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Etwa eine halbe Million Menschen leben im Armutsviertel von Port au Prince.
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Etwa eine halbe Million Menschen leben im Armutsviertel von Port au Prince in Haiti. Viele haben nicht mehr als 2 Euro am Tag zur Verfügung, können ihre Kinder kaum ernähren. - Foto © ZDF / Manfred Karremann

Im TV-Programm: 13.03., 22:15 Uhr, ZDF

Gekaufte Kinder

  • Artikel vom 12. März 2012

Ein selbstloser Wohltäter. So wirkt John B. – auf den ersten Blick. Nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti 2010 sammelte der Berliner mit einem eingetragenen Verein Spenden für notleidende Kinder auf der verwüsteten Karibikinsel. Dann reiste er in die Krisenregion, um, wie er behauptete, ein Kinderheim aufzubauen. Ein gewissenloser Übeltäter. Das ist John B. – wenn man genauer hinsieht. Der vorbestrafte Sexualverbrecher kam nämlich nur nach Haiti, um Kinder in einer entlegenen Stadt in angemietete Zimmer zu locken. So sah sein "Kinderheim" aus – nur für Jungs übrigens. Denn John B. ist ein sogenannter "Boylover".

Auf Haiti kontrollierte niemand sein Treiben. Dort hatte der Berliner mindestens fünf Jungen in seiner Gewalt. Erst als er einen der Minderjährigen mit einem gefälschten Pass nach Deutschland holen wollte, flog er auf – durch Zufall. In seinem Gepäck fand die Münchner Flughafenpolizei eine Speicherkarte mit kinderpornografischen Inhalten. Die Handschellen klickten, im Januar wurde John B. in Deutschland verurteilt. Ein juristischer Erfolg.

Doch John B. ist leider kein Einzelfall. Das weiß auch TV-Journalist Manfred Karremann. "Es hat den Anschein, als ob immer mehr Pädophile eingetragene Vereine zur Unterstützung Armer gründen, hierzulande Spenden eintreiben und dann in Krisenregionen reisen, um dort gezielt Kinder zu missbrauchen", sagt er gegenüber HÖRZU. In seiner Dokumentation "37°: Gekaufte Kinder" klärt Karremann eindrucksvoll darüber auf: "Wäre es John B. gelungen, das Kind ungehindert nach Deutschland zu verschleppen, hätte er es vermutlich zu seinem 'Lustknaben' gemacht. Ich glaube, dass sich solche Fälle mittlerweile oft zutragen. Der Trick mit dem eingetragenen Verein und der vermeintlichen Gründung von Kinderheimen oder Waisenhäusern in Krisenregionen ist sehr beliebt unter Pädophilen."

Karremann fordert, dass deutsche Behörden künftig stärker prüfen sollten, ob es Sexualstraftäter sind, die Kinderhilfsvereine gründen. "Ich beobachte seit Langem mit großen Bauchschmerzen, dass die vermeintlichen Wohltäter in Kambodscha, Vietnam, Südamerika und Haiti tun und lassen, was sie wollen", klagt der Filmautor. "Krisengebiete sind ein Paradies für diese Täter. Momentan gibt es zu viele undurchsichtige 'Wohltäter' auf dem Sektor der Hilfsorganisationen."

Karremann hofft zudem, dass Urlauber, die seinen TV-Report sehen, verstärkt reagieren, wenn einheimische Kinder in den Pensionszimmern männlicher Touristen verschwinden. Vor allem in jenen von "Männern mit weißer Hautfarbe, die in Ländern wie Haiti den Nimbus eines Halbgotts haben". Laut Karremann sind Pädophile oft "alleinreisende Pensionäre, die sich in Deutschland zurückhalten, aber viele Monate im Ausland verbringen". Er ermutigt alle, die zweifelhafte Situationen beobachten, sofort eine E-Mail an eine BKA-Adresse zu schicken, die speziell zu diesem Zweck eingerichtet wurde: stopp-missbrauch@bka.de

Autor: Mike Powelz

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