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Stefan (Fabian Busch) liegt wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus.
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''Blutgeld'' im ZDF: Stefan (Fabian Busch) liegt wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus. / Foto: © ZDF und Willi Weber

Bluter infizierten sich mit HIV

''Blutgeld'': ZDF-Film über einen wahren Medizin-Skandal

  • Artikel vom 27. Oktober 2013

Anfang der 80er-Jahre breitet sich eine neue Krankheit wie eine Epidemie aus und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken: Aids. Die Diagnose ist für die Betroffenen ein Todesurteil. Gegen die Immunschwäche, die durch den HI-Virus ausgelöst wird, hilft kein Medikament. Ärzte sind hilflos. Entdeckt wird die Krankheit von Wissenschaftlern in den USA. Betroffen zu sein scheinen Homosexuelle, Prostituierte und Drogensüchtige, die sich durch verunreinigte Spritzen infizieren. Doch es gibt eine weitere Infektionsgefahr, die der ZDF-Film ''Blutgeld'' (MO, 28.10,, 20.15 Uhr) thematisiert: für Bluter.

Die Handlung: Die Brüder Ralf (Max Riemelt), Thomas (David Rott) und Stefan (Fabian Busch) leiden unter Hämophilie, der Bluterkrankheit. Bis Anfang der 70er-Jahre ist die Lebenserwartung der Betroffenen niedrig. Doch dann kommen Faktor-VIII-Präparate auf den Markt, Mittel zur Blutgerinnung, die aus Blutspenden gewonnen werden. Ein Segen für die Patienten.

Blutgeld im ZDF

Ralf (Max Riemelt) und Thomas (David Rott) besuchen ihren Bruder im Krankenhaus. / Foto: © ZDF und Willi Weber

Wahrer Hintergrund

Als sich Jahre später Aids ausbreitet, wird die Therapie jedoch zur tödlichen Gefahr. Nach "Contergan" (2007) drehte die Produktionsfirma Zeitsprung mit "Blutgeld" erneut einen Film, der auf wahren Begebenheiten basiert und einen der größten Pharmaskandale in Deutschland thematisiert.

Schon früh warnten engagierte Mediziner damals davor, dass Blutkonserven HIV-verseucht seien. Medien wie der "Spiegel" wiesen bereits im Sommer 1983 auf diese Gefahr hin. Pharmaindustrie und Gesundheitsbehörde wussten um das Risiko, nahmen das Mittel aber nicht vom Markt – und damit in Kauf, dass Bluter an Aids erkrankten.

Warum hat niemand reagiert? "Da kam Verschiedenes zusammen. Viele Ärzte waren unwissend oder wollten es nicht wahrhaben. Die alten Mittel galten mehr als zehn Jahre lang als Wundermittel, hatten bestens gewirkt", sagt Regisseur und Autor René Heisig, der selbst Arzt ist. "Und medizinische Alternativen wären teuer gewesen. Der Wunsch der Profitmaximierung spielte natürlich auch eine wichtige Rolle."

Mehr als 1000 Tote

Mit anderen Worten: Aus reiner Profitgier nahm die Pharmaindustrie in Kauf, dass Bluter an Aids erkrankten. 1500 Bluter wurden infiziert, mehr als 1000 sind bisher an Aids gestorben. Warum haben sich die Opfer nicht zur Wehr gesetzt? "Sie hatten keine Lobby. Außerdem bekamen sie nur schwer zuverlässige Informationen, das Internet gab es noch nicht. Und: Aids haftete ein übles Lustseuchen-Image an. Es waren auch viel Scham und Angst im Spiel", so Heisig. "Die Opfer fühlten sich wie Täter."

Betroffene wurden zudem gesellschaftlich ausgegrenzt und diskriminiert. Und es blieb ihnen nicht viel Zeit. "Die Pharmaindustrie hat darauf gesetzt, dass sich das Problem schnell von allein erledigt", so Heisig. Auf den positiven Ausgang eines langwierigen Prozesses konnten die Betroffenen kaum hoffen, weil sie starben. "Außerdem waren sie in der Beweispflicht. Die Pharmaindustrie hat knallhart ausgenutzt, dass es fast unmöglich war, ein exaktes Datum der Ansteckung geschweige denn einen Verursacher zu nennen." Unfassbar!

Direkt im Anschluss an den aufwühlenden Fernsehfilm zeigt das ZDF den Beitrag ''Blutgeld - Die Dokumentation'' (Start: 21.45 Uhr) über den Skandal.


Sendehinweis: ''Blutgeld''

Fernsehfilm über einen der größten Medizinskandale der Bundesrepublik
MO, 28.10,. ZDF, 20.15 Uhr

Autor: Thomas Kunze

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