch reden kann. Kein guter Zustand, findet Mischke.

"Unsere Demokratie ist extrem fragil"

Im Interview äußerte er sich zu seiner neuen Reportage, die am 6. September 2021 um 20.15 Uhr auf ProSieben und danach wohl auch auf der Streaming-Plattform der Sendergruppe Joyn zu sehe sein wird, folgendermaßen im Interview: "Hass ist demokratiezersetzend. Und das ist gefährlich. Meine Einstellung hat sich nach den Recherchen nicht geändert: Unsere Demokratie ist schützenswert und - was die meisten Menschen nicht wissen - extrem fragil. Unsere Gesellschaft hat jetzt die Aufgabe, sich um jene zu kümmern, die an der Demokratie zweifeln. Kümmern heißt: aufmerksam zuhören, Hände reichen und den großen Graben, der entstanden ist, zuschütten". Gerade, wenn es um enge Freunde oder Familienangehörige geht, die sich in ihrer Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Fragen in eine Richtung bewegen, die einem selbst fern liegt und nicht gefällt.

Auch wenn offensives Augenrollen und ein "Wie kannst Du nur" näher liegen: Verurteilung inspiriert erfahrungsgemäß kein Umdenken, Hass gebiert nur mehr Hass.

Mischkes Empfehlung: "Keine Faktendebatten führen, sondern emotionale Debatten führen: 'Wie fühlst du dich, wenn du mich verlierst, weil du denkst, hinter der Pandemie steckt ein Plan,' ist wirksamer, als mit Statistiken vom RKI zu kommen."

Ein differenziertes Bild

Um Stimmen und Fakten für ein differenziertes Bild zu sammeln, ist Mischke quer durch Deutschland gereist und hat viele Interviews geführt – unter anderem mit Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, Verschwörungsexpertin Katharina Nocun, Bundesverfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang, YouTuber „AktivistMann“ und mit BILD-Chef Julian Reichelt.

Einen guten Eindruck von Mischkes Herangehensweise bekommt man in diesem Interview mit Klaas Heufer-Umlauf, dass er direkt nach der Ausstrahlung seiner ersten großen Reportage "Rechts. Deutsch. Radikal" bei "Late Night Berlin" gab:

Bei seinen Recherchen für "Deutschland radikal - Wie Hass unsere Gesellschaft spaltet" hat Mischke selbst erfahren, wie schnell man selbst Opfer von Fake News wird. Wie schwer es ist, mit Fakten zu überzeugen. Und wie leicht manche den Anschluss zu Freunden und Familie verlieren.

Autor: Katharina Happ

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