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Iris Berben im Interview über ihren neuen Film "Meine Familie bringt mich um!"
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Iris Berben in "Meine Familie bringt mich um!"; Bild: © ZDF/Stefan Erhard

"Ich würde gern ewig leben!"

Interview mit Iris Berben

  • Artikel vom 31. Januar 2011

Ein Nobelrestaurant in Berlin. Mittagszeit. Geschäftsleute, Banker und Touristen sind in lebhafte Gespräche vertieft. Da schwingt die Eingangstür auf – und plötzlich wird es still im Raum. Alle Augen richten sich auf die Frau, die elegant den Raum betritt: Iris Berben (60).

Die Schauspielerin erntet bewundernde Blicke von männlichen und weiblichen Gästen. Keine Frage: Diese Frau umgibt eine Aura. Selbst die leichte Grippe, unter der sie leidet, kann dem nichts anhaben. Und hindert sie auch nicht daran, mit HÖRZU intensiv über ihren neuen Film "Meine Familie bringt mich um!" (s. Bildergalerie und TV-Tipp rechts) zu sprechen – und ihre mutige Rolle als frustrierte Ehefrau und Mutter in der Mitte des Lebens, also am Rande des Nervenzusammenbruchs.

HÖRZU: Eine Ehe ohne Sex, undankbare Kinder, eine demenzkranke Mutter – und obendrein die Wechseljahre. Als verzweifelte Helen müssen Sie viel ertragen. Doch ist das überhaupt realistisch?

Iris Berben: Ja. Dass Kinder ihren eigenen Lebensraum finden wollen, ist normal. Eine Ehe, die sich nicht mehr durch Körperlichkeit ausdrückt, ist auch sehr real. Und über Demenz lesen wir jeden Tag. Natürlich ist im Film alles dramaturgisch zugespitzt, aber die Probleme existieren in vielen Familien.

HÖRZU: Im Film wird die Menopause "böses Wort mit M" genannt. Ein Tabu?

Iris Berben: Vielleicht, ja. Ich gehöre auch zu den Frauen, die kein Bedürfnis haben, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Persönlich nenne ich es "Häutung". Man tritt in eine andere Phase des Lebens ein. Aber man muss auch ein gewisses Gefühl von Scham und Zurückhaltung haben, nicht alles nach draußen zu tragen.

HÖRZU: Ihnen scheint die Zeit nichts anzuhaben. Oder schauen Sie auch manchmal in den Spiegel und hadern mit sich?

Iris Berben: Aber doch nicht erst jetzt! Es wäre ja auch gefährlich, wenn man diese Momente nicht kennen würde. Sich und die Dinge infrage zu stellen, seine Kraft immer wieder zu überprüfen, zu überlegen, wo man noch hinwill – all das sind Vorzüge des Älterwerdens. Wir haben unterdessen ja den Vorteil, dass wir unseren Beruf – anders als früher – bis ins hohe Alter ausüben können. Früher war die magische Grenze in der Schauspielerei der 40. Geburtstag. Heute gibt es viele Kolleginnen, die weit über 40 sind und fest im Sattel sitzen. Das hält einen trotzdem nicht davon ab, manchmal zu hadern und Dinge infrage zu stellen. Aber Zweifel ist ein guter Motor – zum Innehalten wie zum Weitermachen.

HÖRZU: Hat Älterwerden vielleicht mehr Vorzüge, als viele Menschen heute denken?

Iris Berben: Das negative Image des Alterns hat mit den Medien zu tun. Sie haben sich lange auf ein einziges Ideal geeinigt: die Jugend. Jetzt ändert sich das. Ich persönlich habe etwas gegen alle Beschneidungen und Kategorisierungen hinsichtlich Alter und Jugend. Mit 20, 30 und 40 habe ich mich anders mit dem Alter auseinandergesetzt als jetzt. Heute weiß ich auch um Endlichkeit. Doch was wäre die Alternative zum Alter? Nicht alt zu werden! Nicht mehr lange zu leben! Für mich ist ewige Jugend nicht erstrebenswert. Wohl aber das ewige Leben. Das hätte ich gern.

HÖRZU: Warum?

Iris Berben: Man möchte doch wissen, wie es weitergeht. Dranbleiben, neugierig sein – und sehen, was sich noch verändert in dieser schnelllebigen Welt. Technisch und gesellschaftlich.

HÖRZU: Mit 60 sind Sie noch nicht alt. Wo stehen Sie heute ganz persönlich?

Iris Berben: Ich bin in der privilegierten Situation, mir die Projekte aussuchen zu können, die ich machen will. Bis Mitte 2012 gibt es die verschiedensten Angebote. Das ist ein luxuriöser, schöner Zustand. Aber ich kann auch jeden verstehen, der sagt, ich würde mich gern ein bisschen zurückziehen.

HÖRZU: Rente mit 65 – denkbar für Sie?

Iris Berben: In meinem persönlichen Leben hat dieser Gedanke keinen Platz. Es gibt ihn aber als gesellschaftlichen Vorgang. Dass er mich nicht betrifft, heißt nicht, dass er mich nicht interessiert. Doch Lust, vom beruflichen Leben abzutreten, habe ich noch lange nicht.

HÖRZU: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Iris Berben: Es gibt zwei neue Folgen von "Rosa Roth" und den Film "Liebesjahre". Außerdem habe ich vier Fernseh- und zwei Kinodrehbücher vorliegen – und ich hoffe, dass alle sechs Projekte klappen. Abgedreht ist die Simmel-Verfilmung "Niemand ist eine Insel" – die Geschichte einer großen Schauspielerin, die an ihrer Berühmtheit kaputtgeht.

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Iris Berben – eine vielfältige Schauspielerin
Iris Berben begann als Komödiantin ("Sketchup", 1985), wurde später zur Charakterdarstellerin ("Buddenbrooks", 2008; "Krupp", 2009)

Autor: Mike Powelz; Bilder: © ZDF/Stefan Erhard

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