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Parade's End mit Benedict Cumberbatch und Adelaide Clemens
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Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) begleitet die junge Valentine (Adelaide Clemens) nach Hause. Doch im dichten Nebel bemerken sie zu spät, dass ein Automobil direkt auf ihre Kutsche zusteuert. - Foto: ARTE France / © Mammoth Screen Limited/BBC/Nick Briggs

Im TV: ab 7.6., 20.15 Uhr, Arte

Serienstart von "Parade's End"

  • Artikel vom 07. Juni 2013

Die Serie "Parade's End" (Start am Freitag, 7. Juni, 20.15 Uhr, Arte, s. auch TV-Tipps rechts) zeigt den Umbruch der englischen Gesellschaft nach 1900. Ein wunderschönes Kostümdrama.


Alles schimmert in Weiß: der Hut der Lady, den sie achtlos neben das Bett wirft, die verschwenderische Spitze ihrer Tüllrobe, der glänzende Marmorboden, die üppigen Rosen in der venezianischen Vase. Doch sosehr die Kamera in der edlen Ausstattung schwelgt, sosehr trügt die Farbe der Unschuld. Denn die Lady, die glamouröse Sylvia Satterthwaite, pflegt einen ganz und gar nicht unschuldigen Lebensstil.

Die Gesellschaftsdame hat sich zwar zur Ehe mit dem Landedelmann Christopher Tietjens entschlossen, doch noch am Vorabend der Hochzeit betrügt sie ihn mit ihrem Liebhaber. Daran lässt die erste Szene der mit Spannung erwarteten, neuen Serie "Parade's End" keinen Zweifel.

Nach dem riesigen Erfolg von "Downton Abbey" liegen nostalgische Kostümdramen wieder voll im Trend. Obwohl "Parade's End", auch als "Downton Abbey für Erwachsene" gelobt, zur selben Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, geht die Serie doch völlig andere Wege: Sie rückt den gesellschaftlichen Umbruch in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg viel stärker in den Mittelpunkt.

Benedict Cumberbatch in "Parade's End"

Star der Serie ist Benedict Cumberbatch (36), der als Detektiv "Sherlock" berühmt wurde. Aktuell erfreut er seine Kinofans als Oberbösewicht im neuen Weltraumhit "Star Trek Into Darkness". Allein sein Spiel macht "Parade's End" zu etwas Besonderem. Die Figur des Christopher Tietjens, eines Gentlemans alter Schule, passt wie angegossen. Mit steifer Oberlippe und zitterndem Kinn gibt er den ehrbaren Landedelmann, der die Eskapaden seiner Frau erträgt, weil eine Scheidung unter seiner Würde wäre. Dabei gehört sein Herz längst einer anderen: der bezaubernden Frauenrechtlerin Valentine.

Parade's End: Valentine und Christopher verliebt
Valentine (Adelaide Clemens) und Christopher (Benedict Cumberbatch) können ihre Liebe nicht länger verbergen. Foto: ARTE France / © Mammoth Screen Limited/BBC/Nick Briggs

"Die Idee, einen noblen Charakter in einem Kostümdrama zu spielen, war nicht gerade mein größter Wunsch", gesteht Cumberbatch im HÖRZU-Interview. "Ich verstehe die Welt der oberen Klasse, da ich sehr privilegierte Schulen besuchen durfte. Aber um mich wieder in ein Kostüm zu kriegen, musste man mir schon etwas sehr Außergewöhnliches anbieten." Und genau das ist die neue Serie.

Als Vorlage diente das gleichnamige Werk von Ford Madox Ford, das in England als Jahrhundertroman gilt. In dem Epos über das Wesen der britischen Gesellschaft verarbeitete der Autor, der halb Deutscher war, auch eigene Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg.

Produziert wurde die TV-Version von der britischen BBC und dem US-Sender HBO, der als "Edelserien-Schmiede" gilt. Das Drehbuch stammt von einer weiteren Größe: Oscar-Preisträger Tom Stoppard ("Shakespeare in Love").

Parade's End: Valentine und Christopher verliebt
Christopher (Benedict Cumberbatch) und seine Gattin Sylvia (Rebecca Hall). Foto: ARTE France / © Mammoth Screen Limited/BBC/Nick Briggs

Gefreut hat sich Weltstar Cumberbatch auch auf die Zusammenarbeit mit Rebecca Hall (31), die Gattin Sylvia spielt: "Ich kenne Rebecca seit über zehn Jahren und hoffe, dass unsere Freundschaft sich auch in der Serie widerspiegelt." Trotz aller Gegensätze blitzt zwischen beiden in vielen Szenen tatsächlich unausgesprochene Sympathie auf. Ergänzt wird das Ensemble durch hochkarätige Gaststars wie Rupert Everett ("Die Hochzeit meines besten Freundes").

Das Ende eine Epoche

"Parade's End" nur als weitere prächtige Unterhaltungsserie zu verstehen, greift zu kurz. Selten wurde das Zeitalter Eduards VII. In England, die kurze Phase zwischen 1901 und 1914, so nuanciert ausgeleuchtet. Es ist der melancholische Abgesang auf die Epoche der alten Klassengesellschaft.

Cumberbatch erläutert: "Das Wort ‚Parade‘ steht hier auch für die Idee einer altmodischen Stabilität und Ordnung, in der Menschen anderen verpflichtet sind – ob über und unter ihrem Rang. Es ist kein Konservatismus. Es ist eine Aufteilung, die dem Land, der Familie, den Mitmenschen dient. Für meine Figur geht sie zu Ende durch den Krieg, den Modernismus, das Zeitalter des Jazz. Das alles bringt Sitten und Gepflogenheiten durcheinander."

Parade's End: Valentine und Christopher verliebt
Christopher (Benedict Cumberbatch), der schwer verwundet wurde, kehrt aus dem Lazarett nach London zurück. Foto: ARTE France / © Mammoth Screen Limited/BBC/Nick Briggs

Noch heute, so der Star, würden sich in England viele an das alte Klassendenken klammern. Und er selbst? Ist er ein Romantiker? "Wenn Christopher Tietjens ein Romantiker ist, dann bin ich es auch. Das ist die inspirierendste Rolle, die ich je gespielt habe. Ich liebe diese Figur – mitsamt ihrer Sturheit und Entschlossenheit, immer das Richtige zu tun. Er erscheint fast komisch mit seinen perfekten Manieren, aber er ist ein echter, stiller Held."

Autor: Sabine Goertz-Ulrich

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