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Dr. Britta Konradt ist Ärztin und Anwältin für Arzthaftungsrecht.
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Dr. Britta Konradt ist Ärztin und Anwältin für Arzthaftungsrecht. / Foto: © dpa

Die wahren Hintergründe zum Film

''Engel der Gerechtigkeit - Ärztepfusch'' im ZDF

  • Artikel vom 24. November 2013

Die Diagnose Brustkrebs ist der Albtraum jeder Frau. Aber was, wenn sie sich einer Operation unterzieht und feststellt, dass der Chirurg ohne dringende Indikation beide Brüste entfernt hat? Im neuen Film der TV-Reihe ''Engel der Gerechtigkeit'' (SO, 24.11., ZDF, 20.15 Uhr) verliert die Patientin jeden Lebensmut, ihre Ehe kriselt, das gemeinsam geführte Unternehmen gerät ins Schlingern. Waren fehlende Sprachkenntnisse des aus Spanien stammenden Operateurs schuld am Behandlungsfehler?

Für Fälle wie diesen gibt es in Berlin die Anwältin Dr. Britta Konradt, approbierte Ärztin und Juristin. Sie ist Fachanwältin für Medizinrecht und oft die letzte Station für Menschen, die sich falsch behandelt fühlen. Ihr wichtigster Rat lautet: Zunächst den Sachverhalt klären! Liegt eine Komplikation vor, ein schicksalhafter Verlauf oder tatsächlich ein Behandlungsfehler?

Von einem strafrechtlichen Verfahren rät die Anwältin zumeist ab. "Im Strafrecht gelten andere Spielregeln. 98 Prozent der Verfahren werden eingestellt. Entscheidender ist die zivilrechtliche Seite, also die Durchsetzung von Schmerzensgeld und Schadensersatz. Wir sind deshalb bemüht, zu einer außergerichtlichen Einigung zu kommen."

Engel der Gerechtigkeit

Am Krankenbett: Organspenderin (Esther Zimmering, M.) und Empfängerin (Denise Zich, r.) mit Anwältin Dr. Engel (Katja Weitzenböck) / Foto: © ZDF und Nicolas Maack

Ob etwa ein Mediziner mit guten oder schlechten Deutschkenntnissen operiert, ist nicht justiziabel. Konradt: "Die Klinik schuldet dem Patienten einen Operateur, der dem ärztlichen Standard entsprechend handeln kann. Kenntnisse der deutschen Sprache gehören nicht dazu."

Trotzdem macht sie allen Geschädigten Mut. "Kein Patient sollte sich aus finanziellen Erwägungen davon abhalten lassen, seinen Anspruch durchzusetzen." Hier beurteilt sie Fälle, die sich so oder ähnlich in ihrer Praxis zugetragen haben.

Narkosefehler

Ferdinand B. Der Patient wird mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert und sofort operiert. Aus der Narkose erwacht der 55-Jährige nicht mehr. Er liegt bis heute im Wachkoma und wird in einem Pflegeheim versorgt. Ein Fall für Dr. Britta Konradt: "Es gab nur negative Gutachten. Trotzdem bin ich ins Verfahren gegangen und habe einen sehr guten Vergleich abgeschlossen. Den Schaden kann niemand wiedergutmachen, aber durch den Schadensersatz in sechsstelliger Höhe muss die Ehefrau nicht aufs Geld achten."

Neues Medikament

Peter B. Der Wissenschaftler erkrankt kurz vor seinem 50. Geburtstag an multipler Sklerose und jagt seitdem jeder Hoffnung hinterher. Jetzt hat er von einem neuen, noch nicht zugelassenen Medikament gehört, das allerdings sehr teuer ist. Kann er die Verschreibung einfordern?

Anwältin Dr. Britta Konradt weiß: Seit dem Contergan-Skandal in den 60er-Jahren wird ein neues Medikament – aus guten Gründen – in vier unterschiedlichen Studien getestet. Das kann zeitintensiv und teuer werden. Oft ist die Forschung schneller als der Zulassungsprozess. Verschreibt der Arzt ein sogenanntes Off-Label-Medikament, ist er verpflichtet, über die besonderen Risiken aufzuklären. Zudem muss der Patient zustimmen. Die Krankenkassen bezahlen meist nur zugelassene Medikamente. Einen Anspruch auf jedwede kostenlose Medikamentierung hat der Patient nicht.

Kopfprämie

Susanne Z. Die Patienten hat Nierenprobleme. Sie wird vom Hausarzt in eine Klinik eingewiesen, in der man sie ihrer Meinung nach unsachgemäß behandelt. Sie hört, dass Hausärzten von der Klinik eine Prämie für jeden vermittelten Patienten gezahlt wird. Susanne Z. will dagegen klagen.

Dr. Konradt erklärt: Diese Praxis gibt es, und sie ist nur strafbar, wenn der Arzt angestellt ist, etwa in einem medizinischen Versorgungszentrum. Ein niedergelassener Mediziner macht sich nicht strafbar. Diese "Kopfgelder" werden etwa als prästationäre Behandlung abgerechnet und sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass auch Krankenhäuser um Patienten kämpfen. Einige Kliniken bieten schon eine Versicherung an, die Extras wie Einzelzimmer garantiert. So versuchen Kliniken, Patienten zu binden.


Sendehinweis:

''Engel der Gerechtigkeit - Ärztepfusch''
Neue Fälle aus der Praxis der Anwältin
SO, 24.11., ZDF, 20.15 Uhr
Weitere Folge am 15.12.


Engel der Gerechtigkeit

Die Patientenanwältin (Katja Weitzenböck) und der Arzt (Robert Atzorn) / Foto: © ZDF und Nicolas Maack

Doppelter Einsatz gegen Ärztepfusch

In "Engel der Gerechtigkeit" vertreten sie unterschiedliche Interessen – und versuchen doch, im Sinne der Patienten zu handeln: Dr. Patricia Engel (Katja Weitzenböck) ist Ärztin und Anwältin, ihr Vater, Prof. Brenner (Robert Atzorn), Chefarzt einer Klinik.

In der aktuellen Folge geht es um Fehler bei einer Brust-OP und das Drama um eine Nierenspenderin. Soll Brenner ein noch nicht zugelassenes Medikament einsetzen, um das Leben der Patientin zu retten?

Autor: Angela Meyer-Barg

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