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3.000 Kandidaten wurden vom Team rund um Kai Pflaume deutschlandweit getestet.
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3.000 Kandidaten wurden vom Team rund um Kai Pflaume deutschlandweit für die ARD-Show "Der klügste Deutsche 2011" getestet. - Foto © ARD / Jacqueline Krause-Burberg

"Der klügste Deutsche 2011"

Interview mit Kai Pflaume

  • Artikel vom 22. Oktober 2011

HÖRZU: Nach einer achtwöchigen Castingtour durch ganz Deutschland haben Sie zwölf Kandidaten gefunden, die nun um den Titel "Der klügste Deutsche 2011“ kämpfen …

Kai Pflaume: Genau! Die Mischung dieser glorreichen Zwölf ist sehr interessant – sowohl alters- als auch berufsmäßig. Jeder unserer Kandidaten ist "aus dem Volk", es gibt nicht zehn Hochschullehrer, Doktoren oder Studenten. Die letzten Zwölf, das sind ein Versicherungsfachwirt, eine Pilotin, ein Lektor, eine Lehrerin, ein Puppenspieler, eine Radio-Moderatorin, ein Student, eine Studentin, ein Kurator, ein Werber, eine Tierärztin und ein Rentner.

HÖRZU: Doch wie steinig ist der Weg für die glorreichen Letzten bis zum Titel "Klügster Deutscher"?

Kai Pflaume: Durch zwei Semi-Finals reduziert sich die Zahl der Kandidaten auf acht, die dann in das Finale einziehen. Heute lässt sich noch nicht vorhersagen, wer Champion wird. Denn Allgemeinwissen ist nur ein Aspekt unserer Show. Ebenso wichtig sind die Praxisaufgaben, das angewandte Wissen und alles, was in die Richtung von Intelligenztests geht. Der klügste Deutsche muss in der Lage sein, jede Aufgabe zu lösen.

HÖRZU: Wie lässt sich das in einer TV-Show fesselnd darstellen?

Kai Pflaume: Wir haben einen spannenden Weg gefunden, denn bei uns geht es um Wissen in seinen verschiedensten Facetten: Einerseits müssen viele Fragen beantwortet werden, andererseits warten jede Menge praktische Aufgaben auf die Kandidaten, mit denen sie "angewandte Klugheit" belegen müssen. Letztlich geht es um Kombinationsvermögen, Geschicklichkeit, Cleverness und Menschenkenntnis sowie soziale und emotionale Intelligenz. All diese Einzelpunkte sind dezidiert erhoben worden, um fundiert einschätzen zu können, wie klug die einzelnen Bewerber sind.

HÖRZU: Aber wie lässt sich Klugheit messen?

Kai Pflaume: Wenn man sich nur auf eine schnelle Raterunde und einen einzelnen Logik-Test verlässt, wäre das nur ein nichtssagender Abriss. Man braucht, um die Klugheit richtig einschätzen zu können, noch mehr Facetten – und die haben wir durch den Computertest und die Schnelligkeit der Beantwortung eruiert. Im Halbfinale treten die sechs Kandidaten nacheinander vor die Jury. Sie absolvieren zuerst einen wissensbezogenen Test und anschließend einen Praxistest. Danach werden Eckart von Hirschhausen, Judith Rakers und Mathias Opdenhövel ihre Einschätzung abgeben. Der Gehirnforscher, Prof. Dr. Martin Korte, der uns beraten hat, erstellt anhand der Ergebnisse eines Kandidaten eine Beurteilung, welche Stärken und Schwächen ein Kandidat gezeigt hat.

HÖRZU: Doch wird die Klugheit der Kandidaten durch die Parameter von Dr. Korte skaliert?

Kai Pflaume: Nein. Klugheit lässt sich nicht messen. Es gibt dafür kein ultimatives Messverfahren. Letzten Endes bleibt es immer ein subjektives Ergebnis – weil manche Kriterien nicht vergleichbar gemessen werden können. Unsere Sendung ist ein Unterhaltungsformat. Es gibt keine wissenschaftliche Methode, die mit hundertprozentiger Sicherheit belegen kann, wie klug jemand ist.

HÖRZU: Was kann der Sieger mit dem Titel "Der klügste Deutsche 2011" anfangen?

Kai Pflaume: Erstens bekommt er 100.000 Euro. Zweitens wird es ihm bei seiner beruflichen Laufbahn sicherlich helfen, wenn er sich den Titel etwa als 22-jähriger Student verdient. Auch Lehrer haben sich bei uns beworben. Bei ihnen habe ich mich selbst gefragt, ob man den Schülern wünschen sollte, dass der Lehrer den Titel "Der klügste Deutsche" erlangt. Denn es bedeutet natürlich einen irrsinnigen Druck für die Schüler, wenn der Lehrer der klügste Deutsche ist. Dann könnten sie nichts mehr in Frage stellen.

