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Lernen von den Besten

ENGAGIERT: Aljona Savchenko und Bruno Masset trainieren Talente / Foto © Theodor Barth für HOERZU

In der HOLIDAY ON ICE ACADEMY

Lernen von den Besten

  • Artikel vom 26. August 2019

Die Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot zeigen Nachwuchstalenten, wie man zum Eislaufstar wird.

Blitzschnell gleitet Leon übers Eis. Vorwärts. Rückwärts. Im Kreis. Auf einem Bein. Er dreht sich, wirbelt, springt, rotiert in der Luft – und stürzt bei der Landung. Sofort rappelt er sich hoch und läuft in staunenswerter Unbeirrbarkeit gleich wieder los, um zum nächsten Sprung anzusetzen. Dabei ist der Blondschopf ­gerade mal zehn Jahre alt. Der Laie staunt. Die Profis nicken anerkennend. Die Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot stehen an der Bande und beäugen Leon mit sehr genauem Blick.


FÖRDERND: Massot gibt Leon Tipps für eine bessere Körperhaltung / Foto © Theodor Barth für HOERZU

Die besten Eiskunst-Paarläufer der Welt engagieren sich seit dem vergangenen Jahr für die HOLIDAY ON ICE ACADEMY. "Großartig, dass dieses Projekt die Nachwuchsförderung unterstützt, was eigentlich Sache des Verbands sein sollte", sagt Savchenko. An diesem Tag trainieren sie und Massot acht Talente in der Kölner ­Eissporthalle. Leon Rojkov aus Berlin ist der einzige Junge. Allein unter Mädchen.

Unter strenger Beobachtung

Er sehe sofort die Fehler, so Massot, der als Coach in der Schweiz tätig und seit zehn Monaten Vater eines Sohnes ist. Der 30-Jährige kurvt zu Leon und macht vor, wie er seine Haltung verbessern kann. "Don’t be shy. It’s no place to be shy." – "Sei nicht schüchtern. Es ist kein Ort, um schüchtern zu sein." Eine Probe. Leon, bitte!


KONZENTRIERT: Fliegengewicht Sasha beweist beim Butterfly viel Körperspannung (links) – GELENKIG: Hanna zeigt eine Bielmann-Pirouette, also eine Drehung im Standspagat (rechtes Bild) / Fotos © HOLIDAY ON ICE, Martin Miseré

Auch Savchenko, obwohl im siebten Monat schwanger, bewegt sich in ihren Schlittschuhen mit goldenen Kufen leichtfüßig auf dem Eis. Sie fordert die zehnjährige Sasha Tandogan aus Stuttgart auf, bei den Sprüngen mehr mit den Armen zu ar­beiten. "So als wolltest du fliegen"“ Sie rät Hanna Keiß aus Sonthofen, "nicht hektisch zu werden". Die Zwölfjährige biegt sich spektakulär zur Biellmann-Pirouette. Die Gold-Läuferin schaut genau hin. Es gibt kaum etwas, woran sich nicht feilen lässt. Mehr Tempo beim Salchow, Rittberger, Toeloop, mehr Konzentration, mehr Blickkontakt zum Publikum.


GRANDIOS: Savchenko und Massot während ihrer Goldkür bei Olympia 2018 / Foto © ddp images, LaPresse

Aus eigener Erfahrung weiß die 35-Jährige: "Es sind oft unzählige Stunden, die du an einem winzigen Element arbeitest." Sie versuche, die Kinder dazu zu motivieren, und ist zugleich das beste Vorbild: sieben Tage Training die Woche, acht Stunden pro Tag, mit 50 bis 100 Sprüngen – und das über Jahrzehnte. Klar, dass sie dabei häufig schmerzhaft auf dem Eis landete. "Der erste Schritt, den wir machen, ist zu stürzen – und wieder auf­zustehen", erklärt Savchenko. Doch selbst die Jüngsten wissen das längst. Leon: "Man gewöhnt sich an die blauen Flecken."

Eiskunstlaufstars werden im Kindesalter gemacht. Mit 15 Jahren müssen sie alles draufhaben. Das verlangt bereits den Kleinsten ein beinhartes Training ab. Mit Unterstützung der Eltern. Der Aufwand an Zeit und Kosten, den sie für die Leidenschaft der Kinder leisten, ist immens. Rund 700 bis 800 Euro blättere sie im Monat für Ausrüstung, Vereins- und Kurskosten hin, erzählt Sashas Mutter Anuschka Tandogan. Ihre Tochter war 20 Monate alt, als sie mit dem Schlittschuhlaufen begann. Leon drei, Hanna vier Jahre. Inzwischen trainieren alle drei fast täglich zwei bis drei Stunden. Dazu machen sie Ballett und Athletiktraining. Bedenklich? „Wieso?“, fragt Leon. „Es bringt doch Spaß.“ Ein ­Lächeln huscht über seine Lippen.

Beeindruckend, welche Stärke sich hinter den zarten Gesichtern verbirgt. Wie können Kinder so reif sein? So diszipliniert, so zielstrebig? Was sie antreibt, sind keine ehrgeizigen Eltern, keine verbis­senen Trainer – es sind sie selbst. Weil sie unbedingt Star auf dem Eis werden wollen. "Das Wichtigste ist, dass sie Träume haben", sagt Savchenko. Sie ist überzeugt: "Wenn man ein Ziel hat, kann man es auch erreichen." Klar, dass sie selbst als wer­dende Mutter kein Comeback ausschließt und betont: "Ich liebe den Wettkampf."


DISZIPLINIERT: Kama, Aurelia, Carolina und Sasha (v.l.) machen Aufwärmübungen / Foto © Theodor Barth für HOERZU

Auf großer Showbühne

"Zu Olympia", möchte Leon, "und zu ­HOLIDAY ON ICE." Zumindest Letzteres hat er schon erreicht. Er wird im Februar 2020 bei HOLIDAY ON ICE SHOWTIME in Berlin auftreten. Auch für alle anderen Workshop-Teilnehmer erfüllt sich der Wunsch nach einem Auftritt in der größten Eisshow der Welt. "Auf der Eisbühne zu stehen und nach dem Auftritt den Applaus vom Publikum zu bekommen, das berührt einen sehr und gibt einem so viel Energie", sagt Massot. Er muss es wissen: Im vergangenen Jahr absolvierten die Olympiasieger 20 Showauftritte. Weitere sollen folgen. Doch jetzt, so Savchenko, "will ich erst einmal mein Kind bekommen."

Weltgrößte Eisshow

Mit mehr als 330 Millionen Besuchern ist HOLIDAY ON ICE die meistbesuchte Eisshow der Welt. Seit über 75 Jahren wird Eiskunstlauf auf höchstem Leistungsniveau gezeigt, mit Elementen aus Theater, Tanz, Oper, Pop, Magie, Musical und Akrobatik. In der kommenden Saison 2019/2020 geht HOLIDAY ON ICE mit zwei spektakulären Shows auf Deutschlandtour: SUPERNOVA vom 27.11. bis 23.2. und SHOWTIME vom 5.12. bis 13.4. Tickets: ab 24,90 Euro bzw. 19,90 Euro für Kinder. Infos unter holidayonice.de


Hanna und Zoe (v.l) dürfen bei einer Show von HOLIDAY ON ICE auftreten / Foto © Theodor Barth für HOERZU

Autor: Anja Matthies

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