Aktuelles
Henry Hübchen in der TV-Tragikomödie "Hoffnung für Kummerow"
Zur Bilderstrecke

In der TV-Tragikomödie "Hoffnung für Kummerow" kämpft Henry Hübchen gegen dörfliche Tristesse. Bild: © NDR/Saxonia Media/Volker Roloff

Im TV-Programm: "Hoffnung für Kummerow"

Interview mit Schauspieler Henry Hübchen

  • Artikel vom 22. Februar 2012

Schon als Kind trat Henry Hübchen in Fernsehspielen der DDR auf, später wurde er dort ein Star. Doch auch nach der Wende blieb Henry Hübchen ein gefragter Schauspieler, bei Publikum und Kritikern gleichermaßen beliebt. Anläßlich seines 65. Geburtstags sprach HÖRZU mit ihm über Freuden und Lasten des Älterwerdens.

HÖRZU: Zu Ihrem Geburtstag zeigt das Erste den TV-Film "Hoffnung für Kummerow". Freuen Sie sich darüber?

Henry Hübchen: Natürlich freue ich mich, wenn etwas gezeigt wird, in das ich Arbeit investiert habe. Aber meine Freude über den 65. hält sich sehr in Grenzen.

HÖRZU: Wie wollen Sie ihn denn feiern?

Henry Hübchen: Wahrscheinlich gar nicht. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal meinen Geburtstag gefeiert habe. Aber vielleicht liegt das am Alter, und ich bin nur vergesslich.

HÖRZU: Das klingt, als seien Sie nicht sehr glücklich über Ihr Alter?

Henry Hübchen: Mir geht das viel zu schnell. Zehn Jahre sind nichts. Wenn ich zehn Jahre weiter denke … Lieber nicht! Der Gedanke erschreckt mich.

HÖRZU: Wissenschaftler raten, im Alter aktiv zu bleiben. Sehen Sie das auch so?

Henry Hübchen: Sie haben mich überzeugt: Ich werde weiter arbeiten! Ich merke natürlich, dass ich älter werde, weil alle wollen, dass ich es feiere. Aber ich ignoriere mein Alter. Vielleicht ist das Zeichen meiner Oberflächlichkeit, doch es hilft.

HÖRZU: Sie können aber nicht ignorieren, dass Sie bald Rente bekommen. Ein schmerzlicher Einschnitt?

Henry Hübchen: Im Gegenteil, darüber freue ich mich. Ich habe 45 Jahre lang eingezahlt. Und dass ich Rente bekomme, heißt ja nicht, dass ich in Rente gehe. Das ist in meinem Beruf anders als bei einem Angestellten, der in einer Firma mit geregelten Arbeitszeiten tätig ist. Ich habe immer ein unstetes Leben geführt. Das wird sich auch jetzt nicht ändern.

HÖRZU: Hat Sie das nie beunruhigt? Hatten Sie nie den Wunsch nach mehr Sicherheit?

Henry Hübchen: Ich hatte nie das Gefühl der Unsicherheit. Außerdem habe ich meinen Beruf immer als Privileg empfunden, weil man ständig unterschiedliche Menschen, Länder und Situationen kennenlernt. Und jetzt kommt also die Rente – auch so ein Privileg.

HÖRZU: Warum?

Henry Hübchen: Die Rente ist meine Grundsicherung. Jetzt bin ich nicht mehr käuflich.

HÖRZU: Aber das war doch nie Ihr Problem. Sie stehen doch sehr hoch in der Gunst des Publikums und der Kritiker.

Henry Hübchen: Da möchte ich Ihnen ungern widersprechen. Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich glaube nicht an die Werthaltigkeit meiner Rente. Sie sehen, ich bin ein Pessimist. Und den Unsinn, den ich in meiner Karriere gemacht habe, den habe ich verdrängt.

HÖRZU: Sind Sie sehr wählerisch?

Henry Hübchen: Das nützt insofern wenig, weil man niemals weiß, was am Ende bei einem Film rauskommt. Wir Schauspieler sind ja nur Zulieferer, nur ein Teil des Ganzen.

HÖRZU: Was ist Ihnen wichtig im Hinblick auf den Teil, den Sie liefern?

Henry Hübchen: Dass ich nie ganz glatte Typen spiele. Eindimensionale Figuren langweilen mich. Solche Menschen gibt es auch im richtigen Leben nicht. Wir stecken alle voller Widersprüche.

HÖRZU: In "Hoffnung für Kummerow" (s. TV-Tipp rechts) spielen Sie einen Bürgermeister, der sich dem Unvermeidlichen nicht fügen mag und alle Nackenschläge wegsteckt. Sind Sie auch so ein Stehaufmännchen?

Henry Hübchen: Nein, ich bin nicht so ein optimistischer Anpacker, sondern sehr stimmungsabhängig. Zwar kann ich mich leidenschaftlich in etwas hineinsteigern, aber ich lasse mich auch gern treiben und versinke in Lethargie. Gerade jetzt leide ich unter einer Winterdepression. Ich brauche Sonne. Mehr Licht!

HÖRZU: Ich würde dieses Gespräch gern hoffnungsvoll beenden. Es muss doch auch schöne Seiten haben, älter zu werden?

Henry Hübchen: Ich bin gelassener und humorvoller geworden. Früher wollte ich mehr erzwingen. Heute rege ich mich nicht mehr über jeden Blödsinn auf. Ich bin gütiger, geduldiger. Das ist doch hoffnungsvoll. Wer weiß, wo das noch hinführt.

Autor: Interview: Thomas Kunze

Anzeige