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Bischof Waleran Bigod (Ian Mcshane) sabotiert den Bau der Kathedrale.
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"Die Säulen der Erde": Bischof Waleran Bigod (Ian Mcshane) sabotiert den Bau der Kathedrale. / Fotos: Egon Endrenyi Copyright: © Tandem Productions GmbH / Pillars Productions (Ontario) Inc. / Pillars Productions (Muse) Inc. All rights reserved

Besuch am Set in Ungarn

"Die Säulen der Erde" nach Ken Follett

  • Artikel vom 14. November 2010

Sein Grinsen ist voller Sadismus, sein Herz voller Hass: Gnadenlos treibt der Reiter die junge Frau in die Enge. Als sie in die Knie geht, setzt er ihre langen Haare in Brand. Sofort steht die Schöne in Flammen – so wie ihr ganzes Dorf. Auch wir stehen mitten in der Feuersbrunst: das HÖRZU-Team, das die Dreharbeiten zur Verfilmung des Weltbestsellers "Die Säulen der Erde" exklusiv besuchen durfte. Links von uns brüllt plötzlich ein Braunbär. Ein echter. Gott sei Dank in einem Käfig. Rings um uns verwüsten berittene Soldaten Marktstände, legen überall Feuer. Über uns brennt gnadenlos die Sonne – am Himmel über Ungarn, wo gerade der vierteilige TV-Film zu Ken Folletts Meisterwerk entsteht.

Nie zuvor haben wir derart spektakuläre Dreharbeiten besucht wie an diesem Junitag in Budapest. "Der Aufwand ist gerechtfertigt", erklärt Regisseur Sergio Mimica-Gezzan, nachdem er seine Leute mit einem lauten "Pihenés!" in die wohlverdiente Pause geschickt hat. "Wir setzen Ken Folletts Bestseller mit einem Etat von 40 Millionen US-Dollar um." Eine Summe, die Rola Bauer, Geschäftsführerin von Tandem Communications, gemeinsam mit ihrem Koproduzenten, dem Starregisseur Ridley Scott ("Königreich der Himmel"), aufgetrieben hat.

Sie erwecken das finstere Mittelalter zum Leben – mit 83 internationalen Schauspielern, einer 350 Mann starken Crew und 6000 Statisten. Star des achtstündigen Spektakels ist allerdings ein anderer: ein sakraler Monumentalbau. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Kathedrale von Kingsbridge – so wie im Bestseller, der seit 1990 weltweit rund 14 Millionen Mal verkauft wurde. Wie kann der Film den Erwartungen der riesigen Fangemeinde gerecht werden?

Als Erstes gehört zum Erfolgsrezept absolute Werktreue. Folletts Roman bietet eine Fülle packender Stoffe: eine leidenschaftliche Geschichte, die fünf Jahrzehnte umfasst, verwoben mit der Magie einer düsteren Epoche. "Aus rund 1100 Seiten Buchvorlage", so Drehbuchautor John Pielmeier zu HÖRZU, "entstand in zweijähriger Arbeit ein Fernsehdrehbuch voller spannender Schwertkämpfe. Zudem werden alle wichtigen Schlüsselszenen des Originals berücksichtigt."

Die Dramaturgie des Films folgt der des Romans. Die Geschichte spielt im England des 12. Jahrhunderts. Anno 1135 planen Steinmetz Tom Builder (Rufus Sewell) und Prior Philip (Matthew Macfadyen) im Dorf Kingsbridge die Errichtung einer großen gotischen Kathedrale. Doch die Bauarbeiten werden von dem intriganten Bischof Waleran (Ian McShane) und dem machthungrigen Adligen William (David Oakes) sabotiert. Hilfreich an Toms Seite steht sein Ziehsohn Jack Jackson (Eddie Redmayne), der sich in die verarmte Adlige Aliena (Hayley Atwell) verliebt. Ihre Verbindung wird durch Machtgier, Krieg, Religionskonflikte und Intrigen bedroht. Am Ende ist ein halbes Jahrhundert vergangen – und die Kathedrale vollendet.

Zweiter Erfolgsgarant ist die Spitzenbesetzung: Der englische Charakterschauspieler Rufus Sewell, der die Rolle des Kathedralenkonstrukteurs Tom Builder übernommen hat, wurde für seine Leistung bereits mehrfach ausgezeichnet. Als Bösewichte brillieren zwei Akteure, die beide schon den begehrten Part des Schurken in "James Bond"-Filmen innehatten: Götz Otto ("Der Morgen stirbt nie") und Anatole Taubman ("Ein Quantum Trost"). Bei den Dreharbeiten wurde ihnen einiges an Grausamkeit abverlangt: "Im Film muss ich einigen Leuten die Finger brechen und Ohren abschneiden", verrät Götz Otto.

Die dritte Erfolgsformel heißt historische Genauigkeit. Das bezieht sich auch auf das Aussehen der Kathedrale: Allein 100 Mitarbeiter schufen am Filmset in Ungarn eine neun Meter hohe Kulisse, die die Basis der Kirche zeigt. Am Computer wurden später die fehlenden 31 Meter des Monumentalbaus ergänzt. Zuvor musste allerdings ein grundlegendes Problem gelöst werden: Für das gotische Gebäude fehlte eine Vorlage. "Weil sich die Architektur zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert gravierend änderte, konnten wir es uns nicht erlauben, einfach Rückschlüsse aus dem 13. Jahrhundert zu ziehen", erklärt Regisseur Mimica-Gezzan. Um trotzdem historisch genau zu bleiben, orientierte sich das Kreativteam an der Kathedrale des walisischen Städtchens St. Davids in Pembrokeshire. Die hatte auch Ken Follett beim Schreiben des Romans vor Augen gehabt. Bis zu fünf Computerspezialisten arbeiteten einen Monat lang an der digitalen Aufstockung der Kirche.

Das Ergebnis begeisterte auch den Autor: "Schon als ich durch den fertigen Filmset spazierte, war ich zu 100 Prozent beeindruckt", sagt Ken Follett. "Mir wurde mit einem Mal klar: Der Bau einer Kathedrale war für die Menschen dieser Zeit ebenso bedeutsam wie die erste Mondlandung im Jahr 1969 für die Menschen unserer Zeit.“

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HINTERGRUND: Ken Folletts Meisterwerk: 1296 Seiten Liebe, Lügen, Leidenschaft

In der populären Liste der "101 Bücher, die jeder gelesen haben sollte" ("101 Books to Read Before You Die") steht das Epos des britischen Erfolgsautors auf Platz 27. Zudem wurde es bei der ZDF-Wahl "Unsere Besten" in der Kategorie "Lieblingsbücher" von den Deutschen auf Platz 3 gesetzt – hinter der Bibel und "Der Herr der Ringe". Das Erfolgsgeheimnis des Mammutwerks (Bastei Lübbe, 24,90 Euro): Follett skizziert die finstere Welt des Mittelalters so genau wie kaum ein Autor vor ihm. Zudem verknüpft er die dramatischen Ereignisse rund um den Bau der Kathedrale von Kingsbridge mit Liebe, Intrigen, Tod und Leidenschaft.

Gewinnen Sie einen ersten Eindruck von dem Vierteiler "Die Säulen der Erde" in unserer Bilderstrecke (siehe unten).

Autor: Mike Powelz

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