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Der ''Curiosity''-Roboter erkundigt seit August 2012 erfolgreich den Mars.
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TV-Doku ''Mission zum Mars'' auf Arte: Der ''Curiosity''-Roboter erkundigt seit August 2012 erfolgreich den Mars. / Foto: ARTE France / © NASA

Nasa-Roboter ''Curiosity'' im Einsatz

TV-Doku ''Mission zum Mars'' auf Arte

  • Artikel vom 24. August 2013

Krater Gale, 21. Juli 2013: Beharrlich kämpft sich der Mars-Rover "Curiosity" durch den braunen Staub. Seine Kameras erfassen jeden Felsbrocken, jede tückische Spalte, jedes Hindernis auf dem Weg zum fernen Ziel. Am Ende des Tages hat der Forschungsroboter eine neue Rekordstrecke zurückgelegt: 100,3 Meter! Nur eine Etappe auf seiner monatelangen Reise zum 5500 Meter hohen Berg Aeolis Mons.

So nah wie mit "Curiosity" war der Mensch dem Mars noch nie. "Diese Mission kann unsere Erkenntnisse über den Planeten weiter voranbringen, als es je möglich war", verspricht Projektmanager Michael Watkins.

Rollten zuvor mit "Spirit" und "Opportunity" fleißige, aber kleine Roboter über den Mars, ist jetzt ein Labor im Kleinwagenformat im All unterwegs: 3 Meter lang, 2,7 Meter breit, 899 Kilogramm schwer. Plutonium liefert die Energie, 17 Kameraaugen scannen das Gelände. "Wir schicken 15-mal so viele wissenschaftliche Instrumente mit", so Watkins.

Blick in eine fremde Welt

Kosten der Nasa-Mission: 2,5 Milliarden Dollar! Entsprechend raffiniert ist die Technik. Mit einem Laser verdampft "Curiosity" (auf Deutsch: Neugier) Gesteinsproben und analysiert deren Zusammensetzung per Röntgenspektrometer. Erstmals setzt der Mensch einen Schlagbohrer zur Probenentnahme auf einem fremden Planeten ein: Der schwenkbare Roboterarm bohrt nicht nur, sondern, baggert, misst, fotografiert und befördert die Proben ins innere Labor des Rovers.

Eigentlich sollte "Curiosity" nach dem komplizierten Landemanöver am 6. August 2012 monatelang üben, bevor er den beschwerlichen Weg zum Hauptziel Aeolis Mons antrat. Doch schon das Ergebnis der ersten Proben machte die Forscher auf der Erde sprachlos: Der Roboter war mitten in einem ehemaligen Bachbett gelandet. Fotos zeigen rund geschliffene Kiesel, die jenen Steinen ähneln, die wir auf der Erde übers Wasser hüpfen lassen.

Landeanflug auf den Mars

Simulation des ''Curiosity''-Rovers im Landeanflug auf den Mars (Foto: ARTE France / © NASA)

Auch die Landschaft erinnert verblüffend an zu Hause. Öde zwar, aber doch vertraut. Das ganze Gebiet war einst von Wasser bedeckt – hüfthoch, mit starker Strömung, vermutlich sogar trinkbar. Hier hätte es mikrobakterielles Leben geben können. In tonhaltigem Gestein fand das rollende Hightechlabor sogar Spuren von Schwefel, Stickstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Phosphor und vor allem Kohlenstoff – alles Elemente, die als wichtige Grundlage für Leben gelten.

Noch weitere Sensationen gefällig? Alles deutet darauf hin, dass der Mars einst eine dichte, wärmende Atmosphäre besaß. Ein Großteil entwich zwar ins All, doch die verbliebene Hülle ist weiter aktiv. Der Luftdruck, gerade mal 0,6 Prozent der Erdatmosphäre, schwankt, die Winde wechseln ihre Richtung, Staubteufel tanzen durch den Krater.

Mit den Kameras von "Curiosity" beginnt ebenfalls eine neue Ära der Marsforschung. Der zwei Meter lange Roboterarm schießt Selbstporträts des Rovers. Aus 850 zur Erde gefunkten Einzelfotos hat die Nasa zudem eine einzigartige Panoramasicht zusammengestellt – 1,3 Milliarden Pixel groß! Alle Interessierten können die Landschaft als Ganzes betrachten, aber auch ins Bild hineinzoomen und so selbst allerfeinste Details erkennen. Wer mit dem Blick über die Marsoberfläche wandern will, kann das unter http://mars.nasa.gov/multimedia/interactives/billionpixel/ tun.

Weithin sichtbar erhebt sich im Hintergrund des Fotos der Aeolis Mons, Hauptziel des Forschungsroboters. Seit Juni ist "Curiosity" dorthin unterwegs, meist vom Missionszentrum ferngelenkt, aber auch per Autonavigation. Die Forscher erhoffen sich von der Expedition neue Erkenntnisse über die Geschichte des Planeten. Denn der Berg in der Kratermitte weist auffällige Schuttschichten auf. Jede könnte eine Epoche aus den vergangenen Jahrmilliarden des Mars archivieren.

Aufbruch in die Zukunft

Wann der erste Mensch seinen Fuß auf den Mars setzt, bleibt indes ungewiss. Momentan wird der Nachfolgeroboter "Curiosity 2" entwickelt – aufbauend auf dem bewährten Design. Er soll 2020 die Forschungsarbeit fortsetzen und Technik für bemannte Missionen testen. 2016 könnte auch die europäische ExoMars-Mission starten, die wegen finanzieller Probleme unter keinem guten Stern steht.

Da mutet es ziemlich utopisch an, dass ausgerechnet die niederländische Privatstiftung Mars One eine Kolonie auf dem Roten Planeten gründen möchte. Schon im Jahr 2023 sollen erste Siedler dorthin abheben – ohne Rückfahrkarte.


Sendehinweis: ''Mission zum Mars''

Dokumentation über die Forschungsarbeit des Marsroboters "Curiosity"
SA, 24.8.,Arte, 20.15 Uhr

Autor: Kai Riedemann

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