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Anna Karenina (Vittoria Puccini) und der charmante Graf Wronski.
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Anna Karenina (Vittoria Puccini) lernt in Moskau den charmanten Grafen Wronski (Santiago Cabrera) kennen. - Foto © ARD Degeto/Beta Film/LUX Vide

Im TV: 04.01., 20:15 Uhr, Das Erste

Neuverfilmung von Tolstois "Anna Karenina"

  • Artikel vom 03. Januar 2014

Die Neuverfilmung von Tolstois "Anna Karenina" erzählt mit großer Opulenz vom Unglück der Liebe. Beide Teile werden am Samstag, den 04.01.2014 im Ersten, 20:15 Uhr, ausgestrahlt.

Das Herz ist ein egoistisches Organ. Unberechenbar, fordernd und dennoch so verwundbar. Leo Tolstoi ist sich dieser Schwäche früh bewusst. Immer wieder kreist der russische Schriftsteller in seinen Werken um das Drama der Liebe, widmet sich ihm dann vollends in seinem Klassiker "Anna Karenina" (1878). Ein epochales Meisterwerk um Leidenschaft und Schuld, Freiheit und Verantwortung, das nichts an Aktualität eingebüßt hat und schon über 15-mal verfilmt wurde. Nun zeigt Das Erste (siehe TV-Tipp rechts) die italienisch-deutsche TV-Adaption des kanadischen Regisseurs Christian Duguay ("Augustinus").

Der opulent ausgestattete Zweiteiler setzt ganz auf die Wucht der literarischen Vorlage. "Der Stoff ist sehr geradlinig erzählt, wird manchmal fast zum Kammerspiel und rückt so ganz nah an die Figuren", sagt Benjamin Sadler, der neben der Italienerin Vittoria Puccini eine der Hauptrollen spielt. Puccini, bekannt aus der Serie "Elisa", spielt die schöne Anna, die im ausgehenden 19. Jahrhundert mit dem strengen Petersburger Staatsbeamten Alexej (Sadler) verheiratet wird. Als sie bei einer Reise dem Gardeoffizier Wronski (Santiago Cabrera) begegnet, bröckelt die Fassade ihrer freudlosen Ehe.

Welten stürzen ein

Wronski macht ihr ungeniert den Hof – und Anna verliebt sich, stürzt sich wider alle Vernunft in die Affäre mit dem Draufgänger und verlässt schließlich sogar Mann und Sohn. Gesellschaftlicher Selbstmord. Nicht allein für Anna. "Auch für Karenin stürzt die Welt ein", so Sadler. "Er ist ein Mann seiner Zeit, gefangen zwischen Konvention und Karriere. Für mich war es aber wichtig, ihm Herz zu geben. Karenin ist konservativ, keine Frage, aber nicht gefühllos. Er versucht, die Situation zu retten, bis auch er auseinanderbricht und die Ereignisse ungebremst ihren Lauf nehmen."

Flankiert wird die Tragödie zudem von den Geschichten rund um zwei weitere Familien: Fürst Stiwa (Pietro Sermonti) betrügt seine Frau Dolly (Carlotta Natoli), und der Gutsbesitzer Lewin (Max von Thun) ist hoffnungslos in die schöne Kitty (Lou de Laâge) verliebt. Ein aufwühlendes Triptychon der Liebe, das von Oktober bis Dezember 2012 an historischen Plätzen im Baltikum gedreht wurde und in seinen aufwendigsten Szenen bis zu 2000 Statisten versammelt.

"Ein traumhafter Rahmen mit historischen Kulissen, die den Geist Tolstois wunderbar einfangen", schwärmt Benjamin Sadler. Ihm wurde bei den Dreharbeiten einmal mehr klar: "Wir haben heute scheinbar alle Freiheiten, können uns über alle Konventionen hinwegsetzen. Tatsache ist aber: zu lieben ist auch heute nicht leichter."

Autor: Valerie Höhne

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