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Martina Gedeck und Klaus Maria Brandauer in dem TV-Drama ''Die Auslöschung''
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Martina Gedeck und Klaus Maria Brandauer in dem TV-Drama ''Die Auslöschung'' / Foto: © SWR/Petro Domenigg

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Klaus Maria Brandauer im Interview

  • Artikel vom 07. Mai 2013

Diese Rolle ist eine Herausforderung, selbst für einen Charakterkopf wie Klaus Maria Brandauer (69). Im Film ''Die Auslöschung'' (8.5., Das Erste, 20.15 Uhr) spielt er den Kunsthistoriker Ernst Lemden, der bei einem Vortrag über "Die Bedeutung des Schattens in der Malerei" zwar die Liebe seines Lebens kennenlernt, dann aber selbst in den Schatten gleitet. Er erkrankt an Alzheimer. Als Geistesarbeiter muss er seinen geistigen Verfall ertragen. Eine harte Probe, auch für seine Beziehung. HÖRZU traf Brandauer zum Gespräch über ein schwieriges Thema.

HÖRZU: ''Die Auslöschung'' – das klingt sehr hart. Warum dieser Filmtitel?

Klaus Maria Brandauer: Es gibt nichts, was uns Menschen nicht zumutbar wäre. Mit Alzheimer kann jeder konfrontiert werden. Sicherlich haben wir alle in der näheren oder weiteren Verwandtschaft oder im Freundeskreis Menschen, die betroffen sind.

HÖRZU: Warum empfinden wir Alzheimer als besonders grausames Schicksal?

Klaus Maria Brandauer: Die Krankheit schreitet über viele Jahre fort. Es gibt in ihrem Verlauf einen Punkt, der sich "gnädige Schwelle" nennt. Das ist jener Moment, in dem man vergisst, dass man immer mehr vergisst. Wer diese Schwelle überschreitet, wird tatsächlich "ausgelöscht".

HÖRZU: Die Gesellschaft wird älter, die Zahl dementer Menschen steigt. Beängstigend?

Klaus Maria Brandauer: Kürzlich las ich, dass mehr Geld für Schönheits-OPs, für die optische Verbesserung des Körpers und den Erhalt der Virilität bis ins hohe Alter ausgegeben wird als für die Erforschung von Alzheimer. Der Autor des Artikels hatte eine Vision: Eines Tages treffen sich Männer und Frauen mit wunderbaren Körpern, großen Busen und hoher Potenz, die sich nicht mehr daran erinnern, was man damit machen kann. Darüber musste ich herzlich lachen. Dabei fiel mir auf, dass wir gern über Menschen lachen, die Probleme mit dem Gedächtnis haben. Warum eigentlich?

HÖRZU: Im Film steht Judith dem geliebten Kranken bis zum Ende bei. Alzheimer wird Teil des Lebens. Ist das richtig?

Klaus Maria Brandauer: Es ist selbstverständlich, dass wir krank werden, dass wir sterben. Doch das hat sich offensichtlich immer noch nicht herumgesprochen. Deshalb rennen viele, wenn jemand stirbt, herum wie gackernde Hühner. Wir könnten uns besser darauf vorbereiten, indem wir öfter an unseren Tod denken. Mir ist durchaus bewusst, dass mir durch Zufall, Vorsehung oder Schicksal etwas zustoßen kann und es mich dann nicht mehr gibt.

HÖRZU: Haben wir das Recht, uns selbst "auszulöschen", also das Recht auf Suizid?

Klaus Maria Brandauer: Über Leben und Tod entscheidet, wenn Sie gläubig sind, Gott. Sind Sie nur ein bisschen gläubig, nimmt das Schicksal Gottes Platz ein. Glauben Sie gar nicht, ist alles Zufall. Sie können es sich aussuchen. Ich verstehe, dass es Ereignisse im Leben gibt, die dazu führen, dass man nicht mehr leben möchte.

HÖRZU: Wäre Ihre eigene Lage aussichtslos: Wie würden Sie für sich entscheiden?

Klaus Maria Brandauer: Ich weiß es nicht. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte dann den Mut, alle durch meine christliche Erziehung angesammelten Werte wegzuschmeißen. Ein anderes Mal denke ich: Nein, das Leben soll so sein, dass ich nicht Hand an mich lege.

HÖRZU: Brauchen wir dafür neue Gesetze?

Klaus Maria Brandauer: Es soll bitte keine bürokratische Regelung diesbezüglich geben. Die Entscheidung über Selbsttötung oder Hilfe zur Selbsttötung ist etwas, das nur zwei Menschen, zwei Partner, gemeinsam lösen können. Ich finde, dass alle Regeln außer Kraft gesetzt werden dürfen, wenn zwei, die sich lieben, versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für sie richtig ist. Außerdem müssen wir davon wegkommen, Krankheiten als Tragödien zu interpretieren. Krankheit und Tod sind Teil des Leben. Wir müssen das Leben so annehmen.


Sendehinweis: ''Die Auslöschung''

Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck in einem herausragenden Film
MI, 8.5., Das Erste, 20.15 Uhr

Autor: Mike Powelz

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