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Als letzte Pharaonin Ägyptens verteidigte Kleopatra ihre Macht mit allen Mitteln
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Auftakt zur ZDF-Reihe ''Frauen, die Geschichte machten'': Als letzte Pharaonin Ägyptens verteidigte Kleopatra ihre Macht mit allen Mitteln. / Foto: © ZDF und Christina Rose

Auftakt mit Kleopatra

''Frauen, die Geschichte machten'' - neue Reihe im ZDF

  • Artikel vom 01. Dezember 2013

Heute wäre sie die Königin des Boulevards, würde die Schlagzeilen in der Klatschpresse bestimmen: Kleopatra war eine Frau, die sich nahm, was sie wollte. Die Pharaonin ließ sich mit den mächtigsten Männern ihrer Zeit ein, um ihre Ziele zu erreichen. Sie lieferte amouröse Skandalgeschichten und bestimmte gleichzeitig die Geschicke der Welt entscheidend mit. Eine unwiderstehliche Mischung. Und hochmodern. Zum Auftakt der sechsteiligen ZDF-Reihe ''Frauen, die Geschichte machten'' (Start: SO, 1.12., 20.15 Uhr) steht mit ''Kleopatra'' eine schillernde Figur der Weltgeschichte im Mittelpunkt.

Im Film erzählt die Pharaonin ihre Lebensgeschichte: Wie sie die Herzen der römischen Imperatoren Caesar und Antonius eroberte und damit die Unabhängigkeit Ägyptens sicherte. Wer war die Königin, um die sich zahlreiche Mythen ranken?

Mehr Charme als Schönheit

In Rom galt sie als gefährlich, musste sich gar als "königliche Hure vom Nil" verunglimpfen lassen. Später wurde sie zur größten Verführerin der Antike verklärt. Unser heutiges Bild ist stark geprägt von dem Hollywood-Schinken "Cleopatra" aus dem Jahr 1963 mit Elizabeth Taylor.

Auch Pegah Ferydoni, die persischstämmige Schauspielerin aus dem neuen ZDF-Film, ist eine schöne Frau. Aber war Kleopatra wirklich eine so unsterbliche Schönheit? Historiker bezweifeln das, denn Zeitgenossen äußerten sich eher selten zu ihrem Aussehen. Ihre Schönheit "war an sich nicht so bemerkenswert", schrieb etwa der Dichter Plutarch.

"Sie hatte eine kleinere Version der Hakennase ihres Vaters, volle Lippen, ein spitzes, vorspringendes Kinn und hochgeschwungene Augenbrauen. Ihre Augen waren groß und lagen tief." So lautet die Beschreibung der US-Journalistin Stacy Schiff in einer Biografie*. Zudem sei die Königin klein, schlank und hellhäutig gewesen: "Kleopatra hatte keinen dunklen Teint."


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Erst im Lauf der Jahrhunderte entstand der Mythos ihrer überirdischen Schönheit. Doch wenn es nicht ihr Äußeres war, was machte sie dann so begehrenswert, dass ihr die mächtigsten Männer zu Füßen lagen? War sie überhaupt eine große Verführerin, oder ist auch das ein Mythos, der den Fantasien männlicher Geschichtsschreiber in späteren Jahrhunderten entsprang?

Als Kleopatra Julius Caesar zum ersten Mal begegnet, ist sie 21 Jahre jung und mit ihrem Bruder verheiratet. Was sie "wohl kaum haben konnte, als sie im Oktober 48 vor Caesar stand, war sexuelle Erfahrung", so Schiff. Der römische Kriegsherr gilt mit 52 Jahren überdies schon als alter Mann.

Caesar, der große Verführer

Beide haben ein politisch-strategisches Interesse daran, sich zu verbünden: Sie will die Unabhängigkeit Ägyptens bewahren, er benötigt das fruchtbare Land am Nil als Kornkammer Roms. Zudem sind die Römer in Alexandria nicht willkommen, durch die Verbindung mit der Pharaonin erhofft sich der Kaiser Ruhe vor den Einheimischen.

Nicht Kleopatra, sondern Caesar gilt damals als großer Verführer. Die Pharaonin punktet weniger mit ihren äußerlichen Reizen als mit ihrem immensen Charme, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Intelligenz. Der Dichter Plutarch beschreibt sie als ein "berückendes, unwiderstehliches" Wesen. Zudem ist sie Repräsentantin einer prachtvollen Welt, die die Römer in Erstaunen versetzt. Das wohlhabende Alexandria ist damals eine der kulturell führenden Metropolen der Erde. Frauen spielen dort eine weit wichtigere Rolle als bei den Römern.

