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Moderator Harald Schmidt.
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Moderator Harald Schmidt: Die Produktionsfirma von Schmidt streicht, laut Branchenkenntnis, 8,4 Millionen Euro für seinen Late-Talk ein (70 Shows pro Jahr). - Foto © SAT.1 / Anatol Kotte

Goldgrube Fernsehen

Das verdienen unsere TV-Stars

  • Artikel vom 01. Oktober 2011

Günther Jauch ist ein Phänomen: Im Jahr 2004 wählten ihn Deutschlands Frauen zum erotischsten Moderator. Drei Jahre später gestanden die Bundesbürger in einer Forsa-Umfrage, dass sie ihm mehr vertrauen als Papst Benedikt XVI. oder dem Dalai Lama. Im Jahr 2008 wünschte sich laut einer Umfrage von tns Emnid fast jeder zweite Deutsche sogar, dass Jauch neuer Bundeskanzler wird. Dem 55-Jährigen wird große Hochachtung entgegengebracht.


Gagen im TV: Vor der Kamera

Die Gagen-Giganten des Fernsehens streichen bis zu 10,5 Millionen pro Jahr ein – mit der Produktion und Moderation ihrer eigenen Sendung. Spitzenreiter derzeit: Günther Jauch. Doch auch Schauspieler wie Mario Adorf erhalten fürstliche Honorare. Wer will (und kann), bessert sein Einkommen zudem mit TV-Werbung auf. Das sind nach Schätzung von Experten die Top-Verdiener (siehe Bilderstrecke unten).

Gagen im TV: Hinter der Kamera

Wer im Fernsehen nicht im Scheinwerferlicht steht, sondern hinter den Kulissen, hat deutlich niedrigere Gagen. Einige sind tariflich geregelt, andere frei verhandelt. Es gibt also auch Ausreißer nach oben. HÖRZU recherchierte, was Drehbuchautoren, Kameraleute, Fotografen und die Trainer von Filmtieren wirklich verdienen. Hier ein Überblick.


Was sagt er selbst dazu? Er wiegelt ab. "Darauf gebe ich wenig bis gar nichts", verriet der 55-Jährige HÖRZU im Interview. "Das kann sich alles schnell ändern. Wenn man in Umfragen einen Platz vor dem Dalai Lama belegt, spricht das zudem dafür, dass bei den Befragten ein paar Koordinaten verrutscht sind." Sehr sympathisch, sehr bescheiden. Doch steckt hinter Jauchs realistischer Einschätzung vielleicht mehr als Bescheidenheit? Etwa ein gutes Händchen für Finanzen.

Angenommen, Jauch würde Angela Merkel im Amt des Bundeskanzlers ablösen, dann hätte er nicht nur ihre Macht, sondern auch ihr Jahresgehalt: etwa 283.000 Euro. Also viel weniger als die Summe, die ihm die ARD für seine neue Polit-Talkshow "Günther Jauch" auf das Konto seiner Produktionsfirma I & U überweist: angeblich 10,5 Millionen Euro. Für Produktion und Moderation der Sendung.

Errechnet man daraus einen Minutenpreis, kommt man auf beachtliche 4400 Euro. Ist Jauch so viel wert? HÖRZU konfrontierte ihn mit dieser Frage. Seine Antwort: "Der Zuschauer kann sehr schwer unterscheiden, wer oder was im Fernsehen wie viel kostet. Bei der Sonntagabendsendung fließt zum Beispiel sehr viel in die aufwendige Produktion. Das Format wird der ARD ja komplett geliefert." Die Sache ist also etwas komplizierter: Zwar wirkt die gehandelte Summe von jährlich 10,5 Millionen Euro für "Günter Jauch" extrem hoch, doch allein für diese Sendung sind 20 Mitarbeiter in Jauchs Firma I & U tätig.

Andererseits produziert I & U pro Jahr rund 130 Sendungen für verschiedene TV-Kanäle, viele davon für die ARD, etwa "Das unglaubliche Quiz der Tiere". Sie spülen noch mehr Geld auf das Konto von Günther Jauchs Firma.

Gagen im TV: gravierende Unterschiede

Sind die hohen Summen also gerechtfertigt – oder eher völlig abgehobene Mondpreise? Um diese Frage zu klären, hat HÖRZU im großen Gagen-Check zusammengetragen, wie viel deutsche TV-Schaffende vor und hinter der Kamera verdienen. Basis waren öffentliche Äußerungen, Gehaltstabellen der Gewerkschaft und Schätzungen von Branchenkennern. Deutlich wurde: Die Unterschiede sind gravierend. Etwa 150 Euro pro Drehtag erhält ein Statist als "Tatort“-Leiche, ein Drehbuchautor der renommierten Krimireihe verdient schon 36.000 Euro pro Skript.

Bei Starschauspielern und Starmoderatoren wie Günther Jauch oder Harald Schmidt, die das Image eines Senders maßgeblich prägen, klingelt die Kasse natürlich wesentlich lauter. Schmidt, der jüngst von der ARD zu Sat.1 zurückkehrte, bekommt von dem Privatsender eine geschätzte Jahressumme von 8,4 Millionen Euro – für 70 Sendungen, die er mit seiner Produktionsfirma Kogel & Schmidt produziert. Auch bei ihm hakte HÖRZU im Interview nach: "Ist Ihr Jahresgehalt bei Sat.1 tatsächlich so hoch? Und stimmt es, dass Sie bei der ARD sogar neun Millionen bekamen?" Schmidts Antwort – gewohnt spitzbübisch: "Ich dachte, es sei mehr gewesen! Im Ernst: Die gesamte Summe habe ich nicht im Kopf, weil ich so große Zahlen nicht lesen kann."

Multimillionär Dieter Bohlen, Moderator von "Deutschland sucht den Superstar" (RTL), ist der Umgang mit Riesensummen geläufiger. Ehrlich gibt er HÖRZU gegenüber zu, dass Geld ihm viel bedeutet: "Die meisten dummen Leute haben eine negative Einstellung zum Geld. Und wenn man Sachen im Leben ablehnt, kriegt man sie auch nicht. Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr gesagt: 'Ich möchte später mal Geld haben, ich finde viel Geld toll!'"

Bohlen, der bereits seit Jahren geschätzte 1,2 Millionen Euro pro "DSDS"-Staffel verdient, zahlt trotzdem brav seine Steuern in Deutschland: "Ich bin bodenständig. Deutschland verdanke ich viel. Einen Großteil meines Geldes habe ich hier verdient. Warum soll ich nach Monaco fliehen? Mir gefällt die deutsche Solidargemeinschaft und dass wir für diejenigen mitsorgen, die nicht so viel verdienen. Also gebe ich gern die Hälfte ab."

Autor: Mike Powelz

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