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Triumphfahrt durch Berlin im Konfettiregen nach New Yorker Muster.
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Triumphfahrt durch Berlin im Konfettiregen nach New Yorker Muster: Begleitet von einer Motorrad-Eskorte fahren der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy (l), der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt (M) und Bundeskanzler Konrad Adenauer (r) in einem offenen Wagen am 26. Juni 1963 durch Berlin. - Foto © PHOENIX/dpa

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''Mit Kennedy durch Deutschland''

  • Artikel vom 10. Juni 2013

John F. Kennedys Berlin-Rede schrieb 1963 Geschichte – hätte aber fast nicht stattgefunden. So war sein Triumphzug durch Deutschland wirklich.

Ein einziger Satz löst einen Jubelschrei aus 450.000 Kehlen aus. Es ist jener Satz, mit dem John F. Kennedy am 26. Juni 1963 seine legendäre Rede vor dem Schöneberger Rathaus beendet. "Ich bin ein Berliner!", ruft der US-Präsident auf Deutsch in die Menge. Seine Worte markieren den Höhepunkt seines unvergleichlichen Triumphzugs, der genau 50 Jahre zurückliegt. Der Film "Mit Kennedy durch Deutschland“ (siehe TV-Tipp rechts) zeichnet ihn nun mit vielen Zeitzeugenberichten und Originalaufnahmen nach.

Ein Versprechen auf Frieden

"Der Funke sprang über, wie ich es noch nie erlebt habe", erinnert sich Heinz Ickstadt, der den Auftritt des US-Präsidenten als 27-jähriger Student in Berlin miterlebte. "Kennedy war eine strahlende Gestalt, ein Mann, der die Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit erfüllte, der Amerika und die Welt auf den richtigen Weg bringen konnte." Ob in Köln, Bonn, Frankfurt oder Berlin – überall wird er gefeiert. Die Straßen sind geschmückt mit Fähnchen und Luftballons, die Menschen halten Transparente in die Höhe: "Deutschland grüßt Kennedy" und "Helfen Sie uns bei der Wiedervereinigung".

Doch in der heißen Zeit des Kalten Kriegs ist die in weiter Ferne. Die Kuba-Krise und die Berliner Mauer sind bedrohliche Zeichen der Auseinandersetzung zwischen Ost und West, der Sowjetunion und den USA. Die Welt steht am Abgrund eines Kriegs. Da wirkt der jugendliche, charismatische Kennedy wie ein Versprechen auf eine friedliche Zukunft. Für die Deutschen ist der 46-Jährige ein Hoffnungsträger.

Eingeladen hat ihn Bundeskanzler Konrad Adenauer – obwohl das Verhältnis der beiden Politiker nicht ohne Spannungen ist. Der US-Präsident hat den damals 87-jährigen Deutschen zuvor als "Schatten der Vergangenheit" bezeichnet, dessen Zeit abgelaufen sei. Doch Adenauer ist zu sehr Politprofi, um solche Angriffe persönlich zu nehmen. Ein Ziel verfolgt er jedoch: Er möchte Kennedy von Berlin fernhalten, um zu verhindern, dass SPD-Bürgermeister Willy Brandt von dem populären Staatsgast profitiert.

Adenauers Kalkül geht nicht auf: Als man Kennedy im Frühjahr 1963 auf eine mögliche Deutschlandereise anspricht, antwortet dieser spontan: "Ich hoffe, dass ich auch Berlin besuchen werde." Und so kommt es auch – sehr zur Freude Brandts, der als Vertreter einer neuen Politikergeneration wie ein Bruder im Geiste wirkt. Am 23. Juni 1963 landet Kennedy am Flughafen Köln/Bonn. Nach 1937, 1939 und 1945 ist es sein vierter Deutschlandbesuch. Doch diesmal kommt er als Freund. Hitler-Deutschland hatte er zweimal als Student besucht, das zertrümmerte Land direkt nach dem Krieg als US-Korrespondent.

Berlin: Insel der Freiheit

Nun kehrt er als Staatsmann zurück. Diesmal verkörpert Westdeutschland für ihn ein freies, demokratisches Land, das sich gegen den kommunistischen Osten behaupten muss. Zum Auftakt der viertägigen Reise nimmt er an einer Messe im Kölner Dom teil und trägt sich ins Goldene Buch der damaligen Hauptstadt Bonn ein. Die folgenden Tage mit den Stationen Hanau, Frankfurt und Wiesbaden werden zum Triumphzug. Sein Höhepunkt: der Empfang in Westberlin, wo mehr als zwei Millionen Menschen die Straßen säumen.

Kennedys Berliner Rede geht um die Welt. Die Stadt nennt er eine "Insel der Freiheit". Die Deutschen lieben ihn. Auch Kennedy ist bewegt. Beim Abflug um 17.15 Uhr sagt er zu einem Berater: "So einen Tag wie heute werden wir nie mehr erleben." Als der US-Präsident am 22. November 1963 einem Attentat zum Opfer fällt, sind die Deutschen ebenso fassungslos wie die Amerikaner.

Autor: Thomas Kunze

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