Feldherr Marcus Antonius

Auch Marcus Antonius (Timur Isik), der römische Feldherr, erlag Kleopatras Reizen. / Foto: © ZDF und Christina Rose

Weibliche Herrscher sind im alten Rom undenkbar, in Ägypten aber haben sie eine lange Tradition. Kleopatra wird 69 v. Chr. als Tochter von König Ptolemaios XII. geboren. Der Herrscher sorgt für eine umfassende Bildung seiner fünf Kinder. Kleopatra soll neun Sprachen beherrscht haben. Caesar ist bezaubert von ihr. Aber liebt sie ihn? Auf jeden Fall haben beide den gemeinsamen Sohn Caesarion. Als Caesar 44 v. Chr. ermordet wird, verliert sie ihren Schutzpatron. Aber sie erobert auch das Herz seines Nachfolgers Marcus Antonius.

Diesmal ist es die große Liebe, der dann drei Kinder entstammen. Wieder steht Kleopatra im Zentrum der Macht und kann die Unabhängigkeit Ägyptens vorerst sichern. Doch es ist nur ein Aufschub. Der Krieg mit Caesars Adoptivsohn Octavian zerstört das Liebesglück. Die Schlacht von Actium läutet 31 v. Chr. das Ende des Traumpaares der Antike ein.

Um der Demütigung durch Octavian zu entgehen, begehen Antonius und Kleopatra unabhängig voneinander Selbstmord. Der tödliche Biss der Kobra, der Kleopatras Leben ein Ende gesetzt haben soll, ist allerdings nur eine Legende. "Höchstwahrscheinlich schluckte sie einen tödlichen Trank", so Stacey Schiff.

Als Kleopatra mit 39 Jahren stirbt, endet ein schillerndes Leben voller Triumphe und Tragödien. Ägypten wird römische Provinz. Mit dem Tod der Pharaonin, die von 51 bis 30 v. Chr. in Alexandria regierte, geht ein Reich unter, das über 3000 Jahre Bestand hatte.


Sendehinweis:

''Kleopatra''
Auftakt zu der 6-tlg. Reihe "Frauen, die Geschichte machten"
SO, 1.12., ZDF, 20.15 Uhr
Teil 2: DI, 3.12., ZDF, 20.15 Uhr


Starke Frauen der Geschichte

Eine neue ZDF-Reihe würdigt historische Heldinnen, die mutig und kämpferisch ihre Zeit prägten und konsequent ihren Weg gingen. Das sind die Protagonistinnen:

Jeanne d’Arc

Jeanne d’Arc (Foto: © ZDF und Christina Rose)
Die französische Bauerntochter (1412 – 1431) kämpfte als Kriegerin gegen die englischen Besatzer. Sie glaubte an ihre göttliche Mission – endete aber auf dem Scheiterhaufen. Heute wird sie als Nationalheldin und Heilige verehrt.

Elisabeth I.

Elisabeth I. (Foto: © ZDF und Christina Rose)
Englands Königin (1533 bis 1603) regierte als letzte Vertreterin aus der Dynastie der Tudors ganze 45 Jahre lang. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich das britische Empire vor allem dank seiner starken Seeflotte zur Weltmacht.

Katharina die Große

Katharina die Große (Foto: © ZDF und Christina Rose)
Nach 18 Jahren unglücklicher Ehe mit dem Großfürsten Peter putschte sie sich 1762 an die Macht. Als russische Zarin regierte sie 34 Jahre lang das Riesenreich, reformierte es und etablierte es als europäische Großmacht.

Königin Luise

Königin Luise (Foto: © ZDF und Christina Rose)
Die unkonventionelle Luise von Preußen (1776 bis 1810) galt als Königin der Herzen. Offiziell ohne Macht, hatte sie großen Einfluss auf ihren Gemahl, König Friedrich Wilhelm III., und wagte es, Preußen gegen Napoleon Bonaparte zu positionieren.

Sophie Scholl

Sophie Scholl (Foto: © ZDF und Christina Rose)
Die mutige Münchener Studentin gilt heute als Ikone des Widerstands gegen das NS-Regime. Als Mitglied der christlich motivierten Gruppe "Weiße Rose" wurde sie 1943 hingerichtet – mit erst 21 Jahren.

Autor: Thomas Kunze

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