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Silvia Hanemann (Henriette Confurius)
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Silvia Hanemann (Henriette Confurius) soll Adolf Eichmann zweifelsfrei identifizieren. - Foto © NDR / Marion von der Mehden

Herbert Knaup als Adolf Eichmann

Die Akte Eichmann

  • Artikel vom 25. Juli 2010

Der Zugriff dauert nur Sekunden: Am Abend des 11. Mai 1960 kidnappen drei Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad einen unscheinbaren Mann mit Brille vor seiner Haustür in Buenos Aires. Kurz darauf wird er nach Israel ausgeflogen. Das Versteckspiel von Adolf Eichmann alias Ricardo Klement ist zu Ende. Hitlers "Buchhalter des Todes",
verantwortlich für die Deportation und die Ermordung von Millionen Juden, wird in Jerusalem in einem spektakulären Schauprozess angeklagt, im Dezember 1961 zum Tode verurteilt und ein halbes Jahr später hingerichtet. Wer war dieser Mann, der sich bis zum Ende den Anschein eines biederen Bürgers gab?

Das Dokudrama "Eichmanns Ende" stellt Interviews zwischen Eichmann und dem niederländischen Ex-SS-Mann Willem Sassen in den Mittelpunkt. Dem Gesinnungsgenossen und vermeintlichen Freund offenbart Eichmann seine wirre Gedankenwelt und einen blinden Untertanengeist. "Egal, was man mir befohlen hätte, ich hätte gehorcht." Wenn er etwas bedauert, klagt Eichmann, dann nur, dass er seine Aufgabe – die Deportation aller europäischen Juden, insgesamt etwa zehn Millionen Menschen – nicht zu Ende führen konnte. 2,5 Millionen schickte er in den Tod, so Historikerin Dr. Bettina Stangneth, die die Dreharbeiten beriet. Als Beobachter nahm er persönlich an Massenerschießungen teil.

Eichmanns Gegenspieler ist der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der sich für die strafrechtliche Verfolgung ehemaliger Nazis einsetzt. Er gibt Israels Geheimdienst den entscheidenden Tipp, weil er der deutschen Justiz nicht traut. Vor Gericht in Jerusalem präsentiert sich Eichmann als redlicher Bürokrat. Eine teuflische Maske, so Dr. Stangneth: "Er war latent sadistisch, hoch aggressiv, hatte eine Sexualneurose und eine empathische Störung." Keine einfache Rolle, die sich Darsteller Herbert Knaup beeindruckend aneignete: "Da war ein Widerwillen, aber auch eine Art innerer Pflicht. Man muss sich diesem Thema stellen."

Eichmann vor Gericht
Der Angeklagte im Glaskasten: 1961 geht dieses Bild (siehe Bilderstrecke unten, Bild 1) aus Jerusalem um die Welt. Der Mann, der Millionen in den Tod schickte, gibt den bloßen Befehlsempfänger, erklärt sich in allen 15 Anklagepunkten für unschuldig.

Verfolger und falsche Freunde: Sie trugen zur Aufklärung bei
Die deutsche Justiz wusste angeblich seit 1956, dass Eichmann unter falschem Namen in Buenos Aires lebte. Doch erst sein blinder Nachbar, ein Jude, enttarnte ihn endgültig.

Ermittler
Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Axel Milberg, siehe Bilderstrecke unten) informierte die Israelis.

Heikle Romanze
Eichmanns Sohn (Johannes Klaußner) liebte die Tochter (Henriette Confurius) eines Juden (Michael Hanemann; Fotos siehe Bilderstrecke unten)

Nutznießer
Altnazi Willem Sassen (Ulrich Tukur, siehe Bilderstrecke unten) machte mit seinen privaten Eichmann-Interviews viel Geld.

Foto Flashbühne © NDR / Marion von der Mehden
Fotos Bilderstrecke © NDR / Marion von der Mehden

Autor: Angela Meyer-Barg

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