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Isa Vermehren (Nadja Uhl) wird durch das KZ geführt.
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ZDF-Drama ''Ein weites Herz'': Isa Vermehren (Nadja Uhl) wird durch das KZ geführt. / Foto: © ZDF und Stefan Erhard

Eine Kabarettistin in der Nazizeit

Isa Vermehren • ZDF-Drama "Ein weites Herz"

  • Artikel vom 01. April 2013

"Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön", schmettert das junge Mädchen auf der Examensfeier, drückt die Ziehharmonika und pfeift auf zwei Fingern. Aber schon die folgenden selbst gereimten Zeilen lassen ahnen, dass sich ihr Übermut rächen könnte: "Unser Erster auf der Brücke ist ein Kerl Dreikäsehoch, aber eine Schnauze hat er wie ’ne Ankerklüse groß."

Wegen des Spottlieds, das womöglich auf Hitlers kleinwüchsigen Propagandaminister Goebbels zielt, wird Isa Vermehren das Abitur verweigert. Sie flüchtet sich in die Kunst, wird im Berliner Kabarett "Die Katakombe" auftreten und in einigen Unterhaltungsfilmen singen und spielen, bis das Naziregime endgültig zuschlägt.

Familie unter Verdacht

Das Leben der Sängerin, Kabarettistin und späteren Nonne Isa Vermehren (gespielt von Nadja Uhl) ist die Geschichte einer mutigen Frau und ihrer Familie, die von den Zeitläuften hart geprüft wird und dennoch zusammenhält. Die dunkelsten Stunden beginnen mit der heimlichen Flucht von Isas Bruder Erich und dessen Verlobter nach London. Isa und ihre Eltern (Iris Berben, Friedrich von Thun) werden daraufhin in Sippenhaft genommen.

Isa sitzt unter anderem im KZ Ravensbrück ein. Dort wandelt sich die freche Entertainerin zur gläubigen Christin. Mit einer Scherbe ritzt sie ein Kreuz in die Wand, ein Symbol, aus dem sie ihre Kraft ziehen wird. Als sie aus dem Zellenfenster heraus die drohende Exekution einer Jüdin erlebt, improvisiert sie Gedichtzeilen von Joseph von Eichendorff zu einem Lied. "Die Idee zu diesem Text kam von mir", sagt Nadja Uhl. "Es musste etwas Urdeutsches sein und uns an einen Schmerz führen, der für die Tiefe der deutschen Seele steht und gleichzeitig den Abgrund zeigt." Mit ihrer Intervention rettet die Frau am Fenster ein Leben: Der Nazischerge ist irritiert, die Erschießung wird ausgesetzt.

Nach dem Krieg wird die Familie Vermehren wieder zusammenfinden, auch die beiden Brüder kehren zurück. Isa ist zu diesem Zeitpunkt schon unterwegs zu neuen Ufern. Sie tritt in den Orden Sacré-Coeur ein, wird später in Hamburg die katholische Sophie-Barat-Mädchenschule leiten, die auch Iris Berben vier Jahre lang besuchte. Von Vermehrens Zeit als Sprecherin der TV-Sendung "Das Wort zum Sonntag" bleibt ein Satz in Erinnerung, der auch die Gefangene in Ravensbrück leitete: "Das, was ich nicht sehen will, werde ich auch nie begreifen können."


Sendehinweis: ''Ein weites Herz''

Schicksalsjahre einer Familie
Mit Nadja Uhl, Iris Berben, Friedrich von Thun
MO, 1.4., ZDF, 20.15 Uhr


Isa Vermehren

20.12.2005: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) unterhält sich vor der Verleihung der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen mit der Ordensempfängerin Isa Vermehren. / Foto: ©

Isa Vermehren (1918 – 2009) war Kabarettistin, wurde später Nonne. Die geborene Lübeckerin drehte aber auch Filme (u. a. "In jenen Tagen"). Als Sippenhäftling kam sie ins KZ, wurde nach Südtirol verschleppt und 1945 befreit. 1969 bis 1983 leitete sie eine katholische Schule in Hamburg, 1983 bis 1998 sprach sie das "Wort zum Sonntag" im TV.

Autor: Angela Meyer-Barg

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