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Hape Kerkeling als Königin Kleopatra
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''Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte'': Hape Kerkeling als Königin Kleopatra / Foto: © ZDF und Felix von Boehm

Ein Comedian auf Zeitreise

''Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte mit Hape Kerkeling''

  • Artikel vom 23. Oktober 2011

Am Anfang stand eine aberwitzige Idee: Einmal um den ganzen Globus und zugleich durch die gesamte Geschichte der Menschheit wollte der Produzent Gero von Boehm reisen, um Historie lebendig werden zu lassen. Begleitet von einem "Anchorman der Weltgeschichte", der sich humorvoll und kenntnisreich mit ihm auf den Weg machen würde. Für diesen Part kam eigentlich nur einer infrage: Deutschlands Pilgerkönig Nummer eins, Hape Kerkeling (46). "Niemand kann besser erklären als er, wer so alles am großen Rad der Geschichte gedreht hat – und wie wir zu dem wurden, was wir heute sind", so Gero von Boehm. Das Ergebnis: ein überaus kurzweiliger Trip in die Vergangenheit als sechsteilige TV-Reihe "Terra X: Unterwegs in der Weltgeschichte – mit Hape Kerkeling" (ab 23.10., 19.30 Uhr, ZDF).

HÖRZU begleitete Hape Kerkeling und Gero von Boehm exklusiv bei dieser Reise – und traf die beiden Fernsehgrößen beim Filmdreh im ehemaligen Massengefängnis von Paris, der Conciergerie.

Hape Kerkeling in Marie Antoinettes Todeszelle

Das Gemäuer ist nur spärlich beleuchtet, die Temperatur ist eisig. Kerkeling kauert im Kerker, eingesperrt in die winzige Todeszelle der französischen Königin Marie Antoinette (1755–1793). Hier saß Frankreichs erste Dame nach der Französischen Revolution ein, bevor ihr Leben auf dem Schafott endete. Uns läuft ein Schauer über den Rücken, als der Entertainer erzählt, was die Königin hier über Monate durchlitt: "In dieser Zelle wartete sie auf ihre Hinrichtung, während man nebenan ihren siebenjährigen Sohn eingesperrt hatte, um sie noch mehr zu quälen. Sie hörte sein Weinen und konnte nichts für ihn tun!" Seine Stimme klingt sehr bewegt, als er uns den Abschiedsbrief vorliest, den die Königin wenige Stunden vor ihrem Tod schrieb: "Meine Augen haben keine Tränen mehr. Ich kann nicht mehr um euch weinen, meine armen Kinder. Adieu, adieu!"

Nach zwei Anläufen ist die Szene im Kasten. Hape Kerkeling erweist sich als hoch professioneller Geschichtslehrer. Er hat aber auch schon einige Übung in diesem Job, schließlich ist er bereits seit Monaten unterwegs. Seine insgesamt 100-tägige Weltreise, verteilt auf zwei Jahre, führte ihn und den Produzenten Gero von Boehm zu Schauplätzen, an denen Zeitenwenden eingeleitet wurden und Geschichte bis heute allgegenwärtig ist: nach Ägypten, Griechenland, Italien, Israel, Russland, Spanien, China, zu den alten Kulturen Südamerikas – und sogar auf ein historisches Segelschiff, das Hape zur New Yorker Freiheitsstatue brachte.


Bilderstrecke unten: Hape in seinen verschiedenen Rollen


Reichlich Aufwand und viele Strapazen für Geschichtsstunden der besonderen Art: "Wir wollen die Zuschauer mit viel Humor auf eine persönliche Reise durch 5000 Jahre Menschheitsgeschichte locken", sagt Gero von Boehm, "und auf diese Weise Historie für jedermann erklären. Deshalb schlüpft Hape in die Rollen von 20 großen Figuren der Geschichte, von Pharao Echnaton bis Michail Gorbatschow, und erklärt humoristisch, welche besondere Rolle sie im Lauf der Welt spielten."

Napoleon etwa beschreibt Kerkeling so: "Er war der Ausdruck des menschlichen Willens, Verkörperung des Weltgeistes. Vor ihm haben Fürsten und Könige gezittert. Wenn ich an ihn denke, höre ich Schlachtenlärm. Und Abbas ‚Waterloo‘."

Karl Marx, den Vater des Kommunismus, erklärt er den Zuschauern ebenfalls nicht ohne Ironie: "Jenny Marx fragte ihren Mann, was wohl wäre, wenn das Proletariat tatsächlich die Macht übernähme. Der Gatte erklärte: Dann wäre es auf jeden Fall besser, sie beide würden verschwinden. Er hatte vermutlich Angst, man würde ihm seine tollen Maßanzüge und die dicken Zigarren wegnehmen."

Und Hapes Fazit zum legendären Herrscher Shihuangdi fällt so aus: "Als chinesischer Kaiser, dachte ich, gäbe es jeden Tag lecker Pekingente und süßes Leben. Pustekuchen! Ein solches Riesenreich zu regieren ist richtig harte Arbeit. Dauernd muss man Befehle geben. Zum Beispiel den zum Bau der Großen Mauer."

Mit Erklärungen wie diesen werden die Fernsehzuschauer viele Größen der Weltgeschichte womöglich aus einem anderen, neuen Blickwinkel sehen – oder bisher unbekannte Persönlichkeiten auf ganz unkonventionelle Weise kennenlernen.

In Geschichte hatte Hape Kerkeling eine Vier

Auch Kerkeling selbst, der "völlig zu Recht in Geschichte eine Vier" hatte, versteht den Lauf der Weltgeschichte nach seiner aufwendigen Reise besser: "Der größte Reiz an diesem Projekt war, in die Geschichte einzutauchen als jemand, der weder Historiker noch besonders bewandert ist. Zudem war es toll, Schauplätze zu besuchen, die normalerweise niemand betreten darf. So war ich morgens um sechs Uhr allein im Vatikan, durfte durch den Garten Gethsemane in Jerusalem
gehen oder wurde nachts in der Grabeskirche eingeschlossen."

Historische Dokumente und Artefakte als Mitbringsel

Unvergessliche Momente, an die ihn künftig jede Menge Andenken erinnern, die er unterwegs gesammelt und gekauft hat: "Meine Mitbringsel sind beispielsweise die Kopie des Abschiedsbriefs von Marie Antoinette an ihre Kinder und die des Spickzettels von John F. Kennedy, den er bei sich trug, als er vor dem Rathaus in Berlin-Schöneberg ‚Ich bin ein Berliner!‘ rief. Außerdem besitze ich nun die Kopie eines Germanenhorns, aus dem in diesen wilden Zeiten das Bier getrunken wurde."

Autor: Mike Powelz

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