HÖRZU: Welche Berufsgruppen haben besonders beim Casting brilliert – etwa Professoren oder Mitglieder des Hochbegabten-Vereins Mensa?

Kai Pflaume: Die einzige Gruppe, die sich überdurchschnittlich bei uns beworben hat, waren Studenten. Von der Hausfrau bis zum Wissenschaftler war alles dabei.

HÖRZU: Wie viele Bewerber gab es?

Kai Pflaume: Alles in allem 10.000.

HÖRZU: Hand auf’s Herz. Welcher dieser zehntausend Kandidaten hat Sie besonders beeindruckt?

Kai Pflaume: Eine ganze Reihe von Kandidaten. Ich habe sehr junge Leute erlebt, die extrem viel wussten – und obendrein analytisch top waren. Doch auch die breite Lebenserfahrung von Weit- und Vielgereisten sowie Menschen, die viel gelesen haben, hat mich beeindruckt.

HÖRZU: Ein HÖRZU-Leser hat es ebenfalls unter die Top 12 geschafft…

Kai Pflaume: Ja. Hartwig Johannsen war bei den Castings einer der Besten.

HÖRZU: Dabei ist er eher ein stiller Kandidat.

Kai Pflaume: Doch stille Wasser sind bekanntlich tief. Hochintelligente Kinder müssen ja auch nicht immer zwingend Top-Schüler sein. Und nicht jeder, der hochintelligent ist, kann das auch automatisch in wirtschaftlichen Erfolg umwandeln.

HÖRZU: Klugheit ist angemessenes Verhalten im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung von allen für die Situation relevanten Faktoren – so die Definition von "Klugheit" laut Wikipedia.

Kai Pflaume: Gut beschrieben. Klugheit kann ja auch das Wissen sein, dass die Herdplatte heiß ist – und die Hand deshalb nicht auf sie zu legen.

HÖRZU: Frau oder Mann – wer hat bei Ihnen in puncto Klugheit die Nase vorn?

Kai Pflaume: So klar lässt sich das nicht sagen. Zum Glück! Denn das Interessanteste ist immer das Unerwartete. Ich habe viele Kandidaten kennengelernt, von denen ich selbst nicht vermutet hätte, dass sie es so weit schaffen würden. Nur ein Fazit lässt sich ganz klar ziehen: Für den Titel haben sich deutlich mehr Männer als Frauen beworben – aber nicht, weil sie schlauer sind, sondern weil Männer eher zur Selbstüberschätzung neigen… Die weiblichen Kandidaten haben sich häufig gar nicht selber beworben, sondern sie wurden von Freunden oder Bekannten ermutigt, zu unserem Casting zu kommen.

HÖRZU: Ost- oder Westdeutschland – wer ist klüger?

Kai Pflaume: Das lässt sich allein deshalb nicht sagen, weil das Verhältnis der Bewerber aus den alten und neuen Bundesländern unterschiedlich ist. Unter den Top 12 sind drei Kandidaten aus den neuen Bundesländern – der Kurator und eine Studentin aus Rostock.

HÖRZU: Sind die Finalisten eher jung oder alt?

Kai Pflaume: Von Anfang 20 bis zum Rentenalter. Unser ältester Teilnehmer ist Mitte 60, kommt aus Düsseldorf, und hat ein Buch namens "Düsseldorfer Platthochdeutsch" geschrieben.

HÖRZU: Wie bewertet Ihr wissenschaftlicher Experte, Prof. Dr. Martin Korte, die Klugheit Ihrer Bewerber?

Kai Pflaume: Seine Erkenntnis lautet, dass sich besonders kluge Menschen nicht nur auf ein einzelnes Fachgebiet konzentrieren, sondern alles mögliche Wissen aufsaugen und dauerhaft speichern. Normalerweise konzentrieren sich überdurchschnittlich Intelligente irgendwann im Leben auf ein Wissensgebiet. Sie sind auf einem Gebiet super. Wir hatten eine Menge Bewerber, die in diese Kategorie fallen. Unsere Top 12 jedoch – und dazu zählt auch Hartwig Johannsen – saugen das Wissen von überall auf. Bisher konnten Menschen wie Hartwig Johannsen ihr komplexes Wissen nicht ummünzen. Jetzt gibt es die Chance dazu – in unserer Sendung. Mein Eindruck ist übrigens, aber das müsste man wissenschaftlich absichern, dass es auf jeden Fall eine Verbindung zwischen besonders hoher Intelligenz und Musikalität gibt. Es ist sehr auffällig, dass derjenigen, die bei uns als "schlaue Köpfe" aufgefallen sind, in irgendeiner Form eine musikalische Begabung haben. Die gleiche Erfahrung habe ich übrigens bei "Klein gegen Groß" gemacht. Sehr viele der Kinder, die wir in unserer Sendung haben, kommen aus einem Haushalt, in dem es besondere musikalische Begabungen gibt.

HÖRZU: Wie gehen Sie mit den "Casting-Verlierern" um, die in vergleichbaren Shows wie "DSDS" vorgeführt werden?

Kai Pflaume: Bei uns wird niemand veralbert. "Freaks", wie man sie etwa bei "Das Supertalent sieht, gab es auch bei uns – etwa den "Grashüpfer" mit Nickelbrille, glänzendem Frack und Zylinder. Für Bewerber wie diese haben wir eine Rubrik à la "Unglaublich, was Menschen alles tun, um sich in Erinnerung zu bringen". Aber das ist nur eine kurze Sequenz – und dort wird nichts süffisant oder hämisch kommentiert.

HÖRZU: Was zeichnet Ihre prominente Jury aus?

Kai Pflaume: Jedes unserer drei Jury-Mitglieder bringt bestimmte Kompetenzen mit. Judith Rakers, Mathias Opdenhövel und Eckart von Hirschhausen verfügen über ein profundes Allgemeinwissen, doch darüber hinaus haben sie auch spezielle Kompetenzen. Bei Judith Rakers sind diesbezüglich das tagesaktuelle Zeitgeschehen zu nennen, bei Matthias Opdenhövel der Sport, bei Eckart von Hirschhausen die Wissenschaft. Darüber hinaus harmoniert die Jury sehr gut, bringt viel Leben in die Show und gibt den Kandidaten ein gutes Gefühl – denn Nervosität ist hinderlich in unserer Show.

HÖRZU: Wie hoch ist Ihr eigener IQ, Herr Pflaume?

Kai Pflaume: Das weiß ich nicht. Es hat sich nie ergeben, ihn testen zu lassen. In der Schule hatte ich die Nase in den Fächern Mathe und Physik vorn – weil sie mich besonders interessiert haben. Insgesamt habe ich ein ganz ordentliches Abitur gemacht – mit der Abschlussnote 1,7. Mein sechs Jahre älterer Bruder hat die Messlatte immer sehr hoch gelegt – er hatte von der Schulzeit bis zur Diplomarbeit immer einen Einser-Schnitt. Das Lernen fiel mir immer sehr leicht, ich habe viel aus der Schule mitgenommen. Besonders gut war ich immer in den Fächern, die mir auch sehr viel Spaß gemacht haben.

HÖRZU: Wie leicht wären die Aufgaben aus Ihrem Quiz-Casting für Sie selbst lösbar gewesen?

Kai Pflaume: Die schnelle Raterunde ist sehr breit aufgestellt. Ich glaube, ich wäre da guter Durchschnitt gewesen.

HÖRZU: Welchen Deutschen bewundern Sie wegen seiner Klugheit?

Kai Pflaume: Für mich ist unser Bundespräsident ein sehr kluger Mensch, weil er es schafft, sehr unterschiedliche Generationen gleichermaßen zu erreichen. Das ist per se eine große Herausforderung. Seine Sprache versteht die junge Generation, doch sie erreicht auch die älteren Deutschen und vermittelt das, was diese von einem Bundespräsidenten erwarten. Das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe, die man in diesem Amt bewältigen muss.

HÖRZU: Wie trainieren Sie Ihre kleinen grauen Zellen?

Kai Pflaume: Grundsätzlich ist Sport für mich wichtig. Er hilft mir dabei, Kondition aufzubauen – was sich positiv auf die Konzentration auswirkt. Außerdem macht Sport den Kopf frei. Ansonsten nutze ich viele Informationsquellen, lese viel "quer" und spiele gern Gesellschaftsspiele. Denn auch dabei ist Logik gefragt. Außerdem habe ich ein gutes Namens- und Gesichter-Gedächtnis. Das hat aber mehr mit Aufmerksamkeit zu tun. Man weiß viele Namen nicht, weil man sie schon bei der ersten Vorstellung nicht gut verstanden oder nicht gut genug zugehört hat. Deshalb frage ich nach, wenn ich etwas nicht verstanden habe – und verinnerliche die Namen. Obendrein moderiere ich immer frei – das habe ich lange trainiert.

HÖRZU: Wird es auch "Der klügste Deutsche 2012" geben?

Kai Pflaume: Die Show ist als Event konzipiert. Wenn die Quote stimmt und der Zuschauer Interesse und Spaß an unserer Suche nach dem klügsten Deutschen hat, ist eine Fortsetzung denkbar.

HÖRZU: Vielen Dank, Kai Pflaume, für das Interview.

Autor: Mike Powelz